Mechanismen für eine intensivierte Zusammenarbeit zwischen Industrie- und Entwicklungsländern bei unterschiedlichen Wirtschaftssystemen: Gutachten im Auftrage des BMZ

Sonstige DIW-Publikationen , 70 S.

Hans Bokermann, Hans J. Petersen, Siegfried Schultz, Dieter Schumacher

1977

Abstract

Die Fortschritte der Entwicklungsländer im Rahmen der bisherigen weltwirtschaftlichen Spielregeln sind unbefriedigend. Daher wollen diese Länder durch dirigistische Maßnahmen den Zustrom von Kapital und Technologien erhöhen und auch die Mittel verstärkt den eigenen Bedürfnissen entsprechend verwenden. In der Studie wird Souveränität im Handlungsspielraum der Entwicklungsländer vorausgesetzt. Vor diesem Hintergrund wird untersucht, welche "Mechanismen" einer industriellen Kooperation eingeführt oder verbessert werden können, die - 1. Mit der marktwirtschaftlichen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland in Einklang zu bringen sind; - 2. Hinreichend Gewähr dafür bieten, von der deutschen Privatwirtschaft akzeptiert und genutzt zu werden; - 3. Insgesamt ein attraktives Angebot an die angesprochenen Entwicklungsländer darstellen. Zunächst wird die Kooperation mit östlichen Industrieländern behandelt, da sich hier Probleme und Lösungsansätze für systemübergreifende Kooperation am deutlichsten skizzieren lassen. Es wird geprüft, welche Parallelen und Konsequenzen im Hinblick auf bilaterale West-Süd-Beziehungen gezogen werden können. Anschließend werden weitere bilaterale West-Süd-Ansätze, multilaterale Mechanismen und die Förderung wirtschaftlicher Zusammenarbeit der Entwicklungsländer durch Industrieländer analysiert und entwicklungspolitische Empfehlungen abgeleitet. Die verschiedenen Aspekte der Untersuchung werden nicht erschöpfend diskutiert, sondern ansatzweise herausgearbeitet. Dabei konzentriert sich die Studie auf industrielle Zusammenarbeit i. e. S.; handelspolitische Maßnahmen bleiben unberücksichtigt. Im Vordergrund steht die Erschließung des Kooperationspotentials der mittelständischen Industrie. Wegen der Schwierigkeit, die quantitativen Wirkungen internationaler industrieller Zusammenarbeit abzuschätzen, wird von einem Bezug zu den Zielprojekten der Lima-Deklaration abgesehen. Dagegen wird diskutiert, wie die Industrieländer im Einklang mit ihren eigenen Interessen die notwendige Beschleunigung der industriellen Entwicklung der Dritten Welt auch dann unterstützen können, wenn marktwirtschaftliche Prinzipien in den Wirtschaftsverfassungen von Entwicklungsländern immer mehr zurückgedrängt werden.