Ausländerbeschäftigung, Produktionsstruktur und Wirtschaftswachstum: Gutachten im Auftrage des Bundesministers für Wirtschaft

Sonstige DIW-Publikationen , 123 Bl.

Bernd Görzig unter Mitarb. von Harald Keiter

1977

Abstract

Obwohl es Schwierigkeiten bereitet anzugeben, wie sich die Wirtschaft in der Bundesrepublik Deutschland entwickelt hätte, wenn keine ausländischen Arbeitskräfte zur Verfügung gestanden hätten, ist es in dieser Untersuchung mit Hilfe einer Reihe zusätzlicher Annahmen gelungen, einige wichtige Aspekte im Zusammenhang mit der Ausländerbeschäftigung zu klären. Was die Ursachen der Ausländerbeschäftigung angeht, so konnte ein Zusammenhang zwischen zunehmender "Exportlastigkeit" der Produktionsstruktur und zunehmender Ausländerbeschäftigung nicht gefunden werden. Generell müssen auch die Wirkungen der Ausländerbeschäftigung auf die Nachfragestruktur als gering eingeschätzt werden. Für den Einfluß der Beschäftigung von Gastarbeitern auf das Wirtschaftswachstum kristallisierte sich als Ergebnis einer Reihe von Alternativrechnungen heraus, daß per Saldo das Pro-Kopf-Einkommen in der Bundesrepublik Deutschland mit Einschluß der Ausländer höher war, als es ohne diese Beschäftigten gewesen wäre. Obwohl der den ausländischen Arbeitskräften zurechenbare Produktionsbeitrag eher unterdurchschnittlich ist, kann daraus nicht auf das Niveau der Versorgung pro Kopf der Bevölkerung geschlossen werden, da das unterdurchschnittliche Produktivitätsniveau durch die überdurchschnittliche Erwerbsbeteiligung der Ausländer mehr als kompensiert wird. Als gravierender ist der Einfluß ausländischer Arbeitskräfte auf die Beschäftigtenstruktur einzuschätzen. Auch wenn angenommen wird, daß Ausländer in beträchtlichem Umfang durch beschleunigte Kapitalintensivierung hätten ersetzt werden können, bleiben doch Ungleichgewichte bestehen zwischen der Branchenstruktur der deutschen Beschäftigten und jener Struktur der Beschäftigung, die bei unveränderter Produktionsstruktur ohne ausländische Arbeitskräfte zu erwarten wäre. Um dieses Ungleichgewicht nicht entstehen zu lassen, hätte sich die Beschäftigtenstruktur der Deutschen von vornherein anders entwickeln müssen, mit entsprechenden Konsequenzen für das Lohnniveau. Geht man von der derzeitigen Beschäftigtenstruktur aus, so hätten Umsetzungen deutscher Arbeitskräfte in einem Ausmaß stattfinden müssen, das realiter auch bei relativ hohen finanziellen Anreizen kaum zu erreichen wäre.

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