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Die künftige Entwicklung des Energiemarktes in Bayern bis zum Jahre 1995: Überprüfung und Fortschreibung der Prognose aus dem Jahre 1974 ; Gutachten im Auftrage des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft und Verkehr, München

Sonstige DIW-Publikationen , XII, 220 S. : Anl.

Hans-Joachim Ziesing

1977

Abstract

Ähnlich wie bei der energiewirtschaftlichen Untersuchung für das Bundesland Hessen besteht das Ziel dieser Arbeit darin, das Gutachten des DIW aus dein Jahre 1974 über die künftige Entwicklung des Energiemarktes bis zum Jahre 1990 auf der Grundlage der in den letzten Jahren zu beobachtenden Tendenzen zu überprüfen und die Ergebnisse bis zum Jahre 1995 fortzuschreiben. Entsprechend dem dreistufigen Aufbau der Energiebilanzen werden in einem ersten Schritt der künftige Energieverbrauch in den sog. Endenergiesektoren (Industrie, Haushalte und Kleinverbraucher sowie Verkehr) ermittelt, dann die Entwicklung in den Umwandlungsbereichen (vor allem Gas-, Mineralöl- und Elektrizitätswirtschaft) untersucht und schließlich der voraussichtliche Verlauf des Primärenergieverbrauches geschätzt. Der Endenergieverbrauch Bayerns belief sich im Jahre 1975 auf knapp 36 Mill. t SKE. Nach der Vorausschätzung wird er sich bis zum Jahre 1995 auf fast 58 Mi II. t SKE, d. h. um durchschnittlich jährlich 2,4 vH erhöhen. Grundlegende Verschiebungen der sektoralen Aufteilung des Endenergieverbrauches werden nicht erwartet. Allerdings dürfte sich die bis 1975 erkennbare Tendenz einer Erhöhung der Verbrauchsanteile der Sektoren Haushalte und Kleinverbraucher sowie Verkehr nicht weiter fortsetzen. Hierin schlagen sich stagnierende Bevölkerungszahlen ebenso nieder wie zunehmende Sättigungserscheinungen und nunmehr verstärkt in Rechnung zu stellende Maßnahmen zur rationelleren Energieverwendung. Deutliche Wandlungen sind im Hinblick auf die Energieträgerstruktur zu erwarten. Zwar werden die Mineralölprodukte nach wie vor von überragender Bedeutung sein, ihr Anteil am gesamten Endenergieverbrauch wird sich jedoch von rund 72 vH im Jahre 1975 nennenswert vermindern und im Jahre 1995 bei etwa 56 vH liegen. Feste Brennstoffe werden künftig im Endenergiebereich nur noch eine untergeordnete Rolle spielen. Demgegenüber ist bei sämtlichen leitungsgebundenen Energieträgern weiterhin mit einem kräftigen absoluten wie relativen Zuwachs zu rechnen. So wird sich beispielsweise der Stromverbrauch innerhalb des Prognosezeitraumes um durchschnittlich jährlich 5,3 vH erhöhen. Zur Deckung der in Bayern zu erwartenden Stromnachfrage werden die Kraftwerkskapazitäten beträchtlich auszuweiten sein, und zwar von knapp 10,8 Gigawatt (GW) im Jahre 1976 auf 24,5 GW im Jahre 1995. Sofern sich die entsprechenden Planungen seitens der bayerischen Elektrizitätsversorgungsunternehmen realisieren lassen, wird sich der Kapazitätszuwachs im wesentlichen auf den Zubau von Kernkraftwerken erstrecken. Der Primärenergieverbrauch Bayerns wird sich von knapp 50 Mill. t SKE im Jahre 1975 voraussichtlich auf rund 88 Mill. t SKE im Jahre 1995 erhöhen. Dies entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 2,9 vH. Dabei wird die künftige Entwicklung von einem deutlichen Rückgang des relativen Verbrauchsanstieges gekennzeichnet sein. Hinsichtlich der Struktur der eingesetzten Primärenergieträger kann mit beträchtlichen Veränderungen gerechnet werden. Unter der Annahme, daß Kernenergie im geplanten Umfang eingesetzt wird, dürfte sich der Anteil dieses Energieträgers am Primärenergieverbrauch Bayerns von lediglich 1,3 vH im Jahre 1975 auf rund ein Viertel im Jahre 1995 erhöhen. Der Anteil des Mineralöls wird sich dagegen von knapp 68 vH (1975) auf weniger als 50 vH (1995) vermindern. An Bedeutung gewinnen wird demgegenüber auch weiterhin das Erdgas, dessen Anteil in Bayern von gut 9 vH (1975) auf fast 17 vH (1995) steigen wird.

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