Einkommensarmut bei Zuwanderern überdurchschnittlich gestiegen: Armut häufig mit Unterversorgung in anderen Lebensbereichen gekoppelt

DIW Wochenbericht 5 / 2005, S. 79-86

Ingrid Tucci, Gert G. Wagner

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Abstract

Die ökonomische Lage der in Deutschland lebenden Bevölkerung mit Migrationshintergrund hat sich von 1998 bis 2003 relativ verschlechtert; unter den Zuwanderern ist der Anteil der in Armut Lebenden überdurchschnittlich gestiegen. Besonders hoch ist die Betroffenheit von Armut bei den Älteren und Jüngeren. Das vom DIW Berlin in Zusammenarbeit mit Infratest Sozialforschung erhobene Soziooekonomische Panel (SOEP) zeigt, dass im Jahre 2003 28 % der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund im Alter von unter 20 Jahren in prekären Verhältnissen lebten. Bei den gleichaltrigen "Einheimischen" waren es deutlich weniger, wenngleich mit 20 % ebenfalls beunruhigend hoch. Vor allem Bürger türkischer Herkunft sind häufig von Einkommensarmut betroffen. Dagegen leben Migranten aus westlichen Ländern vergleichsweise selten in Armut. Eingebürgerte schneiden im Durchschnitt besser ab als Ausländer; dies gilt allerdings nicht für Aussiedler. Überaus bedenklich ist, dass Armut für viele Zuwanderer nicht ein vorübergehendes Phänomen, sondern ein dauerhafter Zustand ist. Dieses Problem kann langfristig nur durch bessere Bildung und Ausbildung gelöst werden.

Gert G. Wagner

Senior Research Fellow in der Infrastruktureinrichtung Sozio-oekonomisches Panel


Frei zugängliche Version: (econstor)
http://hdl.handle.net/10419/151354