Patientenverfügungen in Deutschland: Bedingungen für ihre Verbreitung und Gründe der Ablehnung

Referierte Aufsätze Web of Science

Frieder R. Lang, Gert G. Wagner

In: Deutsche medizinische Wochenschrift 132 (2007), 48, S. 2558-2562

Abstract

Hintergrund: Bislang ist die Verbreitung von Patientenverfügungen in der prä-klinischen Bevölkerung (das heißt, bevor es zu einer Krankenhausaufnahme kommt) noch kaum bekannt, da sich Studien hierzu zumeist auf Patienten- bzw. Arztbefragungen beziehen. Somit ist unklar, welche prä-klinischen Bedingungen die Verbreitung von Patientenverfügungen begünstigen. Von Interesse sind insbesondere persönliche und soziale Lebensumstände, die dazu führen, dass Menschen es für sich explizit ablehnen, eine Patientenverfügung zu erstellen. Methodik: Die Untersuchung beruht auf zwei Befragungen mit 400 bzw. 1023 Männern und Frauen (47/53 % bzw. 46.5/53.5 %) im Alter von 16 bis 92 Jahren, die jeweils repräsentativ für die gesamte deutsche Bevölkerung sind. In beiden Befragungen wurden im Rahmen einer Mehrthemenerhebung das Vorhandensein einer Patientenverfügung bzw. die Bereitschaft zur Erstellung einer solchen Verfügung erfragt. Ergebnisse: Rund 10 % der Erwachsenen in Deutschland verfügen über eine prä-klinische Patientenverfügung, aber 52 % lehnen es ab, eine Patientenverfügung zu erstellen. In logistischen Regressionsanalysen zeigt sich, dass auch nach statistischer Kontrolle sozioökonomischer Einflüsse (Bildung, Einkommen, Haushaltsgröße), die Akzeptanz und Verbreitung von Patientenverfügung vom Alter und von persönlichen Erfahrungen mit Tod und Sterben im persönlichen Umfeld abhängen: Eine Patientenverfügung lehnt eher ab, wer unter 50 Jahre alt ist, wenig auf gesunde Ernährung achtet, wenig Sport treibt, über wenig Einkommen verfügt und keine Angehörigen im vergangenen Jahr verloren hat. Folgerung: Die Bereitschaft eine Patientenverfügung im prä-klinischen Stadium zu erstellen hängt in hohem Maße von der persönlichen Auseinandersetzung mit Fragen der medizinischen Behandlung am Lebensende statt. Wer den Sterbeprozess von Angehörigen miterlebt hat, ist selbst eher bereit, sich auf Fragen der eigenen Behandlungspräferenzen am Lebensende einzustellen.

Themen: Gesundheit

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