Der lange Weg zur integralen Elementarschadenversicherung und -vorbeugung in der Schweiz

Vierteljahrshefte zur Wirtschaftsforschung 4 / 2008, S. 98-103

Markus Fischer

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Abstract

Bis zum Auftreten der ersten Versicherungen prägten zwei Verhaltensweisen die Bewältigung von Elementarereignissen: Einerseits wurden die Leistungen auf freiwilliger Basis erbracht, andererseits kamen die Solidaritätsleistungen immer erst nach dem Eintritt der verheerenden Naturereignisse zustande. Sie entfalteten daher nur in Ansätzen präventive Wirkungen. Es war sogar außerordentlich schwer, Spendenmittel für vorbeugende Maßnahmen, zum Beispiel für den Wuhrbau, abzuzweigen. Offenbar betrachtete man Vorbeugemaßnahmen weitgehend als Aufgabe der öffentlichen Hand, während Hilfeleistungen an Geschädigte eher privater Wohltätigkeit überlassen wurden. "Gebäudeversicherung" wurde demnach bis zum beginnenden 19. Jahrhundert gewissermaßen mit "nachschüssiger Prämie" betrieben, d. h. die verschont gebliebene Bevölkerung finanzierte mit Spenden die Wiederherstellung zerstörter Bauten. Dafür durften die Nichtbetroffenen hoffen, selbst von der Wohltätigkeit profitieren zu können, wenn ihre Häuser durch einen Brand oder ein Naturereignis zerstört werden sollten. Diese letztlich auf Mitleid beruhende Solidarität war mit drei wesentlichen Nachteilen behaftet. Der erste ist die Freiwilligkeit, die je nach Ereignis und Wirtschaftslage besser oder weniger gut zum Tragen kam. Ein zweites Problem bestand darin, dass die Wohltätigkeit bei spektakulären Katastrophen besser funktionierte als bei den viel häufigeren Einzelschäden. Schließlich waren die Hilfsaktionen nach Natur- oder Brandereignissen weitgehend von präventiven Maßnahmen isoliert. Hilfsaktionen nach Elementarkatastrophen waren demnach eine höchst unzuverlässige, unnachhaltige Antwort auf die wirtschaftlichen Probleme im Gefolge von Gebäudebränden oder Zerstörungen durch Naturgewalten.

Up until the appearance of early insurance, fi nancial relief for victims of natural hazards was characterised by two facts: First, private support to victims was provided on a purely voluntary basis. Second, help was only given after an extreme event had happened. "Charity" of this sort was never geared to either help prevent the occurance of these damages or to support measures to lower the frequency of extreme events. In fact, it proved overly diffi cult to mobilise private resources for preventive efforts such as dam construction. The prevention of natural hazards was seen as a public duty, while help to victims was left to private charity. "Insurance" at this time meant that those who were lucky to escape the forces of nature were supposed to help those who were hit by an extreme event. This sympathy-based type of ex post-solidarity had three major weaknesses. First, as long as help was voluntary, victims could not count on suffi cient resources to cover their loss. Second, charity was ever greater in spectacular, catastrophic events than in case of wide spread small damages. Third, fi nancial support to the victims was totally unrelated to any previous preventive efforts. In sum, fi nancial relief for victims of natural hazards was unreliable, unsustainbale and ineffi cient. This article shows how a more systematic response of natural disaster management developed historically and institutionally in the "Kantonale Gebäudeversicherungen" in Switzerland.



JEL-Classification: Q54;G22
Keywords: Elementarschadenversicherung, Feuerversicherung, Erdbeben, Solidarität, Prävention, Gebäudeversicherung, Schweiz
DOI:
https://doi.org/10.3790/vjh.77.4.98
Frei zugängliche Version: (econstor)
http://hdl.handle.net/10419/99536