Wenig Chancengleichheit in Deutschland: Familienhintergrund prägt eigenen ökonomischen Erfolg

DIW Wochenbericht 4 / 2013, S. 3-9

Daniel D. Schnitzlein

get_appDownload (PDF  175 KB)

get_appGesamtausgabe/ Whole Issue (PDF  0.51 MB)

Abstract

Die Sicherstellung von gleichen Lebenschancen ist ein Ziel, das seit vielen Jahren alle westlich geprägten demokratisch verfassten Gesellschaften teilen. Obwohl alle Bürger formal über gleiche Rechte verfügen, sind auch in Deutschland die Chancen für individuelle Lebensverläufe je nach familiärem Hintergrund unterschiedlich und prägen damit das Muster der sozialen Ungleichheit. Die vorliegenden Ergebnisse zeigen anhand neuer methodischer Verfahren, dass der Einfluss des Familienhintergrundes auf individuelle Arbeitseinkommen, Familieneinkommen, Stundenlöhne sowie Bildungserfolg in Deutschland im internationalen Vergleich beachtlich hoch ist: 40 Prozent der Ungleichheit im individuellen Arbeitseinkommen werden durch den Familienhintergrund erklärt. Beim Bildungserfolg liegt der Erklärungsbeitrag der Herkunft sogar über 50 Prozent. Im internationalen Vergleich ist die Chancengleichheit in Deutschland damit auf einem ähnlich niedrigen Niveau wie in den USA und signifikant geringer als in Dänemark.

For many years, securing equal life opportunities has been a normative goal shared by all democratic societies in the western world. Although, in principle, all citizens enjoy the same rights, in reality, individual life opportunities still vary according to family background which, in turn, shapes the prevailing pattern of social inequality. This is not a specifically German phenomenon. Based on a new methodology, the present findings demonstrate that, in Germany, family background has a significant impact on individual earned income, family income, hourly wages, and also educational success: 40 percent of individual earned income inequality can be explained by family background. In the case of educational achievement, this figure even exceeds 50 percent. By international standards, this places equality of opportunity in Germany at a similarly low level as in the US and significantly lower than in Denmark.

Daniel D. Schnitzlein

Juniorprofessor in der Infrastruktureinrichtung Sozio-oekonomisches Panel



JEL-Classification: D1;D3;J62
Keywords: Equality of opportunity, sibling correlations, intergenerational mobility, SOEP
Frei zugängliche Version: (econstor)
http://hdl.handle.net/10419/69307