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EG-Agrarreform 1992: Ende der Krise oder Auftakt zu neuen Problemen?

DIW Wochenbericht 8/9 / 1993, S. 82-86

Peter Hrubesch

Abstract

Die Landwirtschaft in der Europäischen Gemeinschaft steht unter verstärktem Anpassungsdruck. Erstens muß sie sich in einem immer schwieriger werdenden internationalen Umfeld - nun auch gegenüber den osteuropäischen Ländern - mehr und mehr aus eigener Kraft behaupten, da der Außenschutz immer weiter zurückgenommen wird. Zweitens muß sie die Produktion zurücknehmen, da die volkswirtschaftlichen Kosten und budgetären Belastungen aus der Überproduktion immer unzumutbarer werden und das agrarpolitische Ziel einer gesicherten Nahrungsversorgung in der Gemeinschaft an Bedeutung verloren hat. Drittens werden eine die natürlichen Ressourcen schonende, nachhaltige Bewirtschaftung und eine aktive Beteiligung der Landwirteam Natur- und Umweltschutz künftig eine viel stärkere Rolle in der Agrarpolitik spielen müssen. Die Europäische Gemeinschaft hat am 1. Juli 1992 abermals eine Reform ihrer Agrarpolitik beschlossen. Bis zum Wirtschaftsjahr 1995/96 sollen schrittweise die Marktordnungspreise für alle Getreidearten und für Rindfleisch gesenkt werden, damit die Erzeugung auf die Höhe des Verbrauchs zurückgeführt und der Abstand zwischen dem überhöhten Binnenmarktpreisniveau und dem Weltmarktpreis verringert wird. Erstmals werden dabei einkommenspolitische und marktpolitische Ziele mit unterschiedlichen Instrumenten verfolgt. Damit übertreffen die Reformbeschlüsse alle bisherigen Anpassungen. Mag die Reform auch vom Konzept her überzeugen, so ist doch zu befürchten, daß die Fülle der Detailregelungen zu viele Ausweichmöglichkeiten bietet und zu bürokratischen Fehlsteuerungen führt.

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