Frauen in Familie und Beruf: steigender Erwerbstätigkeit der Frauen steht keine Entlastung im Haushalt gegenüber

DIW Wochenbericht 29 / 1990, S. 400-409

Elke Holst, Jürgen Schupp

Abstract

Von 1985 bis 1989 wurden in der Bundesrepublik Deutschland über eine Million Beschäftigungsverhältnisse zusätzlich abgeschlossen. Der Beschäftigungszuwachs war bei den Frauen größer als bei den Männern. Knapp die Hälfte der Zunahme der Frauenbeschäftigung entfiel auf sozialversicherungspflichtige Teilzeitarbeit. Nicht nur die Zahl der erwerbstätigen Frauen ist gestiegen, sondern auch ihr Erwerbsverhalten hat sich verändert: Frauen streben nach Abschluß der Berufsausbildung verstärkt eine Berufstätigkeit an, bleiben länger unverheiratet, unterbrechen ihre Berufstätigkeit seltener oder später und verkürzen, weil sie Kinder bekommen, die Dauer der Unterbrechung. Mütter jüngerer Kinder streben eher eine Teilzeit-, Frauen ohne Kinder vor allem eine Vollzeittätigkeit an. Der zeitlichen Belastung von Frauen durch vermehrte Berufstätigkeit steht aber keine entsprechende Entlastung bei der Haus- und Familienarbeit gegenüber; die Belastung von Müttern jüngerer Kinder hat vielmehr noch zugenommen. Diese Entwicklung zeigt Auswirkungen bei der Familienbildung: Die Zahl der Elternhaushalte mit Kindern unter 16 Jahren nimmt ab, während die der Alleinerziehenden- Haushalte zunimmt. Unsere Gesellschaft wird sich stärker auf die Berufstätigkeit der Frauen einstellen müssen.

Jürgen Schupp

Wissenschaftler in der Infrastruktureinrichtung Sozio-oekonomisches Panel

Themen: Gender

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