DIW Wochenbericht 32 / 1990, S. 441-446
Martin Gornig, Johannes Schwarze
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Die jüngsten Tarifabschlüsse in der DDR orientieren sich vorwiegend an der Preisentwicklung, ohne zu berücksichtigen, daß Lohnerhöhungen durch Produktivitätssteigerungen gedeckt werden müssen. Der mit der Umstellung des Abgaben- und Steuersystems sich den Unternehmen eröffnende Preissenkungsspielraum wird rasch aufgezehrt. Die Wettbewerbsposition der DDR-Wirtschaft wird sich damit weiter verschlechtern. Pauschale Lohnsteigerungen führen darüber hinaus dazu, daß die bislang in der DDR ohnehin wenig differenzierte Lohnstruktur weiter nivelliert wird. In die Tarifverhandlungen sollten hingegen Überlegungen zur Neugestaltung der Lohnstruktur einbezogen werden. Akzente sollten dabei auf einer Entlohnung liegen, die sich mehr als bisher an beruflichen Qualifikationen und Tätigkeiten orientiert. Dies würde dazu beitragen, über Leistungs- und Umstrukturierungsanreize Impulse für Produktivitätssteigerungen zu geben. Die Modellrechnungen in diesem Bericht zeigen, daß eine Ausrichtung der Lohnstruktur an der Lohnstruktur in der Bundesrepublik einen gangbaren Weg darstellt. Da die schon erfolgten pauschalen Lohnerhöhungen wohl kaum rückgängig gemacht werden können, erfordert der Prozeß der Lohndifferenzierung nunmehr einen längeren Zeitraum, um bei moderater Anhebung des Lohnniveaus ohne Lohnsenkungen in Teilbereichen auszukommen. Selbst bei Produktivitätssteigerungen von jährlich 8 vH in der DDR wird die Anpassung der Lohnstruktur an bundesdeutsche Verhältnisse einen Zeitraum von mindestens 3 Jahren beanspruchen.
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