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Strukturelle und sektorale Entwicklung des Energieverbrauchs in Berlin (West)

DIW Wochenbericht 19 / 1985, S. 227-238

Hans-Joachim Ziesing

Abstract

Erstmals seit Ende der siebziger Jahre hat sich 1984 der Energieverbrauch in Berlin wieder kräftig erhöht: Im Vergleich zum Vorjahr stieg er nach ersten Berechnungen des DJW konjunktur-, aber auch witterungsbedingt um 4,4 vH. Der Verbrauchszuwachs war damit in Berlin höher als im Bundesgebiet, wo er 3,2 vH betragen hat. Der bisherige Verbrauchshöhepunkt im Jahre 1979 wurde aber noch immer um rund 7 vH unterschritten. Mehr als nach der ersten Ölpreiskrise von 1973/74 sind im Anschluß an die zweite Ölpreiskrise von 1978/79 und unterstützt durch energiepolitische Maßnahmen von Bund und Ländern erhebliche Fortschritte bei der sparsamen und rationellen Energieverwendung erzielt worden. So ist in Berlin die gesamtwirtschaftliche Energieintensität von 1979 bis 1984 um rund 12 vH gesunken, und die gesamtwirtschaftliche Stromintensität ist gegenüber den früheren Jahren nur noch wenig gestiegen. Im verarbeitenden Gewerbe hat sich der Energieverbrauch je Produktionseinheit im gleichen Zeitraum sogar um mehr als 20 vH vermindert. Für die Primärenergieversorgung stehen in Berlin bislang nur Stein- und Braunkohlen sowie Mineralöl zur Verfügung. Daher ist die Stadt bei dem energiepolitisch erwünschten Wandel der Energieversorgungsstruktur bis heute nur wenig vorangekommen. Während im Bundesgebiet Erdgas, Wasserkraft und Kernenergie 1984 zusammen mit fast 24 vH am Primärenergieverbrauch beteiligt waren (1973: 13 vH) und der Ölanteil von reichlich 55 vH im Jahre 1973 auf rund 42 vH im Jahre 1984 reduziert werden konnte, hat dieser Anteil sich in Berlin kaum verändert. Wie schon 1973 entfielen hier auch 1984 nahezu 60 vH des Gesamtverbrauchs auf Mineralöl. Die bevorstehende Versorgung Berlins mit Erdgas wird einen wichtigen Beitrag zur Diversifizierung der Energieträgerstruktur leisten. Weitere Erfolge in dieser Richtung werden indes nur durch fortgesetzte Anstrengungen zur rationellen Energieverwendung und durch einen verstärkten Einsatz von Kohle zur Strom- und Fernwärmeerzeugung zu erreichen sein.

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