Eingestellte DIW Publikationen 2 / 1970, S. 134-142
Angela Rüger
Da sich westliche Untersuchungen nicht auf eigene empirische Beobachtungen in der DDR stützen können, ist ihre wissenschaftliche Aussagekraft zwangsläufig begrenzt. Die vorhandenen Quellen - Zeitungen, Zeitschriften, Fachliteratur, Protokolle, Gesetze und Verordnungen - vermitteln indes eine Reihe von Hinweisen, aus denen sich vieles rekonstruieren läßt, so auch Organisation und Ablauf der Wirtschaftsplanung in der DDR. Zumindest der Soll-Zustand kann analytisch-deskriptiv wiedergegeben werden. Darüber hinaus können aber auch einige wesentliche Konflikte und Unzulänglichkeiten dargestellt werden - spart doch die Wirtschaftsführung nicht mit Kritik an den Unternehmen. Auch von Wirtschaftswissenschaftlern der DDR wird, soweit dies nicht den Rahmen ideologischer Grundprinzipien sprengt, offen über mögliche Verbesserungen und Weiterentwicklungen des Wirtschaftssystems diskutiert. Von außen nicht zu erfassen sind allerdings - empirische Beobachtungen voraussetzende - informelle Praktiken, Beziehungen oder Gruppenbildungen in Wirtschaftsplanung und -organisation. Die daraus resultierenden Modifizierungen des gewollten Systems entziehen sich daher einer exakten Analyse. Ausgeklammert bleibt hier auch die Frage, welche außerökonomischen, z. B. politischen Faktoren auf das wirtschaftliche Entscheidungsgefüge einwirken, insbesondere der Einfluß der SED. Ihre faktische und institutionell verankerte Führungsrolle bestimmt das Geschehen in Wirtschaft und Gesellschaft. Durch vielfältige Herrschaftstechniken - insbesondere Verschmelzung von Parteispitze und Wirtschaftszentrale, richtungweisende Grundsatzbeschlüsse des Politbüros der SED, kontrollierende und mobilisierende Funktionen der Betriebsparteiorganisationen und Produktionskomitees in den Volkseigenen Betrieben und der SED-Grundorganisationen innerhalb des Wirtschaftsapparates - unterliegen faktisch alle Entscheidungsebenen den Weisungen und Kontrollen der SED.
This analysis shows the part played by the state-owned enterprise in the East German planning system. Dealt with in the study are the tasks assigned to the enterprise in connection with long-range structural planning and yearly planning and the forms of concentration and cooperation within the East German economy. The recent reform measures (spring 1968) have modified the status of the individual enterprise: 1. the jurisdiction of the enterprise management and of the authorities above them have been more clearly defined, the legal support provided the enterprise in cases of interference from superiors has been strengthened; 2. orientation to long-range objectives, reduction of the number of plan indicators, and limitation of administrative intervention give the enterprise management a freer hand in operations; 3. certain larger enterprises are permitted greater participation in planning and forecasting. The reform goals of the New Economic System (1963), to transfer independent leadership powers from central authorities to lower economic units are still being striven for, even though the enterprises decision-making latitude remains within the narrow boundaries set by structural aims determined at the central level.
Themen: Unternehmen