Deutsche Wirtschaft setzt Aufschwung fort: Sommergrundlinien 2015

DIW Wochenbericht 26 / 2015, S. 591-606

Ferdinand Fichtner, Guido Baldi, Franziska Bremus, Karl Brenke, Christian Dreger, Hella Engerer, Christoph Große Steffen, Simon Junker, Claus Michelsen, Katharina Pijnenburg, Maximilian Podstawski, Malte Rieth, Kristina van Deuverden

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Abstract

Die deutsche Wirtschaft setzt ihren Aufschwung fort. Aufgrund der überraschend schwachen Produktion zum Jahresbeginn wird das Bruttoinlandsprodukt im laufenden Jahr wohl um 1,8 Prozent und damit im jahresdurchschnittlichen Vergleich etwas weniger zulegen als bislang erwartet. Für das kommende Jahr ist nach wie vor mit einem Zuwachs von 1,9 Prozent zu rechnen. Die Weltwirtschaft dürfte nach einem unerwartet schwachen Auftaktquartal im Jahresverlauf an Schwung gewinnen. Während sich das Wachstum in den Schwellenländern sowohl konjunkturell als auch strukturell bedingt nur langsam erhöht, wird die Erholung vor allem von der Konsumentwicklung in den Industrieländern getragen. Dort dürften geringe Inflationsraten und eine sich verbessernde Situation auf dem Arbeitsmarkt die Einkommen der Haushalte und deren Kaufkraft erhöhen. Die jahresdurchschnittliche Wachstumsrate der Weltwirtschaft dürfte im Jahr 2015 bei 3,5 Prozent und im darauffolgenden Jahr bei 4,0 Prozent liegen. Die Teuerung bleibt in diesem Jahr bei zwei Prozent und steigt im nächsten Jahr auf drei Prozent. In Deutschland trägt die kräftige Binnenkonjunktur das Wachstum. Zuletzt hatten zusätzliche Sozialleistungen, vor allem aber die niedrige Teuerung die Realeinkommen vorübergehend beflügelt; aufgrund der günstigen Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt wird der private Verbrauch aber auch im weiteren Verlauf spürbar zulegen. Die Unternehmen weiten ihre Investitionen in Ausrüstungen verhalten aus; Unwägbarkeiten im Zusammenhang mit der Krise im Euroraum, geopolitische Spannungen und Sorgen über die wirtschaftliche Entwicklung wichtiger Schwellenländer wirken dämpfend. Die Exporte profitieren von der weltwirtschaftlichen Erholung und zeitweilig auch von der Euroabwertung; alles in allem dürfte per Saldo aber nur ein geringer Impuls vom Außenhandel ausgehen.

The German economy is continuing on an upward trend. Due to surprisingly weak production at the start of this year, GDP is likely to increase by 1.8 percent and is therefore growing somewhat slower this year than previously predicted. Growth of 1.9 percent is still expected for the coming year. After an unexpectedly weak first quarter, the global economy is expected to regain momentum as the year progresses. While growth in the emerging economies increased only slowly, both cyclically and structurally, recovery will primarily be driven by positive consumer spending in industrialized countries. With low inflation and an improving labor market situation in those countries, household income and purchasing power are likely to increase. The global economy’s average annual growth rate is predicted to reach 3.5 percent in 2015 and 4.0 percent in 2016. Inflation is expected to remain at two percent this year and increase to three percent next year. Germany’s strong domestic economy is driving growth. Most recently, additional social benefits and, above all, low inflation temporarily boosted real incomes; nevertheless, consumer spending will increase substantially going forward due to favorable developments in the labor market. Companies are moderately expanding their investment in equipment; however, uncertainties related to the crisis in the euro area, geopolitical tensions, and concerns about economic development in important emerging countries have a dampening effect. Exports are benefiting from the global economic recovery and temporarily also from the depreciation of the euro; overall, the stimulus from net foreign trade is likely to be modest.

Claus Michelsen

Abteilungsleiter in der Abteilung Konjunkturpolitik

Malte Rieth

Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Makroökonomie

Simon Junker

Stellvertretender Abteilungsleiter in der Abteilung Konjunkturpolitik

Franziska Bremus

Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Makroökonomie

Hella Engerer

Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt

Themen: Konjunktur



JEL-Classification: E32;E66;F01
Keywords: Business cycle forecast, economic outlook
Frei zugängliche Version: (econstor)
http://hdl.handle.net/10419/111675