Global Food Markets: Globale Ernährungssicherung – Herausforderungen für Produktion und Konsum

Aktuelles Projekt

Abteilung

Wettbewerb und Verbraucher

Projektleitung

Jana Friedrichsen

Projektzeitraum

1. Juli 2015 - 30. Juni 2018

Zuwendungsgeber

Leibniz-Gemeinschaft, Leibniz-Wettbewerb 2015, Förderlinie 4 "Frauen für wissenschaftliche Leitungspositionen"

Kooperationspartner

DIW Berlin Forschungsabteilungen "Unternehmen und Märkte" und "Staat"

Knappe Ressourcen, die steigende Nachfrage nach Agrarprodukten sowie die zunehmende Landnutzungskonkurrenz zwischen Energie- und Nahrungsmittelproduktion lassen Strategien zur Ernährungssicherung immer bedeutender werden. In dem Forschungsprojekt "Global Food Markets: Globale Ernährungssicherung – Herausforderungen für Produktion und Konsum" werden angebots- und nachfrageseitige Ansätze untersucht, mit denen sich nachhaltige Angebotssteigerungen und Konsummuster erreichen lassen. Ausgehend von der Analyse vertikaler Oligopolstrukturen werden zum einen die Interaktionen entlang agrarischer Wertschöpfungsketten analysiert. Zum anderen steht das Zusammenspiel zwischen Angebots- und Konsumverhalten im Fokus. Beispielsweise geht es um die Frage, welche Wirkungen von Produktzertifizierungen ausgehen und inwieweit diese zu nachhaltigen Produktions- und Konsumentscheidungen beitragen können. Die Analysen sind sowohl theoretischer als auch empirischer Natur und beziehen Aspekte der Verhaltensökonomie mit ein.

Förderung: Leibniz-Gemeinschaft im Rahmen der Förderlinie 4 "Frauen für wissenschaftliche Leitungspositionen" des Paktes für Forschung und Innovation (Leibniz-Wettbewerb 2015)

DIW Team

Forschungsprogramm

Aktuell leben 7,2 Milliarden Menschen auf der Erde und diese Zahl wird in den kommenden Jahrzehnten voraussichtlich noch deutlich steigen. Zugleich werden die Einkommen insbesondere in Entwicklungsländern weiter steigen. Damit erhöht sich auch die Nachfrage nach Lebensmitteln und insbesondere auch nach tierischen Veredlungsprodukten, deren Herstellung weit mehr Ressourcen verbraucht als die pflanzlicher Nahrungsmittel. Zudem werden Agrarrohstoffe zunehmend für die Energiegewinnung – z. B. aufgrund politisch festgelegter Beimischungsquoten – verwendet. Aufgrund der zunehmend eingeschränkten Verfügbarkeit von Ressourcen (Wasser, Boden, Nährstoffe) und in Anbetracht des Klimawandels, der in Teilen der Welt zu deutlichen Ertragseinbußen führen wird, stellt sich die Frage, wie die drohenden Engpässe im weltweiten Nahrungsmittelangebot vermieden werden können. Hier setzt das Forschungsvorhaben Global Food Markets an und beabsichtigt auf der Grundlage theoretischer und empirischer Industrieökonomik, angebots- und nachfrageseitige Ansätze zur Vermeidung künftiger Knappheiten in der Nahrungsmittelversorgung zu untersuchen. Ziel des Forschungsprojektes ist es, die Funktionsweise von international verflochtenen Agrarmärkten zu verstehen. Zentral ist hierbei der Einfluss von Marktstrukturen, Marktmacht und strategischem Verhalten multinationaler Unternehmen auf das Marktergebnis. Das Forschungsprojekt gliedert sich in drei eigenständige Arbeitspakete:

Im Rahmen dieses Arbeitspaketes werden die Effekte unterschiedlicher Marktstrukturen und der Einfluss von Fair Trade auf die Verteilung von Renten entlang der Wertschöpfungskette untersucht.

Angesichts der anhaltenden Konsolidierungsprozesse im Agrar- und Ernährungssektor stellt sich die Frage, inwiefern nachhaltige Produktionssteigerungen erreicht werden können, wenn die landwirtschaftlichen Produzenten stark konzentrierten Vorleistern und Abnehmern (z.B. Händlern und Verarbeitern) gegenüberstehen. Im Rahmen dieses Arbeitspaketes wollen wir spiel-theoretisch untersuchen, welche Anreize auf der Produktionsseite zu einer nachhaltigen Angebotssteigerung führen können oder wie sich Investition und Innovation erhöhen lassen. Außerdem sollen zwei mögliche Ansätze zur Stärkung der Produzenten gegenüber ihren Abnehmern analysiert werden: die Bildung von Genossenschaften und monetäre Transfers wie sie im Rahmen von Fair Trade üblich sind. Schließlich wird empirisch analysiert, welche Faktoren den Marktzugang von Kleinproduzenten beeinflussen.

Bestehende theoretische Arbeiten zu Investitions- und Innovationsanreizen lassen sowohl Produktionsunsicherheiten (z.B. Wetter) als auch den Nachhaltigkeitsgrad der getätigten Investition sowie Eigentumsstrukturen und spezifische Vertragsformen zwischen den Produzenten und ihren Abnehmern außer Acht. Im geplanten Forschungsvorhaben sollen die Auswirkungen dieser agrarmarktspezifischen Aspekte auf die Investitions- und Innovationsanreize der landwirtschaftlichen Produzenten analysiert werden.

Aufbauend auf der theoretischen Analyse von Investitionsanreizen sollen dann Mechanismen zur Stärkung der landwirtschaftlichen Produzenten gegenüber zunehmend nachfragemächtigen Verarbeitern und Händlern untersucht werden. Hierbei wird Erzeugergemeinschaften (i.d.R. Genossenschaften) eine wesentliche Rolle zugeschrieben und es ist daher beabsichtigt, bestehende theoretische Modellansätze zu erweitern, um die Bedeutung von Erzeugergemeinschaften für die Marktallokation und für die Verteilung ökonomischer Renten in der Wertschöpfungskette aufzuzeigen. Darüber hinaus wollen wir analysieren, inwiefern monetäre Transfers an die landwirtschaftlichen Produzenten pro verkaufter Einheit, wie dies bei Fair-Trade-Produkten üblich ist, die Landwirte tatsächlich besser stellen. Zu diesem Zweck soll exemplarisch die Entwicklung von Preisen und verkauften Mengen von Fair-Trade-Produkten gegenüber konventionell gehandelten Produkten auf dem Kaffeemarkt empirisch untersucht werden.

In den letzten Jahren ist die kleinbäuerliche Landwirtschaft verstärkt in den Fokus gerückt, um zur globalen Ernährungssicherung und Armutsreduzierung beizutragen. Dies ist mit mindestens zwei Aspekten verbunden. Zum einen führt die Integration von Kleinbauern in den globalen Handel direkt zu der Frage, ob Handel den Armen nützt. Zum anderen hängt eine stärkere Einbindung von Kleinbauern in den Handel nicht nur von Produktivitätssteigerungen ab, sondern auch von einer besseren Anbindung an heimische und globale Märkte. Zusätzlich zu den traditionellen Engpässen, wie mangelnde Infrastruktur, Produktionsmittel und Versicherungen, wird der Zugang zu Exportmärkten für Kleinbauern zunehmend durch striktere Qualitätsanforderungen in industrialisierten und aufsteigenden Ländern erschwert. Vor diesem Hintergrund analysieren wir die Marktteilnahme von Kleinbauern in Kirgisien, auf heimischen sowie auf internationalen Märkten. Unser Interesse gilt dabei sowohl den Bestimmungsfaktoren für die kleinbäuerliche Marktteilnahme als auch den damit verbundenen Wohlfahrtseffekten. Außerdem liegt unser spezielles Augenmerk auf dem Einfluss von Qualitätsanforderungen.

In diesem Arbeitspaket wird der Frage nachgegangen, welche Auswirkung die Konkurrenz zwischen der Nahrungsmittel- und Energieproproduktion für die Anbauentscheidung und damit die Bodennutzungsform hat. In diesem Zusammenhang wird auch untersucht, ob die vertikale Integration von Produktion und Verarbeitung durch den Aufkauf landwirtschaftlicher Nutzflächen von internationalen Investoren zu einer verzerrten Angebotsstruktur führen kann.

Die Nachfrage nach Agrarrohstoffen wird mittel- bis langfristig aufgrund des anhaltenden Bevölkerungswachstums, der zunehmenden Nachfrage nach Veredlungsprodukten sowie des Einsatzes von Agrarrohstoffen als Energieträger steigen. Dies verschärft die Konkurrenz um den knappen Produktionsfaktor Boden. Seit einigen Jahren ist zu beobachten, dass sich private, halbstaatliche und staatliche Investoren landwirtschaftliche Nutzflächen durch Kauf oder Abschluss langfristiger Pachtverträge für die Produktion von Nahrungsmitteln und Energiepflanzen sichern. Der genaue Umfang solcher Landkäufe (sog. „land grabbing“) ist unbekannt.

Derartige Landkäufe können zum einen die heimische Nahrungsmittel- und Energieversorgung sichern (z.B. Aufkauf von Produktionsflächen durch staatliche Investoren, um heimische Preise niedrig zu halten). Zum anderen kann der Landkauf internationaler Investoren und die damit verbundene vertikale Integration von Produktion und Verarbeitung aber auch ein strategisches Instrument darstellen, das zu höheren Rohstoffpreisen für die nicht-integrierten Konkurrenten führt und damit der Stärkung der eigenen marktmächtigen Position auf den Absatzmärkten dienen.

Vor diesem Hintergrund soll ein theoretisches Modell entwickelt werden, das die Boden-, Agrarrohsstoff- und Absatzmärkte im Energie- und Nahrungsmittelbereich abbildet und Landnutzungs- und Eigentumsrechte explizit berücksichtigt. Auf der Grundlage des theoretischen Modells soll der Einfluss von Marktstrukturveränderungen im Energie- und Nahrungsmittelsektor sowie von strategischen Interaktionen auf das Gleichgewicht in der Landnutzung analysiert werden. Darüber hinaus wird betrachtet, welche Bedeutung die Ressourcenkonkurrenz zwischen Nahrungsmittelproduktion und Energiewirtschaft für die landwirtschaftlichen Primärproduzenten und die Konsumenten hat. Schließlich soll untersucht werden, wie Politikeingriffe und Subventionen im Agrar- und Energiebereich auf die Landnutzungskonkurrenz und auf die Marktergebnisse wirken.

In diesem Arbeitspaket ist beabsichtigt, Determinanten nachhaltigen Konsumentenverhaltens zu bestimmen und die Wirkung politischer Markteingriffe zu untersuchen, die das Ziel verfolgen, den starken Konsum tierischer Veredlungsprodukte zu reduzieren.

Nachhaltige Konsummuster können zur weltweiten Ernährungssicherung beitragen. Neben dem Konsum nachhaltig produzierter Güter fällt hierunter auch eine Reduzierung des hohen Verbrauchs tierischer Produkte. In diesem empirisch ausgerichteten Arbeitspaket ist beabsichtigt, Verbraucherentscheidungen empirisch am Beispiel des Kaffee- und Milchmarktes, und experimentell in abstrakt definierten Märkten zu untersuchen.

Ziel ist es zum einen, die Zahlungsbereitschaft der Konsumenten für nachhaltig produzierte Agrarprodukte zu bestimmen. Hierbei stehen Fair-Trade-Produkte und ökologisch hergestellte Produkte im Vordergrund. In Laborexperimenten untersuchen wir, welchen Effekt kontextuelle Veränderungen auf die Zahlungsbereitschaften für fair gehandelte Schokolade haben und wie die Bereitschaft eines Verbraucher, einen höheren Preis für ein Produkt zu zahlen, dass unter faireren Bedingungen hergestellt ist, von seinem Einkommen abhängt. Mithilfe detaillierter Einkaufsdaten wollen wir weiter untersuchen, wie sich das Verbraucherverhalten für fair gehandelten und konventionellen Kaffee unterscheiden.

Zum anderen soll empirisch dargestellt werden, wie wichtig korrekte Annahmen über Verbraucher- und Firmenverhalten für die Ergebnisse und eventuelle Handlungsempfehlungen sind. In der empirischen Industrieökonomik nimmt man üblicherweise an, dass alle Konsumenten aus allen Produkten im Markt auswählen. Auf Märkten mit einer Vielzahl von Produkten - beispielsweise dem Lebensmitteleinzelhandel - ist eine solche Annahme fragwürdig. Wir entwickeln daher eine neue Methode, um diese Annahme formal zu testen und wenden unseren Ansatz auf den deutschen Lebensmitteleinzelhandel an. Unser Test ergibt, dass das Model, in dem Konsumenten alle Produkte im Markt berücksichtigen, in der Kaffeekategorie sehr gut passt, im Markt für Milch aber verworfen wird. Dies bedeutet, dass politische Handlungsempfehlungen für einen bestimmten Produktmarkt berücksichtigen müssen, wie Konsumenten auf diesem Markt Entscheidungen treffen.

Vorträge auf wissenschaftlichen Veranstaltungen

Posterpräsentation
The impact of second-generation biofuels on market structure and social welfare
Isabel Teichmann
2018 ASSA Annual Meeting (AEA), Philadelphia, PA, USA
5.-7. Januar 2018

Can Sin Taxes Help Consumers with Low Self-Control? Evidence from Danish Soft Drink Tax Reforms
Renke Schmacker
Workshop on Behavioral Welfare Economics, DIW Berlin
2.-3. November 2017

Determinants and Welfare Effects of Smallholder Export Participation in Kyrgyzstan
Isabel Teichmann
Third Annual "Life in Kyrgyzstan" (LiK) Conference, Bishkek, Kyrgyzstan
12.-13. Oktober 2017

Posterprasentation
The Impact of Second-Generation Biofuels on Food-Fuel Competition and Land-Use Change
Isabel Teichmann
XV EAAE Congress "Towards Sustainable Agri-Food Systems: Balancing Between Markets and Society", Parma, Italien
28. August-1. September 2017

Fairness in Markets and Market Experiments
Jana Friedrichsen
Brown Bag Seminar of the Cluster of Industrial Economics, DIW Berlin
7. Juli 2017

Soft drink taxation and addiction
Renke Schmacker
Ce2 Workshop 2017, Warschau, Polen
3.-4. Juli 2017

Shopping for a Better World
Jana Friedrichsen
Seminar "Handeln in Spannungsfeld ethischer Maxime und ökonomischer Grundsätze", Universität Siegen
26. Juni 2017

Shopping for a Better World
Jana Friedrichsen
Lange Nacht der Wissenschaften, DIW Berlin
24. Juni 2017

The rise and fall of the Danish soft drink tax
Renke Schmacker
Behavioural Economics Seminar, Kopenhagen, Dänemark
24. Mai 2017

Determinants and welfare effects of smallholder export participation in Kyrgyzstan
Isabel Teichmann
3rd GlobalFood Symposium, Universität Göttingen
28.-29. April 2017

Fairness in markets and market experiments. A study using fair trade chocolate
Jana Friedrichsen
3rd GlobalFood Symposium, Universität Göttingen
28.-29. April 2017

How does Fairtrade Certification Affect Profit-Sharing in the Coffee Industry?
Helene Naegele
Food seminar, Toulouse, Frankreich
23. Februar 2017

Signals Sell: Designing a Product Line when Consumers Have Social Image Concerns
Jana Friedrichsen
13. Weihnachtstreffen deutscher Wirtschaftswissenschaftler im Ausland, DIW Berlin
21.-22. Dezember 2016

Who Cares about Social Image?
Jana Friedrichsen
Micro Reading Group, DIW Berlin
1. November 2016

Inference of Choice Sets: Application to Grocery Retailing
Anna Lu
Demographischer Wandel: Jahrestagung 2016 des Vereins für Socialpolitik, Augsburg
4.-7. September 2016

The Effect of Relative Wealth on Pro-Social Behavior in Markets
Jana Friedrichsen
31st Annual Congress of the European Economic Association (EEA 2016), Genf, Schweiz
22.-26. August 2016

Inference of Choice Sets in Grocery Retailing
Anna Lu
31st Annual Congress of the European Economic Association (EEA 2016), Genf, Schweiz
22.-26. August 2016

The Effect of Wealth on Pro-Social Behavior in Markets
Jana Friedrichsen
Brown Bag Seminar of the Cluster of Industrial Economics, DIW Berlin
1. Juli 2016

Determinants and Welfare Effects of Smallholder Export Participation in Kyrgyzstan
Isabel Teichmann, Damir Esenaliev
Agricultural Transitions along the Silk Road: Restructuring, Resources and Trade in the Central Asia Region, IAAE Inter-Conference Symposium, Almaty, Kasachstan
4.-6. April 2016

The Effect of Wealth on Pro-Social Behavior in Markets
Jana Friedrichsen
2015 European meeting of the Economic Science Association (ESA), Heidelberg
2.-5. September 2015

Signals Sell: Designing a Product Line when Consumers have Social Image Concerns
Jana Friedrichsen
30th Annual Congress of the European Economic Association (EEA 2015), Mannheim
24.-27. August 2015

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