DIW Konjunkturbarometer Juli 2016: Deutsche Wirtschaft trotz Brexit-Votum noch auf stabilem Aufwärtskurs

Pressemitteilung vom 27. Juli 2016

Die deutsche Wirtschaft dürfte ihren moderaten Aufwärtskurs fortsetzen. Hierauf weist das Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) hin, das sich im Sommerhalbjahr bei 100 Punkten hält und damit ein durchschnittliches Wachstum von etwa 0,3 Prozent sowohl für das zweite als auch das dritte Quartal jeweils gegenüber dem Vorquartal anzeigt. „Auf die Brexit-Entscheidung dürften heimische Unternehmen zwar – auch wegen der unklaren Absatzperspektiven auf dem britischen Markt – mit zurückhaltenden Investitionen reagieren“, sagt DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner, „auf das deutsche Wachstum merklich durchschlagen wird die Entscheidung der britischen Bevölkerung für den EU-Ausstieg aber wohl vor allem erst im kommenden Jahr.“

Die Stimmung in der deutschen Industrie bleibt zuversichtlich, selbst nach dem Brexit-Votum haben sich die Exporterwartungen nur geringfügig eingetrübt. Und auch wenn die schwachen Auftragseingänge nur auf moderate Zuwächse deuten: Im dritten Quartal dürfte die Industrieproduktion wieder steigen. Dabei profitiert das verarbeitende Gewerbe von der stabilen Entwicklung der Exporte, die trotz der schwachen Weltkonjunktur wohl merklich zulegen. „Nach und nach werden die Folgen der Brexit-Entscheidung aber auch bei den deutschen Ausfuhren sichtbar werden“, sagt DIW-Deutschlandexperte Simon Junker. „Die Abwertung des britischen Pfunds dämpft die Nachfrage nach deutschen Produkten, und die voraussichtliche Investitionsschwäche im Vereinigten Königreich trifft die stark auf Investitionsgüter ausgerichtete deutsche Industrie.“

Die Rahmenbedingungen für den privaten Verbrauch in Deutschland bleiben nach DIW-Einschätzung jedoch günstig: Der Beschäftigungsaufbau hält an, und die Lohnzuwächse übersteigen – trotz wieder schwächerer Tarifabschlüsse – die Teuerung merklich. Zur Jahresmitte sind zudem die Renten kräftig angehoben worden; dies kurbelt den Konsum zusätzlich an.

Themen: Konjunktur