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Brexit-Entscheidung könnte in Deutschland im nächsten Jahr 0,3 Prozentpunkte Wachstum kosten

Pressemitteilung vom 3. August 2016

Brexit belastet weltweiten Handel und dämpft Investitionen – Auch in Deutschland wird Konjunktur wohl in Mitleidenschaft gezogen – Unsicherheit über die Exporte – Investitionszurückhaltung und weniger Dynamik bei Einkommen und Konsum

Aufgrund der Entscheidung für den EU-Austritt Großbritanniens dürfte die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr um 0,1 Prozentpunkte und im nächsten Jahr um 0,3 Prozentpunkte weniger wachsen als bisher erwartet. Zu diesem Ergebnis kommen die Konjunkturexperten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) in einer aktualisierten Prognose, die auf  Ergebnissen des National Institute Of Economic and Social Research (NIESR) in London aufbaut. Die künftig wohl höheren Kosten im Handel und die Unsicherheit über die Wirtschaftsentwicklung des Vereinigten Königreichs führen nach DIW-Einschätzung dazu, dass sich vielerorts Unternehmen mit Investitionen zurückhalten. Die damit verbundene geringere Nachfrage hemmt die deutsche Wirtschaft mit ihrer starken Ausrichtung auf Investitionsgüterexporte. Dies dürfte hierzulande die Investitionstätigkeit im Exportsektor zusätzlich dämpfen und wegen einer etwas schwächeren Einkommensentwicklung auch zu einer geringeren Dynamik beim Konsum führen. Weltweit wird die Wirtschaftsleistung durch die Brexit-Entscheidung wohl etwas gedämpft werden, neben Großbritannien dürfte vor allem der Euroraum in Mitleidenschaft gezogen werden. „Es herrscht Unsicherheit in vielfacher Hinsicht“, sagt DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner. „Diese Unsicherheit sorgt bereits jetzt für eine schwächere Wirtschaftsentwicklung – und nicht erst, wenn es tatsächlich zum Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union kommt.“

Deutsche Wirtschaft doppelt betroffen

Wegen ihrer starken Exportorientierung und ihrer Ausrichtung auf Investitionsgüter wird die deutsche Wirtschaft doppelt von den Auswirkungen des Brexit-Votums getroffen. Die Nachfrage nach deutschen Exporten wird weniger stark steigen, insbesondere die wichtigen Investitionsgüterexporte werden sich nur schwach entwickeln. Bereits in diesem Jahr dürften die deutschen Exporte um 0,3 und im nächsten Jahr um 1,2 Prozentpunkte gegenüber einem Nicht-Brexit-Szenario geringer ausfallen. Bei den Importen fällt der Effekt etwas geringer aus, so dass der Außenhandel per saldo das Wachstum weniger stark treibt, als es bei einer Entscheidung der Briten für den Verbleib in der Europäischen Union der Fall gewesen wäre. Auch in Deutschland dürften die Investitionen schwächer ausfallen, als bislang prognostiziert. Die DIW-Konjunkturexperten erwarten, dass die Ausrüstungsinvestitionen in diesem Jahr um 0,3 und im nächsten Jahr um 0,9 Prozentpunkte weniger stark steigen werden. Vom Brexit-Votum eher unterstützt werden dürften dagegen die Bauinvestitionen in Deutschland, da Investoren Alternativen zu Anlagen in Großbritannien suchen werden, wenngleich die höhere Nachfrage zunächst vor allem den Preisauftrieb anheizen dürfte.

Links

  • DIW Wochenbericht 31/2016 (PDF, 0.65 MB)
  • Interview: "Konjunkturelle Bremse unmittelbar nach dem Brexit-Votum ist die Unsicherheit" - Sechs Fragen an Ferdinand Fichtner (Print (PDF, 137.35 KB) und
    O-Ton von Ferdinand Fichtner
    Konjunkturelle Bremse unmittelbar nach dem Brexit-Votum ist die Unsicherheit - Sechs Fragen an Ferdinand Fichtner
  • Video-Blog: "Nachgeforscht" bei Ferdinand Fichtner
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    Nachgeforscht: bei Ferdinand Fichtner zu den Brexit-Folgen

  • Weiterer Bericht zum Thema: "Brexit: Was steht für den britischen Finanzsektor auf dem Spiel?" (PDF, 217.4 KB)
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