Die Hälfte der Geflüchteten in Deutschland fand ihre erste Stelle über soziale Kontakte

DIW Wochenbericht 35 / 2016, S. 757-764

Philipp Eisnecker, Diana Schacht

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Abstract

In Deutschland finden die meisten Personen über FreundInnen, Bekannte und Verwandte eine Beschäftigung, wenn sie erstmals in den Arbeitsmarkt einsteigen oder ihre Anstellung wechseln. Dies gilt auch für MigrantInnen und deren Nachkommen. Geflüchtete in den Arbeitsmarkt einzugliedern wird als besonders wichtig für ihre Integration angesehen. Dennoch ist wenig über die Art und Weise bekannt, wie sie Stellen finden. In diesem Beitrag werden deshalb Daten der IAB-SOEP-Migrationsbefragung ausgewertet. Zum Vergleich werden dabei zwei Gruppen herangezogen, die aus anderen Gründen nach Deutschland gekommen sind – ArbeitsmigrantInnen und FamiliennachzüglerInnen. Die Analysen zeigen, dass etwa die Hälfte der Geflüchteten ihre erste Stelle über FreundInnen, Bekannte oder Verwandte gefunden hat. Auch formelle Wege, wie Stellenanzeigen und die Arbeitsagenturen, spielten eine wichtige Rolle. Geflüchtete, die ihre Beschäftigung über persönliche Beziehungen fanden, besaßen vor der Migration tendenziell seltener Deutschkenntnisse und häufiger Kontakte in Deutschland. Die Ergebnisse zeigen auch, dass Geflüchtete, die über informelle Wege erfolgreich waren, ihre Erstanstellung schneller fanden und häufiger in Vollzeit arbeiteten, verglichen mit denen, die ihre erste Stelle auf formellem Wege fanden.

In Germany, the majority of people tend to find work through friends, acquaintances, and relatives when they first enter the labor market or switch jobs. The same applies to immigrants and their offspring. Integrating refugees into the labor market is considered crucial to their overall integration into society, yet little is known about how they land their first jobs. The present paper attempts to bridge this gap by analyzing IAB-SOEP Migration Sample data on two reference groups comprised of individuals that came to Germany for different reasons: labor migrants and family migrants. The analyses show that roughly half of the refugees found their first job through friends, relatives, or acquaintances. Formal channels such as job advertisements and the Federal Employment Agency also played a key role. Refugees who found employment through personal contacts were generally less likely to have any knowledge of German and more likely to have had contacts in Germany prior to immigration. The findings also show that refugees who acquired work through informal channels found their first job faster and were more likely to work full-time compared to those who found their first job through formal channels.

Philipp Eisnecker

Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Infrastruktureinrichtung Sozio-oekonomisches Panel



JEL-Classification: J01;J15;J6
Frei zugängliche Version: (econstor)
http://hdl.handle.net/10419/146534