Führt lockere Geldpolitik zu Hauspreisblasen? Lehren aus der theoretischen Literatur

Vierteljahrshefte zur Wirtschaftsforschung 1 / 2016, S. 111-123

Sebastian Dullien, Heike Joebges, Alejandro Márquez-Velázquez

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Abstract

Der Beitrag analysiert, inwieweit eine lockere Geldpolitik in gängigen theoretischen Modellen zur Bildung von Hauspreisblasen führen kann. Wird der Fundamentalwert von Häusern darüber erklärt, dass künftige Mieteinnahmen diskontiert werden, ergibt sich zwar ein inverser Zusammenhang von langfristigen Zinsen und Hauspreisen. Man kann aber nicht automatisch auf Blasen schließen, da Blasen einen späteren Verfall der Hauspreise voraussetzen. Solange der Rückgang der Zinsen auf Strukturveränderungen, etwa einer langsamer wachsenden Weltwirtschaft beruht, muss dies nicht der Fall sein. Eine direkte Verbindung von lockerer Geldpolitik zu Preisblasen ist in den gängigen Modellen nicht gegeben. Plausibler ist laut den Modellen, dass Blasen durch Geldillusion verursacht werden: Schwankungen des nominalen Zinsniveaus aufgrund eines unerwarteten Rückgangs der Inflation können als Senkung der Realzinsen missverstanden werden, sodass die Finanzierung von Immobilien günstiger scheint. Danach wären unerwartete oder nicht vollständig verstandene Veränderungen am Inflationsziel oder am Inflationsergebnis, nicht eine lockere Geldpolitik, für Blasen verantwortlich.

The article gives a survey of the theoretical literature on the formation of house price bubbles with a specific focus in how far an expansionary monetary policy and especially low interest rates might lead to bubbles in these models. It is shown that - given standard methods of valuing houses by discounting future rent incomes - low interest rates can be expected to lead to higher house prices justified by changed fundamentals, but not necessarily to a bubble (which would require an overvaluation and future correction). In fact, none ofthe models surveyed has an explicit role for expansionary monetary policy to cause a bubble. Instead, some models show that unexpected changes in the rate of inflation can lead tobubbles due to money illusion: Here, individuals mistake changes in nominal interest rates for changes in real interest rates which might lead to misguided investment in real estate.



JEL-Classification: E44;R30
Keywords: House prices, monetary policy, asset price bubbles
DOI:
https://doi.org/10.3790/vjh.85.1.111
Frei zugängliche Version: (econstor)
http://hdl.handle.net/10419/170591