Öffentliche Finanzen bis 2025: nur auf den ersten Blick günstig

DIW Wochenbericht 50 / 2016, S. 1193-1202

Kristina van Deuverden

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Abstract

Die derzeit hohen Überschüsse in den öffentlichen Haushaltenwerden deutlich zurückgehen: Bereits im kommenden Jahr sinkt der Finanzierungssaldo von 26 Milliarden auf vier Milliarden; im Jahr 2018 werden die öffentlichen Haushalte mit einem leichten Defizitabschließen. In der mittleren und längeren Frist hellt sich die Lage zwar wieder auf und es sind Überschüsse zu erwarten, diese – auf den ersten Blick positive – mittelfristige Perspektive ist allerdings teuer erkauft: Die Finanzlage zwingt die gesetzlichen Krankenversicherungen und später auch die gesetzliche Rentenversicherung zu kräftigen Anhebungen bei den Beitragssätzen. Der kumulierte Beitragssatz steigt von heute 39,65 Prozent auf 43 ½ Prozent im Jahr 2025. Dabei hat die Alterung der Bevölkerung im Projektionszeitraumgerade erst begonnen, ihre Spuren in den Haushalten zu hinterlassen, und die Sozialversicherungen werden zunehmend unter Druck geraten. Eine Dämpfung der Kostenentwicklung im Gesundheitswesen oder eine Finanzierung versicherungsfremder Leistungen durch Steuern können dem entgegenwirken. Mit Blick auf die aktuelle Haushaltslage heißt dies aber auch: Für weitere Leistungsausweitungen bei den Sozialkassen oder Wahlgeschenke bei den Steuern ist kein Geld da.

The high surpluses in Germany’s public budgets are set to decline substantially: from 26 to four billion euros over the course of 2017, with a slight deficit by the end of 2018. The situation will gradually improve, with surpluses expected over the medium to long term. Although this mid-term perspective initially appears positive, it comes at a high price, as the financial situation forces public health insurance – and later, the public pension fund – to significantly raise contribution rates. Cumulated contribution rates will increase from their current level of 39.65 percent to 431/2 percent by 2025. And yet during the projection period the aging population only starts to leave its footprints in public budgets, and social systems will come under mounting financial pressure. Financing some extraneous insurance benefits by tax revenue or alleviating cost pressure in the health sector could mitigate this effect. When it comes to the current fiscal situation, the message is clear: there is no spare money for expanding social benefits or for fiscal perks driven by electoral motives.



JEL-Classification: H3;H6;E6
Keywords: public finance, fiscal policy, outlook
Frei zugängliche Version: (econstor)
http://hdl.handle.net/10419/148632

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