IAB-BAMF-SOEP-Befragung von Geflüchteten: Über 60 Prozent der Geflüchteten haben einen Schulabschluss

Pressemitteilung vom 30. August 2017

Unter erwachsenen Geflüchteten, die vom 1. Januar 2013 bis zum 31. Januar 2016 nach Deutschland eingereist sind, hatten eigenen Angaben zufolge 61 Prozent bei Ankunft einen Schulabschluss, bei 16 Prozent handelt es sich um einen Hochschul- oder beruflichen Bildungsabschluss. Einen Integrationskurs des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) haben über ein Drittel der befragten Flüchtlinge besucht. So lauten die zentralen Ergebnisse der IAB-BAMF-SOEP-Befragung von Geflüchteten, die Forscherinnen und Forscher des Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), des Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) und des Forschungszentrum des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF-FZ) gemeinsam erstellt haben.

Die Studie stützt sich auf eine repräsentative Längsschnittbefragung von 4.527 erwachsenen Geflüchteten. Neben dem Bildungsstand zum Zeitpunkt der Einreise nach Deutschland waren unter anderem auch Bildungsaspirationen, Sprachkenntnisse sowie die Teilnahme an Integrationskursen Thema der Untersuchung. Finanziert wird die Studie überwiegend vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und aus dem Forschungsetat des IAB.

Hoher Qualifizierungsbedarf in der beruflichen Bildung

Der Studie zufolge haben 40 Prozent der erwachsenen Geflüchteten, die zwischen 2013 und Januar 2016 nach Deutschland eingereist sind, eine weiterführende Schule besucht, 35 Prozent haben einen entsprechenden Schulabschluss erworben. Rund zwölf Prozent der Geflüchteten, Männer wie Frauen, verfügen lediglich über Bildung auf Grundschulniveau und weitere 13 Prozent gaben an, in ihrem Heimatland keine Schule besucht zu haben.

„Es besteht noch erheblicher Qualifizierungsbedarf“ Jürgen Schupp

Eine Berufs- oder Hochschulausbildung hat nur ein kleiner Teil der Geflüchteten: Elf Prozent haben ein (Fachhochschul)-Studium abgeschlossen und fünf Prozent eine Berufsausbildung. „Es besteht also noch erheblicher Qualifizierungsbedarf“, sagt SOEP-Direktor Jürgen Schupp, einer der Autoren und Herausgeber der Studie. Dies ist offenbar auch den Geflüchteten bewusst: Knapp die Hälfte ist daran interessiert, einen Schulabschluss in Deutschland zu machen. Deutlich mehr, nämlich zwei Drittel, streben einen beruflichen Abschluss an und 35 Prozent der Befragten streben einen akademischen Abschluss an.

Bisher hat rund ein Viertel der befragten Geflüchteten mit einem im Ausland erlernten Beruf die Anerkennung der beruflichen Qualifikationen beantragt. Rund ein Drittel derjenigen, die einen Antrag auf Anerkennung ihrer beruflichen Qualifikation gestellt haben, hat auch bereits eine Rückmeldung erhalten, die in 92 Prozent der Fälle mindestens eine teilweise Anerkennung beinhaltet.

Jeder Fünfte spricht gut Deutsch

Etwa 16 Prozent aller Befragten gaben 2016 an, gut oder sehr gut Deutsch zu sprechen. Etwa die Hälfte der Befragten berichten jedoch, dass sie nicht oder eher schlecht Deutsch sprechen. Ähnlich verhält es sich mit den englischen Sprachkenntnissen: 19 Prozent der Befragten geben an, dass sie gute oder sehr gute englische Sprachkenntnisse haben; 60 Prozent geben an, dass sie kein Englisch sprechen. 38 Prozent der Befragten besitzen darüber hinaus Kenntnisse mindestens einer weiteren Sprache. Der Anteil an Analphabeten ist mit neun Prozent relativ gering.

Zum Zeitpunkt der Befragung 2016 nahmen 34 Prozent der Geflüchteten an einem Integrationskurs des BAMF teil bzw. hatten ihn schon durchlaufen. Allerdings waren es weniger Frauen (25 Prozent) als Männer (37 Prozent). „Ein wesentlicher Grund dafür ist eine fehlende Kinderbetreuung“, sagt Herbert Brücker vom IAB in Nürnberg. „Unsere Studie zeigt, dass die Frauen häufiger an Kursen teilnehmen, wenn die Kinder zum Beispiel in eine Kita oder zur Schule gehen.“ Auch an anderen Sprachkursen nehmen mehr Männer (42 Prozent) als Frauen (30 Prozent) teil. Darüber hinaus zeigt die Studie, dass höher gebildete Geflüchtete häufiger Sprachkurse besuchen als andere.

Themen: Bildung, Migration