Fossile Ressourcenmärkte und Klimapolitik: Stranded Assets, Erwartungen, und die politische Ökonomie des Klimawandels (FoReSee)

Aktuelles Projekt

Projektleitung

Dr. Franziska Holz

Projektzeitraum

1. Oktober 2018 - 30. September 2021

Zuwendungsgeber

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Kooperationspartner

ifo Institut - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e.V., Humboldt-Universität zu Berlin
Projektzusammenfassung
Um das Pariser Abkommen zu erreichen, ist eine radikale Umgestaltung des inhärent inerten Energiesystems erforderlich. Vermögenswerte in Form fossiler Energieressourcen und bestehender Infrastruktur entlang der fossilen Wertschöpfungskette laufen Gefahr, schnell an Wert zu verlieren und zu „gestrandeten Vermögenswerten“ zu werden. Vermögenseigner haben daher Anreize, die Umsetzung der Klimapolitik zu verzögern oder sogar zu verhindern.
Ziel von FoReSee ist es zu untersuchen, inwiefern langlebige Investitionen und das Risiko der Strandung von Vermögenswerten die Wirksamkeit der Klimapolitik beeinträchtigen. Das Projekt untersucht die Reaktionen privater und öffentlicher Akteure auf (aktuelle und erwartete) Strategien, um besser zu verstehen, wie ihre Reaktionen die Märkte und die Politik beeinflussen. Daher konzentriert sich FoReSee auf die Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Akteuren des Energiesektors, die (internationale) Politik und die Markterwartung, wobei institutionelle Bedingungen und politische Anreize berücksichtigt werden. Beispielhafte Themen sind, wie sich Märkte an politische Veränderungen anpassen, wie sich Märkte für fossile Brennstoffe ändern und wie ressourcenreiche Volkswirtschaften einbezogen werden können.
Das Projekt kombiniert empirische, numerische und angewandte theoretische Methoden, um eine Klimapolitik zu entwerfen, die ineffiziente Marktreaktionen berücksichtigt. Es quantifiziert die Verteilungseffekte verschiedener Klimapolitiken auf gefährdete Sektoren und Länder, um realistische Politiken zu entwerfen, die die Trägheit des Energiesystems verringern.
Um Relevanz und politische Machbarkeit sicherzustellen, sind Experten aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft (d. h. Unternehmen aus dem Energie- und Finanzsektor sowie Vertreter von Ländern, die fossile Brennstoffe produzieren) an dem Projekt beteiligt. Verschiedene Policy Briefings, Diskussionspapiere und Artikel in Fachzeitschriften erfassen die Ergebnisse.

Zwischenergebnisse des DIW Berlin
Das DIW Berlin hat in seinem Teilprojekt vor allem untersucht, wie sich die Märkte für fossile Brennstoffe und die globale Energie verändern können und welche Rolle die Volkswirtschaften mit fossilen Brennstoffen dabei spielen werden.
Der DIW-REM-Outlook enthält Energie- und Klimaszenarien, in denen untersucht wird, wie verschiedene soziale, wirtschaftliche, politische und technische Faktoren zusammenwirken und die Zukunft gestalten. Der Ausblick bietet Analysten und Entscheidungsträgern Indikatoren zur Überwachung der Entwicklungen. Darüber hinaus ergeben sich daraus zahlreiche Lehren: Die internationale Zusammenarbeit ist für einen erfolgreichen Übergang unabdingbar. Der globale Aufstieg des Isolationismus droht, Institutionen und Investitionen zu untergraben, was im Endeffekt die Bemühungen zur Eindämmung des Klimawandels zunichte macht. Letztendlich ist die Integration wirtschaftlicher und energiebezogener Ziele (wie Armutsbekämpfung, Modernisierung der Infrastruktur und private Investitionen) entscheidend, um eine Vielzahl von Maßnahmen zur Verhinderung des Klimawandels zu ermöglichen. Beim Vergleich verschiedener Perspektiven hat das DIW-Team bestätigt, dass die derzeitigen Anstrengungen unzureichend sind, aber es auch mehr als einen Weg gibt, um das Pariser Abkommen zu erreichen.
Öl-, Gas- und Kohleproduzenten müssen in die Überlegungen einbezogen werden. Wie im Projekt analysiert, hat der Fortschritt bei unkonventionellen Öl- und Gasbohrungen die Menge der extrahierbaren Reserven erhöht. Infolge der unsicheren Klimapolitik wird das Management von Ressourcenreserven zu einem Dilemma. Studien in FoReSee haben gezeigt, welche Volkswirtschaften und Sektoren am stärksten von Asset Stranding bedroht sind. Die Unsicherheit, die fehlenden Mechanismen zur Lastenteilung und die unzureichende Diversifizierung der staatlichen Einnahmen und Ausfuhren führen jedoch zu Trägheit in den einzelnen Ländern.
Andernorts wird die Umweltverträglichkeit jedoch von den Umständen und den Marktkräften bestimmt. Zum Beispiel hat das Projektteam düstere Aussichten für den US-Steinkohlenbergbau aufgezeigt, weshalb (diskutierte) Subventionen sein unvermeidliches Ende nur verzögern würden. Im vom Krieg heimgesuchten Jemen kam es nach einem fast landesweiten Stromausfall zu einem raschen Einsatz von Solarenergie. In den FoReSee Policy Briefings wird erläutert, wie diese Entwicklung unterstützt werden muss, welche Ergebnisse möglich sind und wie andere Regionen folgen können. Die Schaffung und Unterstützung von Transformationen in Entwicklungsländern ist von entscheidender Bedeutung, da sie sonst möglicherweise zurückbleiben und den globalen Übergang in Frage stellen. FoReSee wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Förderschwerpunkt "Ökonomie des Klimawandels" finanziert. FoReSee beteiligt sich auch am Austausch zwischen Forschung und Praxis im Projekt "Dialog zur Klimaökonomie".

DIW Team