Pressemitteilung/Press Release

Pressemitteilung vom 01.03.2019

Zentren für Familien haben großes Potential – Initiative des Bundes wäre wünschenswert

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Gemeinsame Pressemitteilung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und der Heinz und Heide Dürr Stiftung

Bildungs- und Familienforscherinnen des DIW Berlin beleuchten in einer aktuellen Studie, die von der Heinz und Heide Dürr Stiftung gefördert wurde, die Weiterentwicklung von Kindertageseinrichtungen zu Zentren für Familien mit spezifischen eltern- und familienorientierten Angeboten

Leistungen von Kindertageseinrichtungen gezielt mit eltern- und familienorientierten Angeboten und Dienstleistungen verknüpfen, beispielsweise Hilfe in Erziehungsfragen, Sprachförderung oder Gesundheitsangebote: Das ist der Grundgedanke von Zentren für Familien. Sie adressieren gezielt Kinder und Eltern, also die Familie als Ganzes, und können damit hohe Wirkungen für Kinder, Eltern, Familien und die Gesellschaft erzielen. Dabei geht es um die Entwicklung von Kindern und die Unterstützung von Familien. Eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), die von der Heinz und Heide Dürr Stiftung gefördert wurde, hat das Potential solcher Zentren unter die Lupe genommen. Die zentralen Erkenntnisse: Mit Blick auf die sich wandelnden und immer heterogeneren Bedarfe von Familien – beispielsweise sind immer öfter beide Elternteile erwerbstätig oder wünschen sich dies – und ihr Potential sind Zentren für Familien ein vielversprechender Ansatz. Eine Initiative des Bundes, die die Länder und Kommunen einbezieht, könnte das Potential der Zentren heben.

„Zentren für Familien versprechen eine hohe Rendite und erreichen viele Familien“, so C. Katharina Spieß, Leiterin der Abteilung Bildung und Familie am DIW Berlin. „Dazu zählen auch sozioökonomisch benachteiligte Familien, also solche mit geringen Einkommen oder einem niedrigen Bildungsniveau der Eltern, die von qualitativ guten Angeboten besonders profitieren.“ Zentral sei aber, dass sich entsprechende Angebote explizit an alle Familien richteten und nicht nur auf bestimmte Konstellationen abzielten, also etwa nicht nur auf Haushalte im unteren Einkommensbereich.

Gemeinsam mit ihrer Kollegin Sophia Schmitz hat Spieß bisherige nationale und internationale Ansätze und Modellversuche, in denen die Kinderbetreuung mit anderen familienorientieren Angeboten kombiniert wird, sowie landesrechtliche Regelungen und Bildungspläne unter die Lupe genommen.

Die Studie wird im Rahmen einer Veranstaltung der Heinz und Heide Dürr Stiftung in Anwesenheit von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey der Öffentlichkeit präsentiert. „In der Familie werden die Grundlagen für alles Weitere gelegt. Es ist wichtig, dass wir Familien stärken und Familienzentren unterstützen. Wir wollen unseren Familien starke Institutionen zur Seite stellen – gute Kitas, gute Schulen, Ganztagsangebote und aktive Elternarbeit. Das kommt letztlich der gesamten Gesellschaft zugute. Ich freue mich sehr, auf der heutigen Veranstaltung über Möglichkeiten zu diskutieren, wie die bestehenden Angebote der Kindertagesbetreuung durch weitere passende Angebote für Familien ergänzt werden können“, so Giffey.

Potential von Zentren für Familien ist groß, liegt aber in vielen Fällen noch brach

Nordrhein-Westfalen ist bisher das einzige Bundesland, das mit seinen „Familienzentren“ einen analogen Ansatz in größerem Stil umgesetzt und das Konzept in sein Landes-Kita-Gesetz aufgenommen hat. Entsprechende Modellvorhaben gibt es aber auch in Berlin, Hamburg, Hessen und anderen Bundesländern. Außerdem sind Familienzentren ein wichtiger Bestandteil einiger frühpädagogischer Konzepte wie des Early Excellence-Ansatzes, dessen Umsetzung in Deutschland die Heinz und Heide Dürr Stiftung seit 20 Jahren fördert. Alle diese Initiativen zeigen das Potential der Zentren für Familien, das stellenweise aber noch ungenutzt bleibt.

Zentrale Anforderungen an Zentren für Familien sind Schmitz und Spieß zufolge unter anderem, dass die Angebote für alle Familien niederschwellig zugänglich sind und sich diese durch eine hohe Qualität auszeichnen. „Vor allem die Qualität der Angebote steht und fällt mit gut aus- und weitergebildeten Fachkräften. Dabei muss berücksichtigt werden, dass die Arbeit von Zentren für Familien deutlich über die bisherige Aufgabe von Kindertageseinrichtungen und der Familienbildung hinausgeht“, erklärt Schmitz.

Zentral sei zudem eine nachhaltige Finanzierung der Zentren, um Planungssicherheit zu schaffen. Angesichts des hohen Investitionsvolumens könne nicht zuletzt in diesem Punkt eine entsprechende Initiative des Bundes große Fortschritte bringen, so die Studienautorinnen. Sie wäre auch deshalb sinnvoll, weil der potentielle Nutzen der Zentren mit Blick auf bildungs-, arbeitsmarkt- und sozialpolitische Ziele auch auf Bundesebene entstehen würde. Zudem könne nur so sichergestellt werden, dass Familien in Deutschland unabhängig vom Wohnort gleichermaßen Zugang zu solchen Zentren haben und dieser nicht von der politischen und finanziellen Prioritätensetzung vor Ort abhängt. „Wenn man bedenkt, dass die Förderung junger Familien aus volkswirtschaftlicher Sicht eine besonders hohe Rendite verspricht, würde sich jeder investierte Euro mehrfach auszahlen“, so Spieß. „Eine Weiterentwicklung von Kindertageseinrichtungen zu Zentren für Familien sollte auch vor diesem Hintergrund systematisch weiter diskutiert werden.“

Links

Studie: „Familien im Zentrum: Unterschiedliche Perspektiven auf neue Ansatzpunkte der Kinder-, Eltern- und Familienförderung“ | PDF, 0.58 MB

Anhang der Studie | PDF, 220.85 KB

Pressemitteilung als PDF-Datei | PDF, 157.91 KB

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