Deutschland: ein Land der Mieter? Die Rolle von Erwartungen über zukünftige Immobilienpreisentwicklungen

Aufsätze referiert extern - sonstige 2019

Niklas Gohl, Peter Haan, Claus Michelsen, Felix Weinhardt

In: Zeitschrift für Immobilienökonomie (2019), im Ersch. [online first 2019-10-18]

Abstract

Mehr als die Hälfte aller Haushalte in Deutschland wohnen zur Miete – ein im internationalen Vergleich sehr hoher Wert. Bisherige Studien haben vor allen Dingen den regulatorischen Rahmen des Immobilienmarkts hervorgehoben, der Mietwohnungen in Deutschland systematisch begünstigt. Allerdings gibt es keine Studien, die diese Erklärungen empirisch eindeutig untermauern können: einige Arbeiten betonen die Bedeutung von fundamentalen Marktdaten wie die Einkommensentwicklung, demographische Faktoren oder den Zuzug in eine Region. Diese Studie greift einen Aspekt auf, der bislang nicht in der Literatur diskutiert wurde. Untersucht wird, ob und zu welchem Anteil die geringe Eigentümerquote in Deutschland durch pessimistische Erwartungen bezüglich zukünftiger Immobilienpreisentwicklungen erklärt werden kann – erwarten Mieter keine oder nur geringe Preissteigerungen, so sinkt die Attraktivität einer Investition in die eigenen vier Wände. Für die empirische Analyse werden Daten aus einer neuen, repräsentativen Befragung, erhoben im Rahmen des SOEP-IS, ausgewertet. Befragte ausländischer Herkunft sind optimistischer hinsichtlich der Immobilienpreisentwicklung. Sie erwarten langfristig einen signifikant höheren Preisanstieg. Dies legt nahe, dass die erheblich pessimistischeren Preiserwartungen der einheimischen Bevölkerung auch dazu führen, dass sie sich seltener als die Bevölkerung in anderen Ländern für selbstgenutztes Wohneigentum entscheiden.

More than half of German households are renting – a large proportion in international comparison. Existing studies have examined regulartory constraints and the legal system favouring certain aspects of the rental market. Other studies have examined market fundamentals such as incomes, demographic factors and migration but the overall empirical support for explaining the high proportion of renters, and low owner-occupation in Germany is weak. This study contributes by examining a new factor: pessimistic expectations about future price growth in Germany. In particular, if existing renters expect low price growth they would see little reason to move into owner-occupation. We analyse these questions based on information from the SOEP-IS, a representative household panel dataset. Our main finding is that households of foreign nationality have significantly more positive price expectations. We conclude that pessimistic expectations about future prices are one factor contributing to the low rates of owner-occupation in Germany.

Felix Weinhardt

Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Bildung und Familie

Claus Michelsen

Abteilungsleiter in der Abteilung Konjunkturpolitik

Peter Haan

Abteilungsleiter in der Abteilung Staat



Keywords: Wohneigentumsquote, Preiserwartungen, Immobilieninvestition;Owner occupation, Price expectations, Investment decisions
DOI:
https://doi.org/10.1365/s41056-019-00036-x