Zehn Jahre nach dem großen Knall: wie ist es um die Stabilität der internationalen Immobilienmärkte bestellt?

Aufsätze referiert extern - sonstige 2019

Konstantin A. Kholodilin, Claus Michelsen

In: Zeitschrift für Immobilienökonomie (2019), im Ersch. [online first: 2019-11-04]

Abstract

Zehn Jahre nach der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise, die ihren Ursprung auf dem US-amerikanischen Immobilienmarkt hatte, steigen angesichts weltweit zunehmender Preise für Wohneigentum die Sorgen vor neuen Immobilienpreisblasen. Dieser Beitrag zeigt auf Basis von OECD-Daten für 20 Länder, dass die Sorge nicht unberechtigt ist: In acht Ländern deutet die Immobilienpreisentwicklung auf ein spekulatives Anlageverhalten von Investor hin. Vor allem die nach wie vor hohe Verschuldung der privaten Haushalte und das allgemein sehr niedrige Zinsniveau sprechen vielerorts für eine neue Blase. Anzeichen für spekulative Überbewertungen gibt es auch in Deutschland, allerdings in erster Linie in den großen Metropolen. Die volkswirtschaftlichen Risiken sind nicht zuletzt wegen der deutlich niedrigeren Verschuldung der Privathaushalte hierzulande überschaubar. Handlungsbedarf besteht dennoch: Zwar ist es mittlerweile möglich, die Kreditvergabe mit makroprudenziellen Instrumenten einzuschränken. Allerdings ist das Instrumentarium unvollständig, denn es fehlt an klaren Regeln, wann eine gesamtwirtschaftlich kritische Entwicklung zu einem regulierenden Eingriff führt.

Ten years after the world financial and economic crisis, which was triggered by the US real estate crisis, more and more concerns are raised due to the worldwide housing price increases. In this article, using the OECD data for 20 countries it is shown that these concerns are not without ground: In eight countries, the housing price dynamics point out to a speculative investor behavior. Above all, a high indebtedness of the private households and very low interest rates give indications of a new speculative bubble in many countries. In Germany, there are also price overvaluations, although in the first place in big metropolis. The economic risks, however, are not too high thanks to a much lower indebtedness of German private households. Nevertheless, there is still a room for improvements. Albeit it is already possible to restrict the credit supply using tools of macroprudential policy, the corresponding toolkit is not complete, for clear rules, which would identify the critical point for starting a regulatory intervention, are still missing.

Claus Michelsen

Abteilungsleiter in der Abteilung Konjunkturpolitik

Konstantin A. Kholodilin

Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Makroökonomie



Keywords: Speculative housing price bubbles, Early warning system, Explosive roots test, Panel probit model, Spekulative Preisblasen, Frühwarnsystem, Test für explosive Wurzeln, Panel-Probit
DOI:
https://doi.org/10.1365/s41056-019-00034-z