Politische Einflussmöglichkeiten auf die Entwicklung nachhaltiger Geldanlagen: Herausforderungen der Implementierung

Vierteljahrshefte zur Wirtschaftsforschung 3 / 2019, S. 67-79

Claudia Kemfert, Sophie Schmalz

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Abstract

Die Vereinbarkeit von Klimazielen und Finanzströmen ist eine enorme Herausforderung des 21. Jahrhunderts. Gemäß dem Abkommen von Paris ist ein zentrales Ziel „Finanzmittelflüsse“ mit einer „emissionsarmen und gegenüber Klimaänderungen widerstandsfähigen Entwicklung“ in Einklang zu bringen. Staaten allgemein und Deutschland im Besonderen stehen zahlreiche Instrumente zur Verfügung, um entsprechende Maßnahmen anzustoßen. Zum einen kann der Staat direkt Einfluss üben, indem Eigenaktivitäten nachhaltig ausgerichtet werden, beispielsweise indem Anlagen und Beteiligungen öffentlicher Institutionen Nachhaltigkeitsstandards gerecht werden und Divestmentstrategien gesetzlich verankert werden. Zum anderen sind die Entwicklung geeigneter Rahmenbedingungen Voraussetzung dafür, dass die Ausrichtung privater Finanzmarktakteure auf Nachhaltigkeit gefördert wird. Eine wesentliche Voraussetzung für die Entwicklung eines nachhaltigen Finanzsystems ist eine einheitliche Taxonomie von Nachhaltigkeit. Die Entwicklung politischer Rahmenbedingungen steht auf europäischer und nationaler Ebene derzeit vor weitreichenden Herausforderungen: Es besteht das Risiko, dass derzeitige Ansätze für ein Instrumentarium nur eine begrenzte und keine breite Anwendung erfahren werden. Mit diesem Beitrag soll fokussiert werden, inwieweit politische Rahmenbedingungen, die derzeit auf nationaler und europäischer Ebene entwickelt werden, zur Entwicklung eines nachhaltigen Finanzwesens beitragen können. Neben Herausforderungen der Implementierung und Entwicklung neuer politischer Ansätze werden Grenzen bestehender Instrumentarien herausgearbeitet. Über die indirekte Einflussmöglichkeit des Staates hinaus, werden Anlagestrategien und -kriterien öffentlicher Institutionen und des Beschaffungswesens analysiert, die eine direkte Einflussmöglichkeit des Staates für die Entwicklung eines nachhaltigen Finanzsektors darstellen. Hierzu wird ein Fallbeispiel zur Versorgungsrücklage des Landes Berlins herangezogen.

According to the 2015 Paris Agreement, a long-term goal is the commitment to “making finance flows consistent with a pathway towards low greenhouse gas emissions and climate-resilient development.” Reconciling climate change objectives and financial flows is an enormous challenge in the 21st century. States in general and Germany in particular have various instruments at their disposal to initiate appropriate measures. On the one hand, the state can exert direct influence by orienting its own activities towards sustainability, for example by meeting sustainability standards for investments and participations by public institutions and by anchoring divestment strategies in law. On the other hand, the development of suitable framework conditions is a requirement for encouraging private financial market players towards sustainability. A key requirement for the development of sustainable financial system is a uniform taxonomy of sustainability. Standards and labels for identifying business activities can then be implemented. The development of political framework conditions is currently facing far-reaching challenges at European and national level: There is a risk that current approaches to a set of instruments will only be applied to a limited extent and not on a broad scale. This article aims to focus on the extent to which policy frameworks currently being developed at national and European level can contribute to the development of sustainable finance. In addition to the challenges of implementing and developing new policy approaches, the limits of existing instruments will be identified. Beyond the indirect influence of the state, investment strategies and criteria of public institutions and procurement are analysed, which represent a direct influence of the state for the development of a sustainable financial sector. A case study on the Divestment Strategies is used for this purpose.

Claudia Kemfert

Abteilungsleiterin in der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt



JEL-Classification: G18;G23
Keywords: Sustainable finance, ESG, divestment, procurement
DOI:
https://doi.org/10.3790/vjh.88.3.67