Elektronische Währung: Wie die Notenbanken Facebook und Co. Paroli bieten sollten: Kommentar

DIW Wochenbericht 48 / 2019, S. 906

Alexander Kriwoluzky

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Im Zeitalter der Digitalisierung, in dem technische Gadgets jeden Lebensbereich durchdringen, wirkt das Bezahlen von Gütern mit Papiergeld und schweren Münzen wie ein Anachronismus. Es bedarf keiner prophetischen Gaben vorauszusehen, dass wie viele Überbleibsel aus der analogen Vorzeit auch dieses Relikt schon bald das Zeitliche segnen wird. Die großen US-Technologiekonzerne wie Apple, Amazon und Google ermöglichen das schnelle Bezahlen mit dem Smartphone heute schon an vielen Stellen. Der nächste logische Schritt für diese Konzerne ist die Einführung einer eigenen digitalen Währung. Facebook hat mit seinem Vorstoß zu der Einführung von Libra schon einen ersten Schritt getan. Doch welche Gefahren birgt das? Und wie können die Zentralbanken gegensteuern, damit ihnen nicht die Kontrolle über die Geldpolitik entgleitet?

Selbstverständlich gibt es mit Bitcoin und anderen Kryptowährungen schon so etwas wie digitales Geld, das im Laden als Zahlungsmittel verwenden werden kann. Diesen Kryptowährungen fehlt aber eine ganz wichtige Eigenschaft von Geld, nämlich ein stabiler Wert, der das Sparen erlaubt. Facebook verspricht dagegen, dass der Wert seiner elektronischen Währung Libra nicht so stark schwanken wird, weil sie an einen Korb unterschiedlicher stabiler Währungen wie den US-Dollar, Euro und Yen gekoppelt wird. Klingt gut, ist aber keine Sicherheitsgarantie.

Stabile elektronische Währungen haben sicherlich Vorteile: Sie werden relativ schnell von einer breiten Masse akzeptiert und sind für Menschen geeignet, die keine Kreditkarte oder Bankkonto haben, um Zugang zu elektronischen Zahlungsdiensten zu erhalten. Alles was benötigt wird, ist ein Profil bei Facebook und ein Smartphone. Dieser Grund ist natürlich vor allem in Entwicklungsländern wichtig, die kein entwickeltes Bankensystem haben. Des Weiteren ermöglicht eine Währung wie Libra einfache und kostengünstige Transaktionen vor allem über nationale Grenzen und Währungsräume hinweg. Zusätzlich wird die neue Währung Bonuspunkte pro Einkauf versprechen, ähnlich zu den Punkten der Payback-Karte.

Die breite Verwendung einer Währung wie Libra birgt aber auch Gefahren. Zum einem sind Unternehmen wie Facebook auch deshalb an einer eigenen Währung interessiert, weil sie so an die Zahlungsdaten der Verbraucherinnen und Verbraucher kommen: Wofür geben diese wieviel Geld aus? Sie müssen vor einem Missbrauch der Daten geschützt werden. Zum zweiten ist es juristisch nicht geklärt, wie diese Währung reguliert werden sollte und welche Institution dafür zuständig ist. Schlussendlich kann die Zentralbank dann nicht mehr mit ihrer Geldpolitik stabilisierend in der Ökonomie wirken, wenn niemand mehr Euro verwendet, und Libra nur einen geringen Teil Euro im dahinterstehenden Währungskorb hat.

Deswegen sollte die Zentralbank dem Verwenden einer privaten elektronischen Währung zuvorkommen, indem sie eine eigene elektronische Währung herausgibt. Das Papiergeld in unseren Portemonnaies ist buchhalterisch eine Schuld der Zentralbank. Eine elektronische Währung als Ersatz würde bedeuten, dass statt des Papiergeldes, bei dem die Zentralbank nicht weiß, wer es gerade hält, die Bürgerinnen und Bürger ein Konto direkt bei der Zentralbank hätten. Und eben E-Euro auf dem Smartphone statt der Geldscheine im Portemonnaie.

Allerdings ist es fragwürdig, ob die Zentralbank in der Lage ist, die Technologie ausreichend schnell und qualitativ sicher zu entwickeln. Deswegen sollte die Zentralbank zusammen mit privaten FinTech-Firmen zusammenarbeiten. Diese FinTech-Firmen hätten ein Konto bei der Zentralbank, die E-Euro bereitstellen würde. Diese E-Euro würden die FinTech-Firmen an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergeben. Die Firmen würden die Technologie bereitstellen, die nötig ist, um Transaktionen durchzuführen. Diese Lösung hätte den Vorteil, dass die Technologie aus dem privaten Sektor käme, die Währung die Vorteile der elektronischen Währung hätte, aber die Öffentlichkeit eine bessere Kontrolle über die Nutzung der Daten. Und der Zentralbank würde nicht die Möglichkeit aus der Hand genommen, wirksame Geldpolitik zu machen.

Alexander Kriwoluzky

Abteilungsleiter in der Abteilung Makroökonomie