„Christine Lagarde hat eine klare Vision, steht aber vor großen Herausforderungen“

Statement vom 12. Dezember 2019

Die heutige Sitzung des Rates der Europäischen Zentralbank (EZB) und die getroffenen geldpolitischen Beschlüsse kommentiert DIW-Präsident Marcel Fratzscher wie folgt:

BlockquoteChristine Lagarde hat ihre erste Pressekonferenz als EZB-Präsidentin mit Bravour gemeistert. Sie zeigt Führungsstärke und eine klare Vision für die kommenden Jahre. Sie hat eine Evaluierung der geldpolitischen Strategie der EZB angekündigt und fordert einige der Kritiker der EZB heraus. Ihre Ankündigung, Klimaschutz und Ungleichheit explizit als Zentralbank mit zu berücksichtigen, hat ihr auch Widerspruch eingebracht. Ihre größte Herausforderung wird sein, den zerstrittenen EZB-Rat wieder zu einen und eine gemeinsame Kommunikation der geldpolitischen Entscheidungen zu ermöglichen. Es bleibt abzuwarten, ob sich die Mitglieder des EZB-Rates nun disziplinierter verhalten und die Notwendigkeit der expansiven Geldpolitik geeint in die Öffentlichkeit tragen. Das Festhalten am bisherigen geldpolitischen Kurs war zu erwarten und ist richtig. Die europäische Wirtschaft befindet sich nach wie vor in einer außergewöhnlich schwierigen Lage. Die Risiken durch Handelskonflikte, Brexit und hausgemachte Probleme in den einzelnen Mitgliedsländern haben zur Folge, dass der wirtschaftliche Ausblick für 2020 und 2021 enorm unsicher bleibt. Gerade für Deutschland sind die wirtschaftlichen Risiken besonders groß. Der wirtschaftliche Ausblick hängt stark von einer gemeinsamen Reaktion Europas auf die globalen Herausforderungen ab. Die EZB verfehlt nach wie vor ihr Ziel der Preisstabilität und hat klar signalisiert, dass sie auf längere Zeit an dem geldpolitischen Kurs festhalten wird. Ich erwarte, dass wir frühestens in zwei bis drei Jahren einen Anstieg der Leitzinsen sehen werden.

Themen: Geldpolitik