Wie krisenfest ist die Verschuldung des Privatsektors im Euroraum? Entwicklung und Struktur der privaten Verschuldung seit Krisenausbruch und ihre wirtschaftspolitischen Implikationen

Vierteljahrshefte zur Wirtschaftsforschung 4 / 2019, S. 115-131

Manuel Rupprecht, Monika Wohlmann

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Abstract

Zu hohe Schulden der privaten Haushalte und Unternehmen haben maßgeblich zum Ausbruch und Verlauf der Finanzkrise beigetragen. Um eine Wiederholung zu vermeiden, wird die private Verschuldung inzwischen überwacht. Betrachtet wird dabei primär die Schuldenhöhe. Ihre Struktur (d. h. Instrumente, Laufzeiten, Gläubiger) wird dagegen meist vernachlässigt, obwohl sie hinsichtlich der gesamtwirtschaftlichen Implikationen der Verschuldung eine ähnliche Bedeutung hat. Vor diesem Hintergrund analysiert der Beitrag die Struktur der privaten Verschuldung auf makroökonomischer Ebene in den vier großen Ländern des Euroraums sowie im Euroraum insgesamt seit Krisenbeginn. Im Ergebnis zeigen sich überall spürbare Veränderungen in der Schuldenstruktur. Für Unternehmen spielen bspw. Anleihen als Instrument und Schattenbanken als Gläubiger inzwischen eine deutlich größere Rolle als noch zu Krisenbeginn, während die Verbindung zwischen Haushalten und Banken über langfristige Kredite noch enger geworden ist. Die Ergebnisse unterstreichen u. a. die Bedeutung einer adäquaten Regulierung des gesamten Finanzsektors sowie die Relevanz bereits begonnener politischer Vorhaben (bspw. Stärkung der Bankensystemstabilität).

Excessive debts of households and nonfinancial corporations have contributed significantly to the financial crisis. In order to avoid a repetition, private debt is now being monitored. The primary consideration here is the amount of debt. Its structure (i. e. instruments, maturities, creditors), however, is usually neglected, although it has a similar significance with regard to the macroeconomic implications of debt. Against this background, the paper analyses the structure of private debt at the macroeconomic level in the four large euro area countries and in the euro area as a whole since the crisis outbreak. As it turns out, noticeable changes occurred everywhere. For companies, for example, bonds as an instrument and shadow banks as creditors now play a much greater role than at the beginning of the crisis, while the link between households and banks via long-term loans has become even closer. The results inter alia underline the importance of adequate regulation of the entire financial sector and the relevance of political projects already underway (e. g. systemic stability of banks).

Themen: Finanzmärkte



JEL-Classification: E01;E58;G01;G20;G30
Keywords: Private debt, debt structure, financial stability, monetary policy, Europe
DOI:
https://doi.org/10.3790/vjh.88.4.115