Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos – empirisch gestützte Überlegungen zur elterlichen Aufteilung der Kinderbetreuung vor, während und nach dem COVID-19 Lockdown

SOEPpapers 1089, 29 S.

Christina Boll, Simone Schüller

2020

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Abstract

Dieser Beitrag untersucht auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) 2018 die Zusammenhänge zwischen dem väterlichen Kinderbetreuungsanteil im Paar und den in der Literatur einschlägigen Wirkmechanismen Zeitbudgetverhältnis, Einkommensrelation und Geschlechterrolleneinstellungen im Paar. Die Untersuchungsstichprobe besteht aus 2.145 heterosexuellen Paaren im Alter 18 bis 65 Jahre mit Kindern unter 13 Jahren. Anhand bi- und trivariater Analysen belegen wir deren Bezüge zu den beiden berufsbezogenen Elternmerkmalen Systemrelevanz und Homeoffice-Potenzial. Anhand dieser „Corona-Faktoren“ nominieren wir drei Paarkonstellationen, von denen ein Anstieg des väterlichen Kinderbetreuungsanteils am ehesten erwartet werden kann, als “Hoffnungsträger“. Eltern mit Zugang zur Notbetreuung schließen wir dabei aus, da der Anpassungsdruck im Paar hier (teilweise) durch das Angebot externer Betreuung entweichen kann. Je nach Spezifikation der Notbetreuung quantifizieren wir einen Anteil von 7–8% der Paare als Hoffnungsträger. Positive Impulse für die Geschlechtergleichstellung erwarten wir nicht nur im privaten, sondern auch im betrieblichen Bereich—insbesondere durch Multiplikatoreffekte, die von den Führungskräften unter den Vätern ausgehen dürften, sowie einem unumkehrbaren Digitalisierungsschub—, mit entsprechenden Feedbackeffekten in die Familien.



JEL-Classification: D13;J13;J16
Keywords: COVID-19; Arbeitsteilung im Paar; Systemrelevanz; Homeoffice; Kinderbetreuung; SOEP