MillionärInnen sind zufriedener mit ihrem Leben als der Durchschnitt der Bevölkerung: Interview

DIW Wochenbericht 29 / 2020, S. 522

Johannes König, Erich Wittenberg

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Herr König, bislang war es gar nicht so einfach, VermögensmillionärInnen statistisch zu erfassen. Sie konnten nun mit neuen Daten arbeiten. Wie haben Sie die Datenlücke geschlossen? Um die VermögensmillionärInnen und die Hochvermögenden zu erfassen, haben wir uns die Tatsache zu Nutze gemacht, dass viele Hochvermögende einen gewissen Anteil ihres Vermögens in Form von Betriebsvermögen halten. Auf Basis weltweiter Unternehmensregisterdaten konnten wir deutsche AnteilseignerInnen von Unternehmen lokalisieren und daraus gezielt die Höchstvermögenden ermitteln.

Was bedeuten die neuen Daten für Ihre Untersuchungen? Wir sind dank dieser neuen Daten erstmals in der Lage, verlässliche und statistisch aussagekräftige Untersuchungen im Bereich von MillionärInnen und Hochvermögenden vorzunehmen. Untersuchungen, die bisher im Rahmen des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) durchgeführt wurden, zum Beispiel zur Vermögensverteilung in Deutschland, werden dadurch wesentlich aussagekräftiger.

Ist die Vermögenskonzentration unter Berücksichtigung der neuen Daten höher oder niedriger als bislang berichtet? Die Vermögenskonzentration ist höher. Durch Integration der neuen Daten wird sichtbar, dass der obere Bereich der Vermögensverteilung noch größere Anteile des Vermögens auf sich vereint als bisher ausgewiesen. Den bisherigen SOEP-Daten zufolge besitzt das reichste Zehntel der Verteilung 59 Prozent des gesamten Vermögens. Durch die Integration der Hochvermögenden steigt dieser Anteil auf gut 67 Prozent, wenn man auch noch öffentlich zugängliche Reichenlisten hinzunimmt. Auch der Gini-Koeffizient, ein gängiges Maß für die Ungleichheit in einem Land, liegt höher, statt bei 0,78 nun bei 0,83.

Wie viele VermögensmillionärInnen gibt es in Deutschland? Unseren Berechnungen zufolge verfügen ungefähr 1,5 Prozent der erwachsenen Gesamtbevölkerung über ein individuelles Nettovermögen von mindestens einer Million Euro. Das sind etwas mehr als eine Million Personen.

Was sagen Ihre Daten über die Merkmale und die Lebenszufriedenheit der MillionärInnen aus? Auch das konnten wir auf Basis der neuen Daten erstmals genauer unter die Lupe nehmen. Unter den MillionärInnen ist der Anteil von Frauen mit gerade einmal gut 30 Prozent relativ gering. 14 Prozent haben einen Migrationshintergrund, sechs Prozent kommen aus den neuen Bundesländern und 40 Prozent sind über 65 Jahre alt. Bemerkenswert ist, dass trotz des fortgeschrittenen Alters der MillionärInnen 62 Prozent noch aktiv im Beruf und 73 Prozent selbständig sind. Insgesamt sind MillionärInnen deutlich zufriedener als der Durchschnitt der übrigen Bevölkerung, sowohl allgemein mit ihrem Leben als auch in fast allen Subbereichen wie Familie, Einkommen und Gesundheit. Lediglich die Zufriedenheit mit Blick auf die Freizeit ist eine Ausnahme. Das steht im Kontrast zu früheren Befunden, nach denen die Lebenszufriedenheit ab einem bestimmten Einkommen zu stagnieren scheint.

Welche gesellschaftliche und politische Bedeutung haben Ihre Ergebnisse? Die Konzentration der Vermögen sagt etwas darüber aus, inwiefern Vorschläge wie eine Vermögensteuer relevant sind. Wenn die Vermögenskonzentration sehr klein wäre, dann wäre auch mit einer sehr hohen, progressiven Vermögensteuer nichts zu holen. Zudem ist auch die Zusammensetzung der Vermögen wichtig, denn die MillionärInnen halten ihr Vermögen hauptsächlich in Betrieben oder nicht selbst bewohnten Immobilien. Das heißt, das meiste von diesen Vermögen wird produktiv genutzt, es profitieren also auch andere von diesem Kapital. Das spräche eher gegen eine Vermögensteuer.

Das Gespräch führte Erich Wittenberg.

O-Ton von Johannes König
MillionärInnen sind zufriedener mit ihrem Leben als der Durchschnitt der Bevölkerung - Interview mit Johannes König

Johannes König

Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Infrastruktureinrichtung Sozio-oekonomisches Panel