Hohe Körperschaftsteuer kann Effekt von Bankenabgaben nivellieren: Interview

DIW Wochenbericht 35 / 2020, S. 613

Franziska Bremus, Erich Wittenberg

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Frau Bremus, Sie haben untersucht, inwieweit Bankenabgaben zu einer geringeren Verschuldung von europäischen Banken beitragen und welche Rolle die Höhe des Körperschaftsteuersatzes dabei spielt. Wie wirken nationale Bankenabgaben auf die Verschuldung der Banken? Typischerweise werden Bankenabgaben auf die Verbindlichkeiten von Banken abzüglich der versicherten Kundeneinlagen erhoben. Das heißt, dass sie grundsätzlich die Finanzierung der Banken über Fremdkapital verteuern. Die Banken müssen also geringere Abgaben bezahlen, je geringer ihr Fremdkapital ist. Damit setzen Bankenabgaben einen Anreiz zu einem geringeren Verschuldungsgrad, der hier als Verhältnis von Fremdkapital zur Bilanzsumme definiert ist. Wir haben anhand von Bankbilanzdaten herausgefunden, dass Bankenabgaben, die auf die Verbindlichkeiten von Banken erhoben werden, tatsächlich mit einer geringeren Verschuldung der Banken einhergehen.

Welche Auswirkungen hat die Körperschaftsteuer auf den Verschuldungsgrad der Banken? Verschiedene Studien zeigen bereits, dass höhere Körperschaftsteuersätze tendenziell mit einem höheren Verschuldungsgrad von Unternehmen und Banken einhergehen. Das liegt daran, dass die Zinsaufwendungen für Fremdkapital in den allermeisten Ländern steuerlich abzugsfähig sind, während das für die Erträge des Eigenkapitals nicht der Fall ist. So können Unternehmen Steuern sparen, indem sie sich vermehrt über Fremdkapital finanzieren, womit der Verschuldungsgrad steigt. Unsere Schätzergebnisse untermauern diesen Befund: Wir haben rund 3000 Banken aus 27 Ländern in unserer Stichprobe. Es zeigt sich, dass sich diese Banken bei höheren Körperschaftsteuersätzen in stärkerem Ausmaß über Fremdkapital finanzieren.

Welche Wechselwirkungen entstehen zwischen diesen gegenläufigen Effekten? Wir sehen, dass die Bankenabgaben es nur dann schaffen, den Verschuldungsgrad der Banken zu reduzieren, wenn der Körperschaftsteuersatz nicht allzu hoch ist. Ist der Körperschaftsteuersatz in einem Land sehr hoch, reduziert die Bankenabgabe den Verschuldungsgrad der dortigen Banken kaum oder gar nicht. Das liegt wohl daran, dass der Anreiz zu einer größeren Steuerersparnis durch mehr Fremdfinanzierung dann überwiegt.

Wie stark reduziert die Bankenabgabe den Verschuldungsgrad bei einem durchschnittlichen und wie stark bei einem hohen Körperschaftsteuersatz? Bei einem durchschnittlichen Körperschaftsteuersatz von rund 30 Prozent senkt die Einführung einer Bankenabgabe den Verschuldungsgrad der Banken um etwa 1,6 Prozentpunkte. Andersherum betrachtet steigt also die Eigenkapitalquote einer durchschnittlichen Bank von rund zehn auf etwa elfeinhalb Prozent. Wenn wir den höchsten Körperschaftsteuersatz in unserer Stichprobe anschauen, der bei rund 40 Prozent liegt, dann können wir keinen statistisch signifikanten Rückgang der Verschuldungsquote mehr feststellen.

Wie sähe das optimale Verhältnis von Körperschaftsteuer und Höhe der Bankenabgabe aus? Wir können anhand unserer Berechnungen keine Schlüsse über das optimale Verhältnis von Körperschaftsteuersätzen und Bankenabgabe ziehen. Was wir auf Basis unserer Ergebnisse sagen können ist, dass diese Bankenabgaben nur dann auf den Verschuldungsgrad der Banken wirken, wenn sie erstens als eine Abgabe auf die Bankverbindlichkeiten erhoben werden und zweitens, dass der Körperschaftsteuersatz und damit der Vorteil der Fremdfinanzierung nicht zu hoch sein darf, damit es überhaupt eine Auswirkung auf den Verschuldungsgrad gibt. Das bedeutet, dass in Ländern mit einer geringeren Bevorzugung von Fremdfinanzierung durch das Unternehmensbesteuerungssystem eine Bankenabgabe stärker auf den Verschuldungsgrad wirkt und diesen reduziert.

Das Gespräch führte Erich Wittenberg.

O-Ton von Franziska Bremus
Hohe Körperschaftsteuer kann Effekt von Bankenabgaben nivellieren - Interview mit Franziska Bremus

Franziska Bremus

Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Makroökonomie