Durch Mentorenprogramme verbessern Geflüchtete ihre Sprachkenntnisse und sind sozial aktiver: Interview

DIW Wochenbericht 49 / 2020, S. 915

Magdalena Krieger, Erich Wittenberg

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Frau Krieger, worum geht es in dem von Ihnen untersuchten Mentorenprogramm für Geflüchtete? Es geht darum, Geflüchtete mit Menschen aus der Aufnahmegesellschaft zusammen zu bringen. Bei dem konkreten Mentorenprogramm, das wir uns anschauen (Start with a Friend), geht es um einen freundschaftlichen Kontakt – also darum, Freizeit zusammen zu verbringen und sich freundschaftlich kennen zu lernen. Über sechs Monate sollten sich die TandempartnerInnen für zwei bis drei Stunden wöchentlich treffen. Wie sie diese Zeit gestalten, ist ihnen überlassen. Manche treffen sich, um gemeinsam zu kochen, andere treffen sich, um gemeinsam ins Kino zu gehen oder Fußball zu spielen.

Wie setzt sich die Gruppe der MentorInnen zusammen? 73 Prozent unserer Befragten sind weiblich. Sie sind im Durchschnitt 30 Jahre alt, und 83 Prozent geben an, dass sie das Abitur absolviert haben. Zudem ist diese Gruppe den Geflüchteten gegenüber positiver eingestellt als die bundesweite Gesamtbevölkerung. Eine spezielle Qualifikation der MentorInnen ist nicht erforderlich. Es geht tendenziell darum, dass sich Menschen melden, die motiviert sind, Teil eines Tandems zu sein und mit ihrem Tandempartner oder ihrer Tandempartnerin gemeinsam Freizeit zu verbringen.

Wie setzt sich die Gruppe der teilnehmenden Geflüchteten zusammen? Wir vergleichen zunächst die Geflüchteten, die Interesse an dem Programm bekundet haben, mit denjenigen, die das nicht getan haben. Hierbei sehen wir, dass geflüchtete Frauen weniger Interesse äußerten, an dem Programm teilzunehmen. Allerdings bekundeten die Geflüchteten, die erst seit kurzem in Deutschland leben, sowie diejenigen, die in einer Gemeinschaftsunterkunft leben, häufiger Interesse. Weiter vergleichen wir diejenigen, die Interesse geäußert haben, mit denjenigen, die schlussendlich einen Mentor oder eine Mentorin erhalten haben. Hier sehen wir, dass die Gruppe mit MentorIn bereits vor Programmbeginn bessere Deutschkenntnisse hatte, im Durchschnitt etwas jünger ist, weniger häufig Kinder hat oder verheiratet ist.

Was bewirken die Mentorenprogramme bei den Geflüchteten? Durch das Mentorenprogramm verbessern sich die Sprachkenntnisse der Geflüchteten und sie sind sozial aktiver. So nehmen die Geflüchteten durch das Mentorenprogramm an mehr sozialen Aktivitäten teil. Sie gehen öfter essen, sie besuchen öfter kulturelle Veranstaltungen oder sie machen häufiger Sport. Allerdings stellen wir auch fest, dass sich Bildungsinvestitionen sowie Erwerbstätigkeit durch das Mentorenprogramm nicht verändern. Natürlich sind aber Sprachkenntnisse und soziale Partizipation auch Sprungbretter in Bildung und Erwerbstätigkeit. Deshalb wird es spannend sein, im nächsten oder übernächsten Jahr noch einmal diese Integrationsindikatoren anzuschauen und zu gucken, ob das Mentorenprogramm mittelfristig auch dort Wirkung entfalten konnte.

Was ließe sich an den Mentorenprogrammen noch verbessern? Die Mentorenprogramme wirken sehr positiv auf das Leben der Geflüchteten sowie auf das der MentorInnen. Allerdings ist Start with a Friend, wie die meisten vergleichbaren Initiativen, nur in Städten aktiv. Gleichzeitig steht die Bevölkerung im ländlichen Raum in Deutschland der Zuwanderung eher skeptisch gegenüber. Man könnte darüber nachdenken, die Mentorenprogramme auch auf ländliche Räume auszuweiten. Ein zweiter Punkt ist, dass sich geflüchtete Frauen weniger für das Programm interessieren als geflüchtete Männer. Es wäre sinnvoll, Programme zu implementieren, die auf die speziellen Bedürfnisse von geflüchteten Frauen eingehen.

Das Gespräch führte Erich Wittenberg.

O-Ton von Magdalena Krieger
Durch Mentorenprogramme verbessern Geflüchtete ihre Sprachkenntnisse und sind sozial aktiver - Interview mit Magdalena Krieger

Magdalena Krieger

Doktorandin in der Infrastruktureinrichtung Sozio-oekonomisches Panel

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