„Verlängerung der Corona-Maßnahmen war unausweichlich, eingeschlagene Strategie wohl aber unzureichend“

Statement vom 20. Januar 2021

DIW-Präsident Marcel Fratzscher kommentiert die aktuellen Beschlüsse des Bund-Länder-Treffens zum weiteren Corona-Kurs wie folgt:

BlockquoteEine Verlängerung des Lockdowns war unausweichlich. Ich befürchte aber, die eingeschlagene Strategie ohne wesentliche Verschärfung der Maßnahmen ist unzureichend, zu zögerlich und zu zaghaft. Die zweite Corona-Welle muss schnellstmöglich gebrochen werden, auch um langfristig enorme wirtschaftliche Schäden abzuwenden. Dies könnte die letzte Chance sein, einen noch tieferen Wirtschaftseinbruch zu vermeiden, denn viele Unternehmen sind in ihrer Existenz bedroht. Ein harter Lockdown ist zwar unmittelbar ein tiefgreifender Einschnitt für Unternehmen und Selbständige. Die Wahrscheinlichkeit ist aber hoch, dass der fehlende Mut der Politik, frühzeitig und entschieden zu handeln, dazu führt, dass ein Rückgang der Zahl der Infizierten und damit eine Lockerung der Restriktionen noch weiter in die Ferne rückt. Zu zögerliche Schritte, die womöglich in eine dritte Infektionswelle münden könnten, würden für noch mehr Verunsicherung bei Unternehmen, Selbstständigen und VerbraucherInnen sorgen. Dies hätte verheerende Folgen für die wirtschaftliche Entwicklung. 

Ein hohes Maß an Akzeptanz für die getroffenen Maßnahmen ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Eindämmung der zweiten Infektionswelle. Die ständigen Streitereien und die Kakophonie der Politik, wie sie auch jetzt wieder zwischen den politischen Entscheidungsträgern zu beobachten war, schürt die Verunsicherung und verursacht hohen Schaden. Auch die Androhungen von Schließungen von Unternehmen und einem "Wirtschafts-Lockdown" gehen nicht nur an der Realität vorbei, sondern führen zu einer geringeren Akzeptanz und verringern damit die Chancen einer erfolgreichen Eindämmung.

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