Charakteristika der Entgeltumwandlung: Wer sorgt in welchem Umfang für das Alter vor?

Discussion Papers 1929, 35 S.

Johannes Geyer, Ralf Himmelreicher

2021

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Abstract

Wir untersuchen erstmals anhand von repräsentativen Daten für die Privatwirtschaft (Verdienststrukturerhebung 2014) Anteile und Höhe von umgewandelten Entgelten nach verschiedenen individuellen und betrieblichen Merkmalen der Beschäftigten in Deutschland. Deskriptive wie multivariate Regressionsanalysen weisen sowohl auf eine selektive Teilnahmebereitschaft zur Umwandlung als auch auf eine mit steigendem Einkommen erhöhte Bereitschaft höhere Entgelte umzuwandeln hin. Große Unterschiede bestehen zwischen Frauen und Männern, zwischen Ost-und Westdeutschland sowie zwischen verschiedenen Branchen. Im Mindestlohn-und Niedriglohnbereich ist Entgeltumwandlung kaum verbreitet, und falls doch, dominieren monatliche Beiträge in Höhe von rund 50 Euro. Vor allem bei Minijobbern kommt Entgeltumwandlung beinahe nicht vor. Und umgekehrt ist der Anteil der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer am oberen Ende der Einkommensverteilung, die Anteile ihres Arbeitsentgeltes umwandeln, besonders hoch; ihre umgewandelten Beiträge steigen sogar exponentiell. Gerade für gering qualifizierte Beschäftigte im Mindest-und Niedriglohnbereich in typischen Niedriglohnbranchen wird das sinkende Rentenniveau eher selten durch ergänzende Entgeltumwandlung kompensiert. Insbesondere in Ostdeutschland, wo im Vergleich zu Westdeutschland kleinere Betriebe ohne Tarifbindung und mit niedrigeren Arbeitsentgelten häufiger vorkommen, wird Entgeltumwandlung kaum praktiziert, weshalb Defizite in der betrieblichen Altersvorsorge und somit insgesamt niedrigere Alterseinkünfte in Zukunft zu erwarten sind.

Johannes Geyer

Stellvertretender Abteilungsleiter in der Abteilung Staat



JEL-Classification: D14;D31;E27
Keywords: Betriebliche Altersvorsorge, Entgeltumwandlung, Einkommensverteilung

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