Direkt zum Inhalt

Es braucht Aufklärung, damit mehr Menschen mit Künstlicher Intelligenz arbeiten können: Interview

DIW Wochenbericht 48 / 2021, S. 790

Alexandra Fedorets, Erich Wittenberg

get_appDownload (PDF  99 KB)

get_appGesamtausgabe/ Whole Issue (PDF  2.76 MB)

Frau Fedorets, inwieweit sind KI-basierte Systeme im Arbeitsalltag bereits Realität und inwieweit Zukunftsmusik? KI-basierte Systeme sind schon viel mehr Realität, als viele von uns vermuten. Das Erkennen und Bearbeiten von Sprache, Bildern und Text, aber auch Chat-Bots wären ein Beispiel dafür. Allerdings ist die Datengrundlage zur Beantwortung dieser Frage noch recht dünn. Mit unserem Projekt zusammen mit der Technischen Universität Berlin möchten wir diese Lücke ein Stück weit schließen und haben für das Sozio-oekonomische Panel ein Datenmodul entwickelt, mit dem wir Erwerbstätige fragen, inwieweit sie KI-basierte Systeme bereits benutzen.

Ist der Begriff KI überhaupt einheitlich definiert? In Fachkreisen unterscheidet man vor allem zwischen starker KI und schwacher KI. Die starke KI ist eine Zukunftsvision von einer Maschine, die ihr eigenes Bewusstsein hat und sogar dem menschlichen Intellekt überlegen ist. Schwache KI ist das, was wir schon in der Realität betrachten, also Algorithmen beziehungsweise Softwarefunktionen, die einzelne Tätigkeiten von Menschen, beispielsweise Spracherkennung, bereits ausführen können. In der breiten Öffentlichkeit allerdings ist die Wahrnehmung der KI viel mehr von Zukunftsbildern einer starken KI geprägt als von den alltäglichen Anwendungen.

Inwieweit ist den Erwerbstätigen die Benutzung von KI-basierten Systemen bewusst? Es ist Erwerbstätigen nicht immer bewusst, dass sie KI-basierte Systeme in ihrer Arbeit bereits benutzen. Das machen wir fest an dem Vergleich von zwei Fragen. Zum einen fragen wir Erwerbstätige direkt, ob sie KI- beziehungsweise Machine Learning-Systeme in ihrem Arbeitsalltag benutzen. Auf diese Frage antworten ungefähr 20 Prozent der Befragten: Ja, das tun sie. Wenn wir allerdings eine indirekte Frage stellen und nach einzelnen bereits existierenden Anwendungen wie zum Beispiel Sprach- oder Bilderkennung fragen, ohne aber den Begriff KI zu nutzen, stellen wir fest, dass bereits fast 40 Prozent der Erwerbstätigen solche KI-basierten Systeme täglich benutzen.

Könnten KI-basierte Systeme in Zukunft tatsächlich die menschliche Arbeitskraft ersetzen? KI-basierte Systeme werden dafür entwickelt, um einige Aufgaben, die Menschen erledigen können, zu ersetzen. Gleichzeitig muss man sich natürlich fragen: Ist es sinnvoll, alles, was zum Beispiel mit Spracherkennung zu tun hat, mit einer Maschine zu erledigen? Da ist die Antwort natürlich nein. Vieles, was KI-basierte Systeme theoretisch machen könnten, wird nicht realisiert, aus technologischen, wirtschaftlichen, sozialen und ethischen Gründen. KI-basierte Systeme werden einen Teil der Aufgaben übernehmen, aber bei weitem nicht alles.

Sind die Preise für KI-Technologien oft noch teurer als menschliche Arbeitskräfte? Tatsächlich sind Preise für Technologie ein wichtiger Faktor, der oft übersehen wird, aber es gibt auch andere Hürden, warum KI-basierte Systeme nicht überall vorkommen und Menschen immer noch bestimmte Aufgaben erledigen, zum Beispiel weil einige Aufgaben so komplex sind, dass die Technik überhaupt noch nicht fähig ist, diese Aufgaben zu erledigen.

Welche Bedeutung haben Ihre Ergebnisse für künftige digital-politische Entscheidungen? Zum einen wollen wir dafür sensibilisieren, dass Befragungen zur Nutzung von KI-Technologien davon abhängig sind, wen man fragt und wie man fragt. Zum anderen sehen wir, dass es vielen Erwerbstätigen nicht bewusst ist, dass sie bereits erfolgreich mit KI-basierten Systemen arbeiten. Wenn KI-Technologien noch weiter verbreitet werden, braucht es mehr Aufklärung, aber auch Weiterbildungen, damit mehr Menschen mit dieser Technologie arbeiten können und nicht von ihr verdrängt werden.

Das Gespräch führte Erich Wittenberg.

O-Ton von Alexandra Fedorets
Es braucht Aufklärung, damit mehr Menschen mit Künstlicher Intelligenz arbeiten können - Interview mit Alexandra Fedorets

Alexandra Fedorets

Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Infrastruktureinrichtung Sozio-oekonomisches Panel

keyboard_arrow_up