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Haushaltsnettoeinkommen steigen seit 1995 um 26 Prozent – Ungleichheit stagniert

Pressemitteilung vom 9. Juni 2022

Langfristig legen Löhne, Renten und Einkommen inflationsbereinigt seit 1995 zu – Bei Vollzeitbeschäftigten doppelt so starke Lohnzuwächse wie bei allen Beschäftigten – Ungleichheit sinkt bei Löhnen und stagniert bei verfügbaren Einkommen – Maßnahmen zum Inflationsausgleich sollten zielgerichteter untere Einkommensgruppen berücksichtigen

In den vergangenen 25 Jahren sind sowohl Löhne und Renten als auch die Haushaltsnettoeinkommen preisbereinigt gestiegen. Die Ungleichheit bei den Löhnen ist seit rund zehn Jahren deutlich gefallen, bei den verfügbaren Einkommen liegt sie weiterhin auf dem Niveau von 2005. Dies sind die wichtigsten Ergebnisse einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), die auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) jährlich die Einkommensentwicklung untersucht. Studienautor Markus M. Grabka legt in diesem Jahr den Fokus auf die langfristige Entwicklung von 1995 bis zur Corona-Pandemie.

Die Entwicklung lässt sich in drei Phasen unterteilen: Nach einer Stagnation von 1995 bis 2003, gefolgt von einer Zeit des Abschwungs, sind seit 2013 bis zur Corona-Pandemie die Bruttostunden- und Monatslöhne kräftig gestiegen: über den gesamten Zeitraum bei allen Beschäftigten im Schnitt um zehn Prozent, bei den Vollzeitbeschäftigten sogar um das Doppelte. „Diese unterschiedliche Entwicklung ist vor allem der vermehrten Teilzeitarbeit und der gestiegenen Zahl von Minijobs geschuldet“, sagt Studienautor Grabka.

„Es ist erfreulich, dass die Lohnungleichheit in den vergangenen zehn Jahren real wieder deutlich gesunken ist. Die hohe Inflation könnte diesen Trend nun umkehren.“ Markus M. Grabka

Die positive Entwicklung der Löhne schlägt sich auch in den Haushaltsnettoeinkommen nieder, die seit 1995 um 26 Prozent zugelegt haben. Die Renten der Gesetzlichen Rentenversicherung, neben der Erwerbstätigkeit die zweitwichtigste Einkommensquelle, haben sich ähnlich entwickelt: Seit 1995 haben sie um acht Prozent zugelegt, seit 2013 sogar um knapp 20 Prozent.

Ungleichheit teils gesunken, teils stagniert

Auf die Ungleichheit hat sich dies aber sehr unterschiedlich ausgewirkt. Während die Ungleichheit der Stundenlöhne fast wieder so niedrig ist wie zu Beginn der 2000er Jahre, liegt sie bei den Bruttomonatslöhne noch deutlich über dem Niveau von vor 25 Jahren, auch wenn sie in den letzten Jahren stark gefallen ist: 1995 hat der obere Rand der Lohnverteilung monatlich noch das gut Vierfache des unteren Randes verdient; 2020 war es gut das Siebenfache – nach dem Elffachen im Jahr 2011. „Es ist erfreulich, dass die Lohnungleichheit in den vergangenen zehn Jahren wieder deutlich gesunken ist“, meint Grabka. Dies sei auch der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns zu verdanken.

Bei den Haushaltsnettoeinkommen haben alle Dezile gemessen an 1995 zugelegt: das unterste Dezil aber nur rund fünf Prozent, die mittleren Dezile etwa 25 Prozent und das oberste mehr als 40 Prozent. Die Ungleichheit, die in den ersten Jahren nach der Jahrtausendwende stark stieg, stagniert zwar seit ein paar Jahren, liegt aber immer noch auf dem Niveau von 2005.

Maßnahmen zum Inflationsausgleich zielgerichteter gestalten

Wie sich die Corona-Pandemie auf Löhne, Einkommen und deren Ungleichheit auswirkt, ist bisher nur unvollständig erfasst. Die aktuelle Haushaltsbefragung war bis zur Corona-Pandemie schon zur Hälfte abgeschlossen. Vorläufige Stichproben lassen vermuten, dass die Pandemie die Ungleichheit der Haushaltsnettoeinkommen bisher nicht erhöht hat. Die Auswirkungen der stark gestiegenen Inflation lassen aber eine größere Belastung von unteren und mittleren Einkommensbeziehern erwarten.

 „Die von der Bundesregierung beschlossene Energiepreispauschale ist als Entlastungsmaßnahme zu begrüßen“, sagt Grabka. Da diese aber nur für alle aktiv tätigen Erwerbspersonen gewährt werde, dürften andere Haushalte, die von dieser Maßnahme ausgeschlossen sind, nicht aus dem Blick geraten, wie RentnerInnen oder auch Studierende. „Für diese Gruppen sollten daher andere Instrumente einer finanziellen Unterstützung gefunden werden“, gibt Grabka zu bedenken.

 

 

Links

  • Studie im DIW Wochenbericht 23/2022
  • Infografik in hoher Auflösung (JPG, 2.23 MB)
  • Interview mit Studienautor Markus M. Grabka
  • O-Ton von Markus M. Grabka
    Die Haushaltsnettoeinkommen sind seit 1995 bis zur Pandemie im Schnitt um 26 Prozent gestiegen - Interview mit Markus Grabka
Markus M. Grabka

Direktorium SOEP und kommissarische Bereichsleitung Wissenstransfer in der Infrastruktureinrichtung Sozio-oekonomisches Panel

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