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Ampel-Monitor Energiewende #1: Der Stand der Dinge am 6. Juli 2022

Blogbeitrag vom 6. Juli 2022

Von Wolf-Peter Schill und Alexander Roth

Diese Seite gibt einen kurzen Überblick über den aktuellen Stand aller im Ampel-Monitor Energiewende enthaltenen Indikatoren. Nähere methodische Erläuterungen sowie Datenquellen finden sich auf der Homepage des Ampel-Monitors sowie den einführenden DIW-Wochenbericht 27/2022. Alle zugrunde liegenden Daten sind zudem im Open Energy Tracker verfügbar und werden dort auch regelmäßig aktualisiert.

Die Abbildungen sind für die Ansicht auf einem Computerbildschirm optimiert. Wir arbeiten daran, auch adäquate Auflösungen für die Ansicht auf Mobiltelefonen bereitzustellen.

Stand der Dinge und Ausbaugeschwindigkeit bei wichtigen Indikatoren mit Blick auf 2030

Bei praktisch allen wichtigen Indikatoren besteht eine große Lücke zwischen dem aktuellen Stand und den Regierungszielen für das Jahr 2030. Die Lücke ist bei grünem Wasserstoff und im Bereich der Pkw-Elektromobilität am größten, gefolgt vom Ausbau der Windkraft auf See und der Photovoltaik sowie der Wärmepumpen.

Für solche Indikatoren, bei denen Monatsdaten vorliegen, kann das Ausbautempo im Trend der letzten zwölf verfügbaren Monate mit der Geschwindigkeit verglichen werden, die zum Erreichen der 2030-Ziele erforderlich ist. Das aktuelle Ausbautempo der Windkraft an Land beträgt nur ca. ein Viertel dessen was nötig wäre, und bei der Windkraft auf See gab es zuletzt gar keinen Zubau. Die Photovoltaik muss ihr Ausbautempo ungefähr verdreifachen. Bei batterieelektrischen Pkw und den Ladpunkten beträgt das Tempo derzeit nur ca. ein Fünftel bzw. ein Siebtel dessen, was nötig wäre.

© DIW Berlin

Erneuerbare Stromerzeugung: Photovoltaik

Im April 2022 war eine Photovoltaik-Leistung von 61,1 GW installiert. Das Ziel im Jahr 2030 sind 215 GW. Im Trend der vergangenen zwölf Monate kamen nur 0,45 GW/Monat dazu, zur Zielerreichung müssen es ab sofort im Durchschnitt bis zum Jahr 2030 1,48 GW/Monat sein.

© DIW Berlin

Erneuerbare Stromerzeugung: Windkraft an Land

Im April 2022 war bei der Windkraft an Land eine Leistung von 56,5 GW installiert. Das Ziel im Jahr 2030 sind 115 GW. Im Trend der vergangenen zwölf Monate kamen nur 0,13 GW/Monat dazu, zur Zielerreichung müssen es ab sofort im Durchschnitt bis zum Jahr 2030 0,56 GW/Monat sein.

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Erneuerbare Stromerzeugung: Anteil der für Windkraftanlagen ausgewiesenen Landesfläche

Für die Nutzung der Windenergie an Land waren im Jahr 2021 0,8 Prozent der Landesfläche ausgewiesen. Ziel der Ampelkoalition ist ein Anteil von 1,4 Prozent bis Ende des Jahres 2026 und ein Anteil von 2,0 Prozent bis Ende 2032.

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Erneuerbare Stromerzeugung: Windkraft auf See

Im April 2022 war bei der Windkraft auf See eine Leistung von 7,8 GW installiert. Das Ziel im Jahr 2030 sind 30 GW. Im Trend der vergangenen zwölf Monate kamen 0 GW/Monat dazu, zur Zielerreichung müssen es ab sofort im Durchschnitt bis zum Jahr 2030 0,21 GW/Monat sein.

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Erneuerbare Stromerzeugung: Anteil erneuerbarer Energien im Stromsektor

Der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch (BSV) betrug im Jahr 2021 41,9 Prozent, bis zum Jahr 2030 soll er auf 80 Prozent steigen. Im Trend der Jahre 2017-2021 ist der Anteil um 2,0 Prozentpunkte/Jahr gestiegen, zur Erreichung des 2030-Ziels muss er um durchschnittlich 4,2 Prozentpunkte/Jahr wachsen.

Für den Anteil erneuerbarer Energien an der Nettostromerzeugung (NSE) stehen regelmäßig aktuellere Daten zur Verfügung, er kann also als eine Art Frühindikator betrachtet für den Anteil am BSV verwendet werden. Derzeit liegt der Anteil erneuerbarer Energien an der NSE bei 51,6 Prozent und damit über dem Wert des Jahres 2020.

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Erneuerbare Wärme: Bestand an Wärmepumpen

Im Jahr 2021 waren rund 1,4 Millionen Wärmepumpen installiert. Das Ziel im Jahr 2030 sind rund 5 Millionen. Im Trend der Jahre 2017-2021 kamen gut 0,1 Millionen/Jahr dazu, zur Zielerreichung müssen es ab sofort im Durchschnitt bis zum Jahr 2030 0,4 Millionen/Jahr sein.

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Erneuerbare Wärme: Anteil am Endenergieverbrauch für Wärme

Der Anteil erneuerbarer Energien am Endenergieverbrauch für Wärme und Kälte betrug im Jahr 2021 16,5 Prozent, bis zum Jahr 2030 soll er auf 50 Prozent steigen (bzw. die Ampelkoalition spricht von "klimaneutraler" Wärme, was hier mit erneuerbarer Wärme gleichgesetzt wird). Im Trend der Jahre 2017-2021 ist der Anteil nur um 0,5 Prozentpunkte/Jahr gestiegen, zur Erreichung des 2030-Ziels muss er um durchschnittlich um knapp 3,7 Prozentpunkte/Jahr wachsen.

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Elektromobilität: Bestand batterieelektrischer Pkw

Im Juni 2022 waren 0,77 Millionen batterieelektrische Pkw vorhanden. Das Ziel im Jahr 2030 sind 15 Millionen. Im Trend der vergangenen zwölf Monate kamen nur knapp 0,03 Millionen Pkw/Monat dazu, zur Zielerreichung müssen es ab sofort im Durchschnitt bis zum Jahr 2030 0,14 Millionen Pkw/Monat sein.

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Elektromobilität: Anteil batterieelektrischer Pkw an den monatlichen Neuzulassungen

Die Abbildung zeigt die Anteile von rein batterieelektrischen Pkw (sowie ergänzend auch von Plug-in-Hybriden) an den monatlichen Neuzulassungen. Hierfür hat die Ampelkoalition zwar kein spezifischen Ziel formuliert; dieser Indikator verdeutlicht die Dynamik des Geschehens jedoch besser als der oben gezeigte Bestandsindikator. Zuletzt stagnierte der Anteil batterieelektrischer Pkw bei rund 14 Prozent.

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Elektromobilität: Öffentliche Ladepunkte

Im Mai 2022 waren 62.000 öffentlich zugängliche Ladepunkte in Betrieb (davon rund 9.400 Schnellladepunkte und 52.600 Normalladepunkte). Ihre Zahl soll bis zum Jahr 2030 auf 1 Million wachsen. Im Trend der vergangenen zwölf Monate kamen nur gut 1.200 Ladepunkte/Monat dazu, zur Zielerreichung müssen es ab sofort im Durchschnitt bis zum Jahr 2030 9.100 Millionen Ladepunkte/Monat sein.

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Elektromobilität: Batterieelektrischer Pkw pro öffentlichem Ladepunkt

Die Abbildung zeigt das Verhältnis von batterieelektrischen Pkw und öffentlich zugänglichen Ladepunkten. Hierfür hat die Ampelkoalition kein explizites Ziel formuliert. Aus den Bestands- und Ladeinfrastrukturzielen für 2030 ergibt sich ein Wert von 15 batterieelektrischen Pkw pro Ladepunkt, wobei die Aufteilung auf Schnell- und Normalladepunkte unklar ist. Derzeit teilen sich knapp 12 Elektro-Pkw einen öffentlichen Ladepunkt. Betrachtet man nur die Schnellladepunkte, liegt das Verhältnis derzeit etwas unter 80 Elektro-Pkw pro Schnelllader.

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Elektromobilität: Elektrifizierter Anteil des Schienennetzes

Im Jahr 2021 waren 61,7 Prozent des bundeseigenen Schienennetzes elektrifiziert. Das Ziel im Jahr 2030 sind 75 Prozent. Im Trend der Jahre 2017-2021 kamen knapp 0,3 Prozentpunkte/Jahr dazu, zur Zielerreichung müssen es im Durchschnitt bis zum Jahr 2030 knapp 1,5 Prozentpunkte/Jahr sein.

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Wasserstoff: Installierte Leistung Elektrolyse

Im Oktober 2021 waren lediglich 61 MW Elektrolyseleistung in Betrieb. Das Ziel im Jahr 2030 sind 10 GW (d.h. 10.000 MW). Zur Zielerreichung müssen im Durchschnitt bis zum Jahr 2030 etwa 90 MW/Monat zugebaut werden.

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Energieverbrauch: Monatliche Netto-Erdgasimporte nach Deutschland

Im Unterabschnitt zu Gas und Wasserstoff enthält der Koalitionsvertrag die Aussage: "Wir wollen die Energieversorgung für Deutschland und Europa diversifizieren." Ein quantitatives Ziel wird dabei nicht genannt. Spätestens nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 ist aber klar, dass insbesondere die Abhängigkeit von russischen Erdgasimporten schnell reduziert werden soll. Diese ist in den letzten Jahren allerdings deutlich gewachsen. Direkte (via Nord Stream 1) und indirekte (via Polen) Gasimporte aus Russland lagen seit 2018 meist in der gleichen Größenordnung wie die gesamten Netto-Erdgasimporte. Zu beachten ist dabei, dass Deutschland auch ein ein Gas-Transitland ist. Insbesondere fließt seit 2014 regelmäßig Gas nach Tschechien.

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Energieverbrauch: Fossiler Primärenergieverbrauch

Im Koalitionsvertrag wird an mehreren Stellen das Ziel der Klimaneutralität bis zum Jahr 2045 genannt; zudem soll die Energieinfrastruktur über das Jahr 2045 hinaus nur noch mit nicht-fossilen Brennstoffen betrieben werden dürfen. Daraus lässt sich ableiten, dass die Ampelkoalition eine vollständige Beendigung der Nutzung fossiler Primärenergieträger bis zum Jahr 2045 avisiert. Ein genauer Zeitpfad ist hierfür nicht spezifiziert. Der Verbrauch von Mineralöl, Braunkohle und Steinkohle war jedoch im Trend der letzten Jahre deutlich rückläufig. Dagegen hat sich der Verbrauch von Erdgas kaum verringert, wobei es deutliche jährliche Schwankungen gab. Im Jahr 2021 betrug der Verbrauch fossiler Primärenergie insgesamt noch knapp 2600 TWh. Unter der Annahme eines linearen Reduktionspfads müsste er bis zum Jahr 2030 um knapp 40 Prozent auf gut 1600 TWh sinken.

© DIW Berlin

Wolf-Peter Schill
Wolf-Peter Schill

Leiter des Forschungsbereichs „Transformation der Energiewirtschaft“ in der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt

Alexander Roth
Alexander Roth

Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt

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