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Die Zeit ist zu knapp für weitere Fake-Klimakonferenzen: Kommentar

DIW Wochenbericht 50 / 2023, S. 750

Claudia Kemfert

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Die 28. Weltklimakonferenz ist zwar mit einem Coup gestartet, aber recht enttäuschend zu Ende gegangen. Die Abschlusserklärung ist reines Greenwashing. Eine Abkehr von fossilen Energien zu empfehlen, statt einen Ausstieg zu fordern ist ein Minimalkompromiss, der viele Hintertüren offen lässt. Was über die Jahre immer deutlicher zutage tritt, sind die diametralen Interessen der Akteur*innen. Auf der einen Seite rufen Klimaforschende immer verzweifelter zu mehr Klimaschutz auf. Auf der anderen Seite verschaffen sich Anbieter fossiler Energien Gehör, die effektiven Klimaschutz verhindern.

Die Forschungsergebnisse sind alarmierend. Der Planet heizt sich schneller auf als erwartet. Die Oberflächentemperatur bewegt sich auf über drei Grad globaler Erwärmung zu, was enorme Veränderungen nach sich ziehen wird. Ganze Regionen werden für Menschen unbewohnbar. Die Klimawissenschaft beschreibt die Entwicklungen mit dramatischen Worten: immer heißer werdende Regionen und massenhaftes Artensterben. Und sie mahnen massive Klimaschutzmaßnahmen an.

Die Vertreter fossiler Energien hingegen haben eigentlich nichts am Verhandlungstisch zu suchen. Schlimmer noch, sie bestimmen das Geschehen, indem sie den Eindruck erwecken, man sorge sich um das Klima und wolle Kompromisse finden. Doch leider ist das alles nicht mehr als reines Greenwashing. Allein schon die Tatsache, dass die Klimakonferenz in einem heißen Ölstaat stattfindet, der durch fossile Energien Wohlstand aufgebaut hat und weiter aufbauen will, zeugt davon. Mehr kognitive Dissonanz geht nicht.

So wird den Teilnehmenden in Dubai wohlklimatisiert der Eindruck vermittelt, die Welt sei auch so in Ordnung. Von Ausstieg aus fossiler Energie keine Spur. Ganz bewusst wurde von Anfang an der Begriff emissionsfrei statt fossilfrei gewählt. Dies bedeutet, dass weiterhin fossile Energien verbrannt werden, das CO2 aber abgeschieden und eingelagert oder wieder verwertet werden soll. Die Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid, das sogenannte CCS, ist aber lediglich ein Mythos. Man erinnere sich an Genehmigungen für deutsche Kohlekraftwerke, die angeblich „CCS ready“ waren. Derartige Kohlekraftwerke sind mittlerweile abgestellt. CCS ist weder technisch noch ökonomisch möglich.

Der Coup zu Beginn der Klimakonferenz klang erst einmal vielversprechend: Die Vereinigten Arabischen Emirate und Deutschland haben mit je 100 Millionen Dollar den schon lange geforderten Loss-and-Damage-Fonds auf den Weg gebracht, mit dem ärmere Staaten für durch den Klimawandel entstandene Schäden entschädigt werden sollen. Andere Staaten sind nachgezogen, so dass nun insgesamt an die 700 Millionen Dollar in trockenen Tüchern zu sein scheinen. Klingt viel, wird aber nicht ausreichen. Mehr als 100 Milliarden Euro, also das Tausendfache dessen, was die Emirate nun in den Fonds einzahlen, verdienen sie pro Jahr an ihren Energieexporten, ähnlich sieht es in Kuwait und Katar aus. Ein echter Coup des COP-Präsidenten, der auch Industrieminister der VAE und Vorstandschef der staatlichen Ölgesellschaft ist, wäre es gewesen, wenn die großen Ölproduzenten freiwillig einen Teil der Einnahmen zur Begleichung der Klimaschäden bereitstellten. Damit würden die Verursacher für die Schäden zahlen, die sie angerichtet haben. Das wäre fair, aber kaum durchsetzbar. Da wird lieber der durch Öl erworbene Reichtum zur Schau gestellt, werden lieber Klimawandel und Menschenrechtsverletzungen unter den Teppich gekehrt.

Zwar lassen sich Marktentwicklungen nicht aufhalten. Erneuerbare Energien und Elektromobilität boomen. Die angestrebte Verdreifachung bis 2030 klingt gut, auch wenn deutlich mehr drin wäre. Für wirklichen Klimaschutz brauchen wir aber ernstzunehmende Beschlüsse ohne Hintertüren – und werden uns weiter gedulden müssen. Die nächste Klimakonferenz wird in Aserbaidschan stattfinden. Ebenfalls ein Staat, der von Öl- und Gasexporten abhängt. Derartige Konferenzen sollten an Orten stattfinden, wo fossile Interessenkonflikte ausgeschlossen sind. Mehr Fake-Klimakonferenzen können wir uns nicht leisten.

Der Beitrag ist am 12. Dezember bei Focus Online Earth erschienen und wurde am 13. Dezember aktualisiert.

Claudia Kemfert

Abteilungsleiterin in der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt

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