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Davos kann zum historischen Erfolg werden - wenn es diese eine Chance ergreift

Medienbeitrag vom 17. Januar 2024

Viel versprochen, wenig gehalten: Die Geschichte des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos ist auch eine der leeren Absichtserklärungen. In diesem Jahr bietet sich dem WEF in Davos aber eine historische Chance, urteilt Ökonomin Claudia Kemfert - sie muss sie nur ergreifen.

Das kommende Weltwirtschaftsforum ist das 54. Treffen von namhaften Regierungs- und Wirtschaftsvertretern in der Welt. Über 60 Staats- und Regierungschefs und über 800 CEOs, die wichtigsten Firmenlenker der Welt werden in Davos beim WEF zugegen sein. Die EU-Präsidentin und der UN-Generalsekretär und viele Staatenlenker werden da sein. Auf der Webseite des WEF wird die historische Bedeutung des Forums gepriesen: In Davos hätten Griechenland und die Türkei ihre Feindschaft beendet und Helmut Kohl und Hans Modrow die deutsche Wiedervereinigung verhandelt. Wie historisch also könnte das diesjährige, das 54. Weltwirtschaftsforum werden?

Selten waren die globalen Bedingungen so unsicher wie jetzt. Militärische Auseinandersetzungen, Angriffe auf Demokratie und Freiheit nehmen in besorgniserregender Art und Weise zu. Der WEF-Risikobericht zeigt auch dieses Jahr, dass neben Desinformation und soziale Polarisierungen vor allem die Klimarisiken und die damit verbundenen Schäden die größten Risiken und Gefahren darstellen.

Dieser Gastbeitrag von Claudia Kemfert erschien am 17. Januar 2024 im Focus.

Und die Schäden durch Klimawandel nehmen immer weiter zu. Auf 277 Milliarden Dollar summierten sich laut Rückversicherer Munich Re die weltweiten Schäden durch Naturkatastrophen im letzten Jahr. Der längerfristige Trend zeigt nach oben. Rund 200 der weltweit größten Unternehmen beziffern ihre Geschäftsrisiken durch den Klimawandel auf insgesamt knapp eine Billion Dollar. Würde die Unternehmen dieses Geld in Klimaschutz investieren, würden nicht nur Schäden vermieden, sondern enorme Renditen erwirtschaftet werden können. Klimaschutz zahlt sich aus, das wissen wir seit Jahrzehnten. Dennoch sind wir nicht auf dem richtigen Pfad.

Die 100 weltgrößten Unternehmen sind seit 1988 für mehr als 70 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich.  Global agierende Finanzinstitute haben seit dem Pariser Klimaabkommen mehr als 1,4 Milliarden Dollar in fossile Brennstoffe investiert.  Die jüngst veröffentlichte Studie von Oxfam zeigt, dass die Top 5 Milliardäre ihr Vermögen in den letzten Jahren verdoppeln konnten. Die Kluft zwischen Arm und Reich steigt weiter an, soziale Unruhen nehmen weiter zu und gefährden so die Demokratie.

Kluge Ziele, wenige Taten

Bisher wurden in Davos stets viele gute und auch kluge Ziele formuliert. Umgesetzt davon wurde bisher wenig. Man hat sich Nachhaltigkeitszielen bekannt- man bekennt sich noch immer. Wenn sie bisher beherzt integriert und gelebt worden wären, hätten wir keine Armut und Hunger in der Welt, überall ausreichende Bildung, eine menschenwürdige Arbeit sowie sauberes Wasser und Energie. Klimaschutz würde überall umgesetzt werden. Es sollte so weniger Ungleichheiten geben, eine nachhaltige Produktion und Konsum, ausreichende Infrastruktur und Digitalisierung. All das würde Wohlergehen und Gesundheit für alle Menschen und Tiere schaffen. Es gäbe kein Artensterben, Mensch und Planet wären gesund. All das schafft Frieden auf der Welt.

Selten war somit die Diskrepanz zwischen notwendigen Zielen, zwischen Worten und der realen Umsetzung so groß. Und die Schere wird immer größer. Alle wichtigsten Akteure werden in Davos vor Ort sein, um einen echten Wandel hervorbringen zu können. Einen U-Turn. Sie könnten, wenn sie wollten. Unternehmen tragen Verantwortung. Und viele haben gute und wichtige Ambitionen und Ziele. An sie sollte appelliert werden, einen echten Wandel hervorzubringen.

Leuchtendes Signal

Bestes Beispiel ist der globale Ausbau erneuerbarer Energien, der nun endlich vorangeht. Viele Staaten profitieren, sodass die Barrieren sinken. Sie rechnen sich am internationalen Markt, trotz vieler Verhinderungsstrategien. Was für ein leuchtendes Signal könnte von Davos ausgehen, wenn alle Staatenlenker sich dazu verpflichten, verbindlichen Ziele beim Ausbau erneuerbarer Energien zu vereinbaren.

Unternehmen können enorm profitieren, wenn sie statt in fossile in erneuerbare Energien investieren. Und Frieden und Freiheit schaffen. Und so gleichzeitig Desinformationskampagnen, soziale Polarisierungen und Kriege, die mit fossilem Kapital finanziert werden, beenden. Schaffen wir endlich den Wandel? Es ist allerhöchste Zeit.

Themen: Klimapolitik

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