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Kurzarbeit in Corona-Pandemie hat geschlechtsspezifische Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt nicht verstärkt

Pressemitteilung vom 4. März 2024

Frauen in Corona-Zeit häufiger in Kurzarbeit als in früheren Krisen – Ungleichheiten auf Arbeitsmarkt dennoch nicht größer geworden – Sowohl kurzarbeitende Frauen als auch Männer ein Jahr später nicht häufiger arbeitslos, allerdings mit etwas geringerem Lohnplus – Kurzarbeit effektives Instrument zur Beschäftigungssicherung

Um den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie zu begegnen, war in Deutschland Kurzarbeit eines der wichtigsten Instrumente: 3,6 Millionen Beschäftigte pro Monat waren hierzulande von März 2020 bis März 2021 im Durchschnitt in Kurzarbeit. Der Frauenanteil unter diesen Beschäftigten betrug 46 Prozent – deutlich mehr als beispielsweise während der Finanzkrise, denn in der Corona-Zeit waren vor allem Dienstleistungsbereiche, in denen mehrheitlich Frauen arbeiten, von Einschränkungen betroffen. Eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) zeigt jetzt: Dennoch haben sich geschlechtsspezifische Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt durch Kurzarbeit während der Corona-Pandemie nicht verstärkt. Sowohl Frauen als auch Männer waren ein Jahr später nicht häufiger arbeitslos oder in geringerem Umfang erwerbstätig als Beschäftigte, die nicht in Kurzarbeit mussten. Lediglich bei der Lohnentwicklung mussten sie Abstriche machen: Bei Frauen und Männern ohne Kurzarbeit zu Pandemiebeginn sind die Stundenlöhne im Jahr darauf etwas stärker gestiegen.

© DIW Berlin

„Kurzarbeit war auch in der Corona-Pandemie ein wirksames Instrument, um die Folgen des Wirtschaftseinbruchs auf dem Arbeitsmarkt einzudämmen“, resümiert Clara Schäper aus der Forschungsgruppe Gender Economics im DIW Berlin, die für die Studie gemeinsam mit Forschungsgruppenleiterin Katharina Wrohlich Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) ausgewertet hat. „Frauen, die im Vergleich zur Finanzkrise deutlich häufiger in Kurzarbeit mussten, erlebten auch im Vergleich zu Männern keine größeren Einschnitte in ihre Erwerbsbiografie“, so Wrohlich.

Da Kurzarbeit allerdings nur bei sozialversicherungspflichtig Beschäftigten möglich ist, kamen andere Beschäftigte während der Corona-Pandemie deutlich schlechter weg. Das gilt neben Selbstständigen zum Beispiel für Personen mit Minijobs, unter denen viele Frauen besonders von den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie betroffen waren. Nicht nur hinsichtlich einer möglichen Inanspruchnahme von Kurzarbeit, sondern auch mit Blick auf geschlechtsspezifische Unterschiede wie den Gender Pay Gap und den Gender Care Gap seien Minijobs heikel, so die Studienautorinnen. „Es wäre insgesamt ratsam, die Minijobs so zu reformieren, dass es weniger davon gibt und stattdessen mehr Frauen in regulärer sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung sind.“

Katharina Wrohlich

Leiterin in der Forschungsgruppe Gender Economics

Clara Schäper

Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Forschungsgruppe Gender Economics

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