„Man schaut, was man hat und berechnet, was man kann“

Wie entsteht eigentlich die Zahl, über die später die gesamte Haushaltsplanung des Staates verhandelt wird? In dieser Podcastfolge von Wirtschaft bewegt – 100 Jahre DIW Berlin erklärt Kristina van Deuverden, Finanzexpertin am DIW Berlin, wie der Staat seine Einnahmen berechnet – und warum diese Arbeit so entscheidend ist.

O-Ton von Kristina van Deuverden
Wie funktioniert die Steuerschätzung? - DIW-Finanzexpertin im Podcast

Wie der Arbeitskreis Steuerschätzungen arbeitet

Der Bund, die Länder, Forschungsinstitute, der Deutsche Städtetag, das Statistische Bundesamt, der Sachverständigenrat und die Bundesbank – sie alle sitzen zweimal im Jahr zusammen, um die Steuereinnahmen des Staates zu prognostizieren. Van Deuverden beschreibt detailliert, wie aufwändig die Vorbereitung ist und wie die Sitzungen des Arbeitskreises ablaufen, in dem van Deuverden etliche Jahre Mitglied war. „Es ist wirklich ein sehr konsensorientierter Arbeitskreis, man ist darauf fokussiert, eine belastbare Schätzung zu machen“, berichtet van Deuverden von der Arbeit des Arbeitskreises Steuerschätzungen.

DIW-Finanzexpertin Kristina van Deuverden (rechts) im Gespräch mit Podcasthost Erich Wittenberg.
© DIW Berlin

Warum Prognosen nie perfekt sind

Steuerschätzung sei sicher keine Wahrsagerei, erklärt die Finanzexpertin in der Podcastfolge.  Aber Unsicherheiten gehörten dazu. Wirtschaftliche Entwicklungen, geopolitische Krisen, unvorhersehbare Ereignisse – all das beeinflusst die tatsächliche Entwicklung stark. Van Deuverden erinnert an Fehleinschätzungen während der Finanzkrise, der Corona-Pandemie und in anderen Ausnahmesituationen.

Die Arbeit des Arbeitskreises hat international einen hervorragenden Ruf. Van Deuverden berichtet von Projekten in Vietnam, China und Afrika. Dort gehe es nicht nur um Methodik, sondern auch um institutionelle Zusammenarbeit.

Frauen in der Steuerwelt – und was sich verändert

Auch über ihre Erfahrungen als Frau in einem von Männern dominierten Bereich spricht van Deuverden in der Podcastfolge. Als sie 1998 in den Arbeitskreis eintrat, waren nur drei bis vier Frauen vertreten. Heute verändert sich das langsam – ob dauerhaft, bleibt abzuwarten.

Am Ende wird es politisch: Welche drei steuerpolitischen Reformen würde van Deuverden sofort umsetzen? Die Antworten reichen vom Ende des Ehegattensplittings über eine umfassende Reform der Erbschaftsteuer bis zur Reform der Gewerbesteuer für Kommunen.

Ein inhaltlich dichtes Gespräch, das zeigt, wie viel Expertise, Abstimmung und Verantwortung hinter einer Zahl steht, die den Staatshaushalt trägt. Oder wie van Deuverden selbst es formuliert: „Ich muss wissen, welchen Spielraum habe ich denn? Was kann ich denn überhaupt tun?“

Downloads

100 JAHRE DIW BERLIN IN FÜNF EPOCHEN

keyboard_arrow_up