DIW-Wärmemonitor – ein Rückblick auf die Forschung zum Thema Heizenergieverbrauch im Gebäudesektor

Seit mehr als zehn Jahren veröffentlicht das DIW Berlin jedes Jahr einen Überblick darüber, wie sich der Heizenergieverbrauch von Gebäuden in Deutschland entwickelt: den DIW-Wärmemonitor. Denn der Gebäudesektor ist einer der wichtigsten Sektoren für die Dekarbonisierung der deutschen Wirtschaft – in den letzten Jahren hat der Sektor die Emissionsziele jedoch nicht erreicht. Er ist laut aktuellem Bericht Treibhausgas Projektionen des Umweltbundesamtes eines der Sorgenkinder auf dem Weg zur klimaneutralen Wirtschaft. Dies bestätigt auch der Expertenrat für Klimafragen in seinem aktuellen Prüfbericht zur Berechnung der deutschen Treibhausgasemissionen. Im Jahr 2024 lagen die Gesamtemissionen des Gebäudesektors bei 100,5 Mio. Tonnen CO2-Äquivalent (t CO2-Äq.). Das ist zwar ein Rückgang von 2,3 Prozent gegenüber 2023, aber der Rückgang ist zu klein, um die Ziele zu erreichen: Laut Klimaschutzgesetz (KSG- Novelle 2021) war nur ein Ausstoß von 97 Mio. t CO2-Äq. vorgesehen.

Im Jahr 2014 lagen die Emissionen im Gebäudesektor noch bei 120 Mio. t CO2-Äq., was einem Rückgang von rund 17 Prozent in 10 Jahren entspricht. Für das Jahr 2030 liegt das nationale Ziel bei 67 Mio. t CO2-Äq. – was einem Rückgang von 33 Prozent im Zeitraum von 6 Jahren entspricht (Abbildung 1). Für die Erreichung der Klimaziele ist demnach eine beschleunigte energetische Sanierung notwendig. Profitieren würden davon auf Dauer aber nicht nur das Klima, sondern auch die Verbraucher*innen. Besonders einkommensschwache Haushalte, die überdurchschnittlich oft in schlecht gedämmten Wohnungen leben, hätten deutlich geringere Heizkosten zu tragen. Außerdem würden die Kostenrisiken durch den Import fossiler Brennstoffe sinken.  

© DIW Berlin

Im Jahr 2014 erschien der erste Wärmemonitor (WB 41/2014). Er wertete die Daten zum Heizenergieverbrauch für die Jahre 2003 bis 2013 aus.

Der Wärmemonitor speist sich aus einer einzigartigen Datenquelle, die durch eine Zusammenarbeit des DIW Berlin mit dem Immobiliendienstleister ista SE möglich ist. Die gebäudespezifischen Heizkostenabrechnungen des Immobiliendienstleisters von rund 300 000 Wohneinheiten bilden dabei die Basis der Analysen. Diese enthalten Informationen zu Energieverbrauch und Abrechnungsperiode, Energieträger und Energiekosten sowie Lage und Größe der Immobilie. In den Abrechnungsdaten sind ausschließlich Zwei- und Mehrfamilienhäuser erfasst, die vor allem mit Gas, Heizöl und Fernwärme beheizt werden.

Dazu kommen zwei weitere Datenquellen (Abbildung 2): Erstens Daten des Statistischen Bundesamts, speziell die Mikrozensuszusatzerhebung zur Wohnsituation, welcher nach Raumordnungsregionen differenziert die Anteile der Gebäude bestimmter Größenklassen ausweist. Damit wird der Datensatz der Grundgesamtheit der Gebäude in Deutschland repräsentativer.

Zweitens werden Klimafaktoren des Deutschen Wetterdienstes genutzt, um Temperatureinflüsse zu berücksichtigen und eine räumliche und zeitliche Vergleichbarkeit des Energiebedarfs sicherzustellen. Der Verbrauch wird auf die klimatischen Bedingungen am Referenzstandort Potsdam normalisiert, d.h. klima- und witterungsbereinigt.

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Die Entwicklung der letzten 10 Jahre

Die Daten aus dem Wärmemonitor 2023 zeigen, dass sich der Heizenergiebedarf pro Quadratmeter in den letzten 10 Jahren temperaturbereinigt nur um rund 9 Prozent reduziert hat (Abbildung 3). Bis 2015 ist der Heizenergiebedarf auf circa 125 Kilowattstunden je Quadratmeter (kWh/m2) und Jahr gesunken. In den Jahren 2016 bis 2018 ist er jedoch wieder gestiegen. In der Corona-Pandemie 2020/21 und der Energiekrise 2022/23 ist der Heizenergiebedarf dann wieder stärker gesunken und hat die 125 kWh/m2 erneut unterschritten. In den Jahren 2022 und 2023 wurden witterungsbereinigt circa 9 Prozent eingespart, ein starker Rückgang im Vergleich zu den Vorjahren (Wärmemonitor 2023), der zu einem Großteil auf die Energiekrise 2022/23 zurückzuführen ist.

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Regionale und sozio-ökonomische Unterschiede

Innerhalb Deutschlands zeigen sich starke regionale Unterschiede (Abbildung 4). Im Jahr 2023 hatten Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Thüringen den geringsten durchschnittlichen Heizenergiebedarf (mit jeweils 99, 103, 108 kWh/m2); Bremen, Rheinland-Pfalz und das Saarland den höchsten (mit jeweils 126, 131, 137 kWh/m2). Die Unterschiede ergeben sich teilweise aufgrund einer höheren Sanierungsrate in den neuen Bundesländern nach der Wiedervereinigung (Wärmemonitor 2018). Es gibt jedoch auch weitere regionale Unterschiede, die in Zukunft verstärkt erforscht werden sollen.

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Starke Unterschiede in den Heizenergieverbräuchen zeigen sich nicht nur zwischen den verschiedenen Bundesländern Deutschlands, sondern auch innerhalb der Regionen. Die Unterschiede in der Energieeffizienz von Gebäuden variieren zwischen der besten Effizienzklasse A+ und A (weniger als 50 kWh/m2) und der schlechtesten Effizienzklasse G & H (mehr als 200 kWh/m2). Gemessen am Einkommen treffen starke Preisanstiege Haushalte mit niedrigem Einkommen oft besonders stark, da sie häufiger in schlecht gedämmten Wohnungen leben (Wochenbericht 36/2022 und DIW aktuell 78/2022). In den untersten Einkommensklassen geben Haushalte abhängig von der Energieeffizienz des Gebäudes bis zu 30 Prozent ihres Einkommens fürs Heizen aus (Wochenbericht 19/2024, Abbildung 1). Zudem sind Mieter*innen stärker von schlecht isolierten Gebäuden betroffen – sie haben in allen Einkommenssegmenten im Durchschnitt höhere Heizkosten pro Quadratmeter (Wochenbericht 19/2024, Abbildung 5).

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Aktuelle Forschung und Perspektiven

Wie unsere aktuelle Forschung zeigt, haben Haushalte in der Energiekrise temperaturbereinigt circa 9 % Heizenergie gespart (Abbildung 3) – ohne Temperaturbereinigung sogar mehr. Dies lag zum einen an deutlichen Preissteigerungen: Im Jahr 2022 und 2023 sind die Heizenergiepreise aufgrund des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine stark gestiegen, von durchschnittlich etwa weniger als 7 Cent je Kilowattstunde (ct/kWh) auf circa 12 ct/kWh (Abbildung 6).

Ein aktueller DIW Wochenbericht zeigt: Je höher die Preissteigerung war, desto mehr Energie haben Haushalte auch eingespart. Es haben jedoch auch Haushalte Heizenergie gespart, die in der Energiekrise keinen direkten Preiserhöhungen ausgesetzt waren. Die Studie zeigt, dass Haushalte in der Energiekrise vor allem aus nichtmonetären Gründen, wie etwa der Motivation, eine Gasmangellage zu vermeiden, oder aufgrund öffentlicher Appelle zum Energiesparen, ihren Heizenergieverbrauch gesenkt haben (DIW Diskussionspapier 2112 und Wochenbericht 20/2025).

In einer weiteren Analyse wurde mithilfe der Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) die Heizkostenverteilung innerhalb der Einkommensdezile für das Jahr 2024 abgeschätzt und mit zwei Szenarien einer beschleunigten Sanierung der sehr ineffizienten Gebäude verglichen (DIW Discussion Paper 2119, Wochenbericht 19/2024). Die Analyse zeigt, dass besonders einkommensschwache Haushalte, die in Mietswohnungen leben, ein besonders hohes Risiko für Energiearmut haben. Der Vergleich der Szenarien zeigt, dass mit einer Priorisierung der sehr ineffizienten Gebäude die Energiekostenbelastungen relativ zum Einkommen von Haushalten in allen Einkommenssegmenten und damit auch die Energiearmut stark reduziert wird.

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Fazit: Es gibt noch viel zu tun

Die temperaturbereinigten Heizenergieverbräuche des DIW-Wärmemonitors sind zwischen 2013 und 2023 um 9 Prozent zurückgegangen.

Im gesamten Gebäudesektor wurden zwischen 2014 und 2024 ca. 17 Prozent an Emissionen eingespart. Wärmere Winter aber auch die Umstellung auf weniger CO2-intensive Wärmeversorgung haben dazu beigetragen. Das im Klimaschutzgesetz vereinbarte Ziel im Gebäudesektor für das Jahr 2030 liegt jedoch bei 67 Mio. t CO2-Äq. Das entspricht einer Reduktion um 33 Prozent in 6 Jahren (siehe Abbildung 1).

Dies ist nur mit einem stärkeren Fokus auf Gebäudeeffizienz und den Umstieg auf erneuerbare Energien in der Wärmeversorgung machbar. Dafür braucht es zusätzliche politische Maßnahmen.

Um weitere Einspareffekte durch Verhaltensänderungen zu erzielen, sollten zum einen Informationsdefizite reduziert werden, beispielsweise durch zeitnahe Informationen, sowie Spartipps und die Ausweitung von Energieberatungsangeboten. Im Vergleich zum Stromverbrauch bekommen Haushalte oft erst sehr spät Informationen über ihren aktuellen Verbrauch und die entsprechenden Heizkosten.

Um weitere mittelfristige Einspareffekte zu erzielen, sollten energetische Sanierungen und der Umstieg auf eine Wärmeversorgung aus erneuerbarer Energieweiter gefördert sowie Mindestenergiestandards für Gebäude stärker genutzt werden. Förderprogramme sollten vor allem auf die ineffizientesten Gebäude mit dem größten Einsparpotenzial abzielen sowie auf einkommensschwache Haushalte, um auch positive soziale Effekte zu erreichen. Eine "Worst-First"-Strategie ist ein vielversprechender Politikansatz, der besonders einkommensschwache Haushalte und Mieter*innen vor hohen Heizkosten schützen kann und eine Priorisierung der Sanierung auf ineffiziente Gebäude erzielt. Dies könnte beispielsweise durch eine Beschränkung der Modernisierungsumlage auf eingesparte Heizkosten erreicht werden.

Autor*innen:

Franziska Schütze ist seit 2019 wissenschaftliche Mitarbeiterin am DIW Berlin und stellvertretende Abteilungsleiterin der Abteilung Klimapolitik. Sie forscht zu den Themen Gebäudedekarbonisierung sowie der Rolle des Finanzmarktes in der Transformation der Wirtschaft. Sie hat zwei Ausgaben des Wärmemonitors mitverfasst und begleitet den Wärmemonitor seitdem.

Sophie Behr und Till Köveker haben gemeinsam mit Karsten Neuhoff und Merve Kucuk in den letzten beiden Jahren intensiv am Wärmemonitor gearbeitet und zu den sozialen Fragen der Dekarbonisierung des Gebäudesektors geforscht.

Heizenergiebedarf, Heizenergiepreise und Heizausgaben in Zwei- und Mehrparteienhäusern 2021–2023, nach Raumordnungsregionen

Interviews zum DIW-Wärmemonitor

  • O-Ton von Till Köveker
    In einer Energiekrise können Appelle kurzfristig zu großen Einsparungen führen - Interview mit Till Köveker
  • O-Ton von Sophie M. Behr
    Um die Klimaziele zu erreichen, muss in den nächsten fünf Jahren noch viel passieren - Interview mit Sophie M. Behr
  • O-Ton von Karsten Neuhoff
    Förderprogramme stabilisieren und warmmietenneutrale Sanierungen im Mietrecht verankern - Interview mit Karsten Neuhoff
  • O-Ton von Merve Küçük
    Der Heizenergiebedarf wird wieder steigen, wenn der Preisdruck nachlässt - Interview mit Merve Kücük
  • O-Ton von Franziska Schütze
    Wichtig ist es, energetische Sanierungen und Heizungswechsel voranzubringen - Interview mit Franziska Schütze
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Motivationen zum Gassparen: Nachgeforscht bei Franziska Schütze

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