Steuern begleiten uns täglich – ob beim Einkaufen, Arbeiten oder Wohnen. Doch wie hat sich das deutsche Steuersystem in den letzten 100 Jahren verändert? Welche Reformen haben besonders geprägt, und welche Herausforderungen stehen uns noch bevor? Diese Fragen diskutieren wir in der neuesten Folge unseres DIW-Podcasts Wirtschaft bewegt – 100 Jahre DIW Berlin mit Steuerexperte Dr. Stefan Bach. Host des Podcast ist Erich Wittenberg.
Stefan Bach, DIW-Steuerexperte
© DIW Berlin
Vor über 100 Jahren, nach dem Ersten Weltkrieg, entstand das deutsche Steuersystem in seiner heutigen Form. Mit den sogenannten Erzbergerschen Finanzreformen wurden Einkommens- und Unternehmenssteuern modernisiert und kräftig erhöht, neue Vermögensteuern eingeführt und die Steuerverwaltung zentralisiert. Danach gab es nur noch wenige echte Reformen. Die Nazis haben das Steuersystem konsolidiert und für ihre verbrecherischen Ziele missbraucht. In der Bundesrepublik gab es die eine oder andere weitreichendere Reform, etwa die Mehrwertsteuer ab 1968, aber insgesamt viel Rumgegurke. Stefan Bach erinnert sich, als er Anfang der 90er Jahre in das Metier einstieg: „Da sah das wirklich noch teilweise aus wie Kraut und Rüben“. Seither habe sich einiges verbessert, zum Beispiel dass der Grundfreibetrag auf das Existenzminimum angehoben wurde und jetzt mit dem Bürgergeld koordiniert wird. Die völlig überalterten Bewertungen für die Vermögensteuern wurden erneuert, bei der Grundsteuer erst 2025, nach über sechzig Jahren.
Steuern sind nicht nur die Einnahmequelle des Staates, sondern auch ein wichtiges wirtschaftspolitisches Instrument – „Steuern mit Steuern“. Sie beeinflussen Wohlstand, Umverteilung und wirtschaftliche Entwicklungen. Menschen mit geringem Einkommen sollten nicht so stark mit Verbrauchersteuern belastet, die arbeitende Mitte nicht so stark mit Sozialbeiträgen und Einkommensteuer gebeutelt werden, betont Stefan Bach. Auch Unternehmen belastet Deutschland zu hoch im internationalen Steuerwettbewerb. Bei Vermögenseinkommen und Vermögen sei Deutschland dagegen ein Niedrigsteuerland.