Global ist der Renminbi noch weit davon entfernt, den US-Dollar zu verdrängen: Interview

DIW Wochenbericht 31 / 2025, S. 488

Sonali Chowdhry, Erich Wittenberg

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Frau Chowdhry, welche Rolle spielt der chinesische Renminbi im internationalen Handel? Die Rolle des Renminbi im Welthandel ist noch recht begrenzt. Im Handel mit China hat er zwar an Bedeutung gewonnen, kann aber die Vormachtstellung des US-Dollar, der selbst im Handel zwischen Drittländern weit verbreitet ist, noch nicht angreifen. Nach den jüngsten Daten aus dem Jahr 2025 entfallen fast 60 Prozent der internationalen Zahlungsströme auf den US-Dollar. Der Euro hat einen Anteil von etwa 14 Prozent. Im Vergleich dazu liegt der Anteil des Renminbi bei knapp über zwei Prozent. Angesichts zunehmender geopolitischer Spannungen sehen wir jedoch, dass Länder nach alternativen Währungen suchen, um ihren internationalen Handel abzuwickeln.

Warum und mit welchen Maßnahmen fördert China die Nutzung des Renminbi? China fördert den Renminbi seit mehr als einem Jahrzehnt weltweit – sowohl aus wirtschaftlichen als auch geopolitischen Gründen. Wirtschaftlich gesehen hilft er chinesischen Unternehmen, ihre Transaktionskosten zu senken und ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. In geopolitischer Hinsicht will China weniger abhängig von den US-zentrierten Finanzsystemen werden. Außerdem soll der Renminbi Chinas wachsenden Einfluss widerspiegeln. Diese Faktoren haben China zu einer Reihe politischer Maßnahmen veranlasst, wie der Unterzeichnung von Swap-Vereinbarungen mit verschiedenen Zentralbanken in der ganzen Welt und der Einrichtung eines speziellen Zahlungssystems.

Ihre Studie basiert auf Daten aus Frankreich. Wie stark hat die Nutzung des Renminbi durch französische Firmen insgesamt zugenommen? Unsere Daten beziehen sich auf die frühe Phase der chinesischen Renminbi-Förderpolitik. In diesem Zeitraum hat die Verwendung des Renminbi rasch zugenommen. Sein Anteil an den Ausfuhren aus Frankreich nach China stieg von weniger als einem Prozent auf fast zehn Prozent. Allerdings haben nur wenige sehr große und international erfahrene Unternehmen aus Frankreich den Renminbi übernommen. Die überwältigende Mehrheit der Exporteure verwendet für die Ausfuhren nach China und in andere Märkte weiterhin den Euro oder den US-Dollar. Dies zeigt, dass die Entscheidungen der Unternehmen in Bezug auf die Rechnungswährung sehr gefestigt sind und sich nicht über Nacht ändern.

Welche Branchen reagieren auf die chinesischen Währungsfördermaßnahmen am stärksten und warum tun sie das? Am frühesten und am stärksten wurde der Renminbi in der Konsumgüterbranche übernommen, man denke an Lederwaren, Textilien, Schuhe und Kosmetika. Ein Grund dafür könnte sein, dass die Käufer in diesen Branchen empfindlicher auf Preisschwankungen reagieren und nicht bereit sind, Wechselkursrisiken zu tragen. Die Exporteure haben daher einen größeren Anreiz, sich an die lokalen Marktbedingungen anzupassen und die Preise in Renminbi anzugeben, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Bei Rohstoffen verhält es sich jedoch ganz anders. Diese Waren werden in der Regel weltweit in US-Dollar gehandelt.

Wird der Renminbi als Rechnungswährung zu einer Konkurrenz für den Euro oder den US-Dollar? China hat eindeutig Ambitionen, dass der Renminbi mit dem US-Dollar konkurriert, und wir sehen, dass die Verwendung der Währung zunimmt, insbesondere im Handel Chinas mit Partnern wie Russland und mehreren afrikanischen Volkswirtschaften. Global gesehen ist der Renminbi jedoch noch weit davon entfernt, den US-Dollar und den Euro zu verdrängen. Etablierte Währungen wie der US-Dollar sind tief in das globale Finanzsystem eingebettet. China hält nach wie vor Kapitalverkehrskontrollen aufrecht, und die eingeschränkte Konvertierbarkeit des Renminbi ist ein großes Hindernis für eine breitere Akzeptanz der Währung.

O-Ton von Sonali Chowdhry
Global ist der Renminbi noch weit davon entfernt, den US-Dollar zu verdrängen - Interview mit Sonali Chowdhry

Sonali Chowdhry

Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Unternehmen und Märkte

Themen: Geldpolitik, Europa


DOI:
https://doi.org/10.18723/diw_wb:2025-31-2


Der Aufsatz ist gemäß der Creative-Commons-Lizenz CC-BY-4.0 nachnutzbar: https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/

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