DIW Wochenbericht 36 / 2025, S. 581
Geraldine Dany-Knedlik, Erich Wittenberg
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Frau Dany-Knedlik, die deutsche Wirtschaft hat zu Anfang des Jahres positiv überrascht. Wie hat sie sich im weiteren Verlauf entwickelt? Zuletzt hat die deutsche Wirtschaft enttäuscht. Mit einem Minus von 0,3 Prozent bei der Wirtschaftsleistung lief das zweite Quartal deutlich schlechter als erwartet. Grund dafür war vor allem, dass die Exporte deutlich nachgelassen haben. Im ersten Quartal waren sie noch sehr stark, in erster Linie aber aufgrund vorgezogener Käufe aus den USA angesichts der drohenden Zölle. Zudem gab es eine sehr negative Entwicklung bei den Investitionen. Positiv waren hingegen der private und der öffentliche Konsum.
Mit welchen Wachstumszahlen rechnen Sie für die Zukunft? Wir gehen davon aus, dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr nur leicht um ungefähr 0,2 Prozent wachsen wird. Im kommenden Jahr dürfte das Wachstum mit 1,7 Prozent und im Jahr 2027 mit 1,8 Prozent deutlich stärker ausfallen. Dabei erholt sich die deutsche Wirtschaft untypischerweise nicht durch einen starken Außenhandel und ein starkes Verarbeitendes Gewerbe, sondern durch binnenwirtschaftliche Kräfte und hier vor allen Dingen durch die Ausweitung des öffentlichen Sektors. Der positive Effekt der enormen öffentlichen Gelder verschleiert in den kommenden Jahren die strukturellen Wachstumsprobleme, die wir in Deutschland haben.
Wie werden sich die staatlichen Sonderinvestitionen im Einzelnen bemerkbar machen? In den kommenden Quartalen dürfte der staatliche Konsum deutlich ausgeweitet werden, weil Arbeitskräfte eingestellt werden, zum Beispiel zur Stärkung der Verteidigung. Zum anderen dürfte es deutlich mehr öffentliche Investitionen gerade im Bereich Straße, Schiene und digitaler Infrastruktur geben. Im Verlauf des kommenden Jahres wird sich diese Konjunkturbelebung voraussichtlich auch auf dem Arbeitsmarkt sowie bei den Löhnen bemerkbar machen. Das stützt dann auch den privaten Konsum.
Wie entwickelt sich die Inflation? Die Inflation verbleibt im Großen und Ganzen im Zielbereich der Europäischen Zentralbank. Natürlich gibt es durch die enormen öffentlichen Mehrausgaben einen gewissen Preisdruck. Allerdings gehen wir davon aus, dass sich das nur sehr leicht in der tatsächlichen Teuerung bemerkbar machen dürfte. Grund dafür ist, dass die geplanten öffentlichen Mehrausgaben auf eine unterausgelastete Wirtschaft treffen. In Summe gehen wir davon aus, dass die Preise in Deutschland relativ stabil bleiben und die Teuerungsrate im gesamten Prognosezeitraum um die zwei Prozent liegt.
Sorgt die Einigung im Zollstreit zwischen der EU und den USA für mehr Planungssicherheit? Positiv ist, dass jetzt konkret skizziert wurde, in welchen Punkten man sich einigen möchte. Das hat sicherlich die Verunsicherung etwas gemindert. Zu Ende sind die Verhandlungen unseres Erachtens aber noch nicht. Ein konkretes Abkommen wurde noch nicht geschlossen, und das gestaltet sich auch schwierig, weil einige der Punkte sich nur schwer in ein rechtliches Korsett legen lassen, zum Beispiel das Versprechen von privaten Investitionsausgaben in den USA. Deswegen ist abzuwarten, was aus diesen Absichtserklärungen wird.
Wo sehen Sie Chancen für eine Belebung der Konjunktur? Chancen für eine Belebung der Konjunktur sehen wir zum Beispiel darin, dass es bei diesem Handelsabkommen zwischen der EU und der USA vielleicht auch zu deutlich besseren Abschlüssen kommt, als wir unterstellt haben. Auch wenn die geplanten Ausgaben für die Verteidigung schneller getätigt und Rüstungsgüter vor allem im Inland gekauft würden, könnte das die deutsche Konjunktur stützen.
p>Das Gespräch führte Erich Wittenberg.
Themen: Öffentliche Finanzen, Konjunktur
DOI:
https://doi.org/10.18723/diw_wb:2025-36-3
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