Aktuelles Projekt
Dieses Projekt analysiert eine umfassende Reform des deutschen Systems der Invaliditätsversicherung. Seit 2001 haben Kohorten, die nach 1960 geboren wurden, keinen Anspruch mehr auf die Berufsunfähigkeitsversicherung, die zuvor Leistungen gewährte, wenn gesundheitliche Schocks die Ausübung des bisherigen Berufs verhinderten. Stattdessen setzt die Anspruchsberechtigung nun eine allgemeine Erwerbsminderung voraus. Zunächst wird das Projekt Verwaltungs-Mikrodaten der gesetzlichen Rentenversicherung (Deutsche Rentenversicherung) verwenden. Vorläufige Analysen mit aggregierten Daten (1995–2018) zeigen, dass die Reform den Zugang zu EM-Leistungen langfristig um über 30 % verringerte. Mit Mikrodaten sollen die Ein- und Austritte detaillierter untersucht und Unterschiede nach soziodemografischen Merkmalen analysiert werden. Zweitens werden die Auswirkungen der Reform auf Arbeitsmarktergebnisse geschätzt, einschließlich der Erwerbstätigenquote, Voll- und Teilzeitarbeit, Einkommen und beruflicher Mobilität. Drittens wird das Projekt mögliche Substitutionseffekte zu anderen Sozialversicherungssystemen untersuchen, etwa Arbeitslosengeld, Langzeiterkrankungen, Rehabilitationsmaßnahmen und bedarfsgeprüfte Sozialleistungen. Abschließend werden Haushaltskonsummuster mithilfe der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) analysiert, um Anpassungen der Ausgaben durch Betroffene zu erfassen. Kausale Schätzungen auf Basis eines Regressions-Diskontinuitäts-Designs werden in einen Baily–Chetty-Rahmen eingebettet, um die Wohlfahrtseffekte der Reform zu bewerten.
Themen: Arbeit und Beschäftigung , Rente und Vorsorge