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Wochenbericht des DIW Berlin 15/04

Urlaub in Deutschland: Erwerbstätige nutzen ihren Urlaubsanspruch oftmals nicht aus

Bearbeiter Christian Saborowski
Jürgen Schupp
Gert G. Wagner
Deutschland wird immer wieder als "Freizeitpark" bezeichnet, in dem die Arbeitszeiten kurz, der Urlaub dagegen lang ist. Im internationalen Vergleich werden für inländische abhängig Beschäftigte nur 1 397 Stunden pro Jahr statistisch ausgewiesen, in den USA und Japan dagegen 1 829 bzw. 1 840 [1] Stunden. Besonders in der verarbeitenden Industrie liegt Deutschland beim Jahresurlaub und bei bezahlten Feiertagen vorn. [2]

Die vom DIW Berlin zusammen mit Infratest Sozialforschung erhobenen Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) zeigen freilich, dass 30 % der abhängig Beschäftigten [3] ihren Jahresurlaub 1999 nicht vollständig ausgenutzt haben. Von den etwa 936 Mill. Tagen Urlaubsanspruch, die sich aus den Angaben der Befragten ergeben, wurden nur rund 870 Mill. Tage effektiv genommen. Von 28 Tagen Urlaubsanspruch nahmen die Befragten im Durchschnitt nur 26 Tage.

Da unter denjenigen, die einen verkürzten Jahresurlaub nehmen, besonders viele jüngeren Alters sind, die Überstunden machen und hoch qualifiziert sind, kann man annehmen, dass sie die zusätzlichen Arbeitstage als Investition in ihr Humankapital bzw. ihre Karriere betrachten.

Selbständige nahmen im Jahre 1999 durchschnittlich nur 14 Urlaubstage. Hingegen schöpften Beamte, darunter auch Beamte in höherer Stellung, ihren Jahresurlaub (im Schnitt 30 Urlaubstage) nach eigenen Angaben weitgehend aus.

Urlaub ist "bezahlte Freizeit, die der Wiederherstellung und Erhaltung der Arbeitskraft des Arbeitnehmers dienen soll". [4] Gesetzlich ist der "Erholungsurlaub" für Arbeitnehmer im Bundesurlaubsgesetz [5] vom 8. Januar 1963 geregelt. [6] Danach hat jeder Arbeitnehmer Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub. Die Mindestdauer des "Erholungsurlaubs" beträgt 24 Werktage pro Jahr. Genaueres ist zumeist in den Tarifverträgen der einzelnen Branchen geregelt. [7]

Im Bezugsjahr der Analyse - dem Jahr 1999 - betrug der durchschnittliche tarifliche Urlaubsanspruch für abhängig Beschäftigte 31 Tage in den alten und 30 Tage in den neuen Bundesländern. [8] Der durchschnittliche Urlaubsanspruch ist damit im alten Bundesgebiet seit dem Jahr 1960 um über 100 % und im neuen Bundesgebiet seit 1991 um ein Fünftel gestiegen. [9]

Die gesetzlichen und tariflichen Vorschriften zum Urlaubsanspruch verpflichten den Arbeitgeber, dem Arbeitnehmer das in der Höhe festgelegte Mindestmaß an Erholungsurlaub einzuräumen. Dem Arbeitgeber steht es frei, seinen Arbeitnehmern auch mehr Urlaub zu gewähren. [10] Umgekehrt verbleibt die tatsächliche Ausnutzung des Urlaubsanspruchs in der Verfügung des Arbeitnehmers.

Jahresarbeitszeit statistisch schwer zu erfassen Auf Basis des tarifvertraglichen Urlaubsanspruchs und orientiert an den Richtlinien der "Resolution Concerning Statistics of Hours of Work" [11] werden Jahresarbeitsstunden für internationale Vergleiche berechnet. Diese zeigen, dass in Deutschland im Vergleich zu den USA oder Japan weniger gearbeitet wird.

Die dabei verwendeten Zahlen sind die so genannten "tatsächlich geleisteten Jahresarbeitsstunden". Das sind die bezahlten Arbeitsstunden abzüglich der bezahlten, aber nicht geleisteten Stunden; dazu gehören etwa Elternzeit, Feiertage, Kurzarbeit, krankheitsbedingte Abwesenheit und der Jahresurlaub. [12] Für den durchschnittlichen Jahresurlaub werden dabei die tariflichen Durchschnittswerte übernommen. Diese Werte sind allerdings überhöht, wenn der Tarifurlaub nicht vollständig ausgenutzt wird. Darüber liegen bislang - nicht nur in Deutschland - praktisch keine statistischen Ergebnisse vor. Deswegen hat das DIW Berlin in Zusammenarbeit mit Infratest Sozialforschung im Rahmen der Erhebung des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) im Jahre 2000 den "effektiven Jahresurlaub" für das Jahr 1999 erhoben. [13]

Die vorliegenden Zahlen zum durchschnittlichen Urlaubsanspruch beruhen auf Angaben der Befragten und unterscheiden sich deutlich von den tariflichen Durchschnittswerten von 30 bis 31 Tagen pro Arbeitnehmer. Ausschlaggebend für diese Differenz ist vor allem der Einfluss der Teilzeitbeschäftigten mit nur anteiligem Urlaubsanspruch bzw. der geringfügig oder kurzfristig Beschäftigten, die oftmals gar keinen Urlaubsanspruch haben. Faktisch werden die tariflichen und gesetzlichen Vereinbarungen zum Urlaub durch diese geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse unterlaufen.

Aus Tabelle 1 werden die Ursachen für die Unterschiede zwischen tariflichen Durchschnittswerten und den Angaben der Befragten zum Urlaubsanspruch deutlich: Die Vollzeitbeschäftigten nannten einen durchschnittlichen Urlaubsanspruch von knapp 30 Tagen. Die Befragten, die 1999 nur über einen beschränkten Zeitraum hinweg vollzeitbeschäftigt waren, hatten naturgemäß einen geringeren Urlaubsanspruch. Dies erklärt die verbleibende geringfügige Differenz zu den tariflichen Durchschnittswerten von 30 bis 31 Werktagen. Die untersuchte Differenz zwischen Urlaubsanspruch und tatsächlichen Urlaubstagen würde sich also durch die Verwendung der tariflichen Zahlen noch deutlich vergrößern.

In Deutschland wird mehr gearbeitet als statistisch ausgewiesen Von allen Erwerbstätigen (einschließlich Auszubildenden) gaben 7 % an, im Jahre 1990 überhaupt keinen Urlaub genommen zu haben. Besonders ausgeprägt war diese Verhaltensweise bei Selbständigen, von denen 28 % im vorangegangenen Jahr nicht einen einzigen Urlaubstag genommen hatten. Insgesamt nahmen Selbständige nach eigenen Angaben im Durchschnitt nur 14 Urlaubstage pro Jahr. [14]

3 % der abhängig Beschäftigten haben mehr Urlaub genommen, als ihnen eigentlich tariflich zustand. [15] Das ist möglich, da man den Urlaubsanspruch innerhalb bestimmter Zeiträume von einem Jahr ins andere übertragen kann. Umgekehrt kann sich der Urlaubsanspruch verringern, wenn in den vergangenen Jahren zu viel Urlaub genommen wurde. [16] Bei einem durchschnittlichen Urlaubsanspruch von 28 Tagen kamen die abhängig Beschäftigten nach eigenen Angaben per saldo auf 26 genommene Urlaubstage im Jahr.

Insgesamt überwiegen dabei mit 30 % deutlich diejenigen, die ihren Jahresurlaub nicht vollständig ausschöpften, gegenüber denjenigen, die mehr Urlaub nahmen, als ihnen zustand. Daraus resultierte für die abhängig Beschäftigten eine Reduktion des "Urlaubsvolumens" von tariflich garantiert 936 Mill. auf 870 Mill. Tage bzw. 93 %.

Die volkswirtschaftlichen Zahlen zur durchschnittlichen Jahresarbeitszeit überschätzen also das tatsächliche Arbeitsvolumen in Deutschland merklich. Da der größte Teil des nicht genutzten Urlaubsanspruchs auf Höherqualifizierte entfällt, die sich diesen Urlaub auch nicht auszahlen lassen, folgt daraus auch eine Überschätzung der durchschnittlichen Produktivität der Betriebe, wenn diese durch den Quotienten aus Produktionsmenge und Arbeitsstunden errechnet wird. [17]

Junge Erwerbs-
tätige und Höherqualifizierte nutzen Urlaubs-
anspruch nicht aus

Im SOEP wird nicht nach den Motiven für die Nichtinanspruchnahme von Urlaub gefragt. Jedoch legen die Ergebnisse anderer Studien nahe, dass Erwerbstätige ihren Urlaubsanspruch oft deshalb nicht ausnutzen, weil sie kurzfristig Geld aus Überstunden oder Akkord benötigen bzw. die Mehrarbeit als Investition in ihr Humankapital ("learning-on-the-job") betrachten. [18] Vor allem jüngere Befragte und Ledige, die zudem oft lange Arbeitszeiten haben (vereinbarte Arbeitszeit plus Überstunden und Nebenerwerb), schöpfen ihren Urlaubsanspruch schlecht aus (Tabellen 3 und 4). Je höher die berufliche Stellung, desto stärker sinkt die Urlaubsausnutzung. Dabei zeigt sich, dass eine geringere Ausnutzung des Urlaubsanspruchs mit einer niedrigeren Arbeitszufriedenheit und sogar Lebenszufriedenheit einhergeht (Tabelle 5). [19]

Im Vergleich mit anderen Berufsgruppen zeigt sich für die Beamten ein bemerkenswertes Bild. Auffällig ist die bereits erwähnte vergleichsweise hohe Zahl tatsächlich genommener Urlaubstage. Darüber hinaus scheint die prozentuale Ausnutzung des Urlaubsanspruchs bei den Beamten mit steigender beruflicher Stellung besser zu werden. Bei den anderen Berufsgruppen ist es genau umgekehrt.

Neben der Beschäftigungsform hat auch die Betriebsgröße einen Einfluss auf die Unterausnutzung des Urlaubsanspruchs: Mit steigender Anzahl der Beschäftigten im Betrieb wird der Tarifurlaub effektiver ausgeschöpft. Ausschlaggebend für diesen Zusammenhang ist wahrscheinlich nicht nur die in kleinen Betrieben oft gegebene "betriebsbedingte Unabkömmlichkeit", sondern auch die stärkere persönliche Bindung zum kleineren Betrieb. Eine geringere Inanspruchnahme von Urlaubsansprüchen kann den Betrieben helfen, Auftragsspitzen abzubauen oder die Personalkosten zu reduzieren. [20]

Im Branchenvergleich steht eine sehr effektive Urlaubsausnutzung im Kohlebergbau, dem verarbeitenden Gewerbe, dem Veterinär- und Gesundheitswesen und - wenig überraschend - im Bereich Erziehung und Unterricht einer besonders geringen Nutzung im Baugewerbe und in der Datenverarbeitung gegenüber.

Fazit Im internationalen Vergleich steht abhängig Beschäftigten in Deutschland viel Erholungsurlaub zu. Allerdings schöpfen 30 % von ihnen den tariflichen Urlaubsanspruch nicht vollständig aus. Insgesamt reduziert sich das Urlaubsvolumen um etwa 7 % jährlich. Da dies bei der amtlichen Berechnung von Jahresarbeitsstunden unberücksichtigt bleibt, wird die tatsächlich geleistete Jahresarbeitszeit der abhängig Beschäftigten in der volkswirtschaftlichen Betrachtung unterschätzt. Denn der tarifliche Urlaubsanspruch übersteigt den tatsächlich genommenen Urlaub. Daraus folgt, dass tatsächlich mehr gearbeitet wird als in den amtlichen Berechnungen angenommen. Da die meisten Beschäftigten sich den nicht genutzten Urlaubsanspruch nicht auszahlen lassen können, führt dies zu einer Überschätzung der Produktivität der Betriebe.

Bei der Inanspruchnahme von Urlaub spielt die individuelle Gestaltung der Lebensarbeitszeit eine gewichtige Rolle: Weniger Urlaub bedeutet für junge und gerade beruflich erfolgreiche Erwerbstätige vielfach eine Investition in ihr Humankapital, ihren Betrieb oder die Karriere. Entsprechend zeigt sich, dass gerade diejenigen Befragten, die diese Charakteristika erfüllen, auch höhere vereinbarte Arbeitszeiten aufweisen und eher zu Überstunden und der Ausnutzung von Nebenerwerbsquellen tendieren.

Freilich hängt die Ausnutzung des Jahresurlaubs nicht nur von den individuellen Entscheidungen der Beschäftigten ab. Die Untersuchungen haben gezeigt, dass Branchenzugehörigkeit und Betriebsgröße bei der Urlaubsausnutzung eine große Rolle spielen.

Nach eigenen Angaben machen Selbständige mit durchschnittlich nur 14 Tagen weniger Urlaub als abhängig Beschäftigte und insbesondere Beamte. Abhängig Beschäftigte nehmen mit 26 Tagen fast doppelt so viel Urlaub wie die Selbständigen.

[1] Vgl. OECD: Labour Statistics.

[2] Vgl. iwd - Informationsdienst des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, Nr. 16 vom 17. April 2003, www.iwkoeln.de/

[3] Auf die Gruppe der Lehrer wurde aufgrund möglicher Fehlinterpretationen der Fragen nach dem Urlaubsanspruch und dem tatsächlich genommenen Urlaub verzichtet (Identifikation von Urlaub mit Schulferien). Sie tauchen weder in der Gruppe der Beamten noch in der Gruppe der abhängig Beschäftigten auf.

[4] Vgl. Gabler Wirtschafts-Lexikon, 8 Bde. Wiesbaden 2000.

[5] Vgl. Arbeitsgesetze, 54. Aufl. München, C. H. Beck.

[6] Zuletzt geändert durch Art. 2 des Arbeitsrechtlichen Gesetzes zur Förderung von Wachstum und Beschäftigung vom 25. September 1996.

[7] Vgl. WSI-Tarifhandbuch, www.boeckler.de/wsi/tarchiv/

[8] Zwischen den Angaben der Befragten und den tariflichen Durchschnittswerten zum Urlaubsanspruch besteht eine deutliche Differenz. Dies ist, wie im Folgenden näher erläutert wird, darauf zurückzuführen, dass in den SOEP-Daten auch geringfügig und in Teilzeit Beschäftigte in die Berechnung des Durchschnitts eingehen.

[9] Vgl. Statistik des Bundesministeriums für Gesundheit und Soziale Sicherung.

[10] In Abstimmung mit den betrieblichen Erfordernissen bestimmt der Arbeitgeber in der Regel auch die terminliche Lage des Urlaubs mit.

[11] Vgl. International Labour Organization: Resolution Concerning Statistics of Hours of Work Adopted by the Tenth International Conference of Labour Statisticians. Genf, Oktober 1962.

[12] Vgl.: Erwerbstätigenrechnung des Bundes und der Länder, Erläuterungen.

[13] Gefragt wurde sowohl nach der Höhe des jährlichen Urlaubsanspruchs in Arbeitstagen im Bezugsjahr 1999 als auch nach der Anzahl tatsächlich genommener Urlaubstage im selben Jahr. Insgesamt liegen vollständige Urlaubsangaben für etwa 10 000 abhängig Beschäftigte und Angaben für 1 200 selbständig Erwerbstätige vor.

[14] Man kann allerdings annehmen, dass Selbständige einzelne Tage, die sie sich freinehmen, nicht als Urlaub angeben, sondern nur zusammenhängende Urlaubstage als solchen bezeichnen. Da abhängig Beschäftigte jedoch auch z. B. für Familienfeste oder den Besuch von Beerdigungen Urlaub nehmen müssen, wird deren Erholungsurlaub durch die Befragung eher überschätzt.

[15] Der von den Beamten angegebene durchschnittliche Urlaubsanspruch liegt mit 32 Tagen besonders hoch. Zurückzuführen ist dies auf die zusätzlich zum Erholungsurlaub bestehenden Ansprüche auf Arbeitsfreistellung. Dazu gehört neben dem Sonder- und dem Bildungsurlaub auch die jährliche Arbeitsfreistellung für einen Werktag.

[16] Anhand der Querschnittsdaten ist es nicht möglich, individuell herauszufiltern, ob ein Befragter Urlaub aus anderen Jahren in das Bezugsjahr übertragen hat oder aus dem Bezugsjahr in andere Jahre übertragen wird. Geht man jedoch von einem über die Jahre gleichbleibenden "Ausschöpfungsverhalten" aus, so gleichen sich die Verschiebungen für ein Bezugsjahr im Gesamtvolumen gegenseitig aus.

[17] Insgesamt ergibt sich für jede Untersuchung die Schwierigkeit, dass die angegebene Arbeitszeit eigentlich nicht nur in Bezug auf ein bestimmtes Jahr analysiert werden kann. Vielmehr müsste in einer "individuellen Längsschnittperspektive" die Gestaltung der Lebensarbeitszeit jedes einzelnen Befragten betrachtet werden. Denn ein Urlaubsanspruch kann beispielsweise auch deshalb ungenutzt bleiben, weil sich damit durch Schaffung von "Zeitkonten" mehr Spielraum bei der individuellen Lebensplanung, etwa einem früheren Renteneintritt, "erkauft" wird ("Entkopplung von Arbeitszeit und Entgelt"); vgl. Andreas Hoff: Arbeitszeitflexibilisierung und Entgelt. In: Dieter Wagner und Ernst Zander: Handbuch des Entgeltmanagements. München 2004 (im Druck). Gerade vor diesem Hintergrund ist es sinnvoll, Produktivitätsvergleiche nicht nur mit Blick auf die Beschäftigtenzahl, sondern auch auf die tatsächliche Arbeitsstundenanzahl (unter Berücksichtigung der tatsächlichen Ausnutzung der arbeitsfreien Tage) anzustellen.

[18] Vgl. Markus Pannenberg: Long-Term Effects of Unpaid Overtime: Evidence for West Germany. IZA Diskussionspapier Nr. 614. Bonn 2002.

[19] Vgl. OECD Employment Outlook: Towards More and Better Jobs. Chapter 1, 3B: Long Hours and Headaches: Some Indicators of Working Conditions. Paris 2003.

[20] Eine verstärkte Inanspruchnahme von Langzeiturlaub kann zudem mit der allgemeinen wirtschaftlichen Lage in Zusammenhang stehen: In Krisenzeiten kann ein Unternehmen unbezahlten Langzeiturlaub für einen Teil seiner Beschäftigten als Möglichkeit wählen, um Entlassungen zu vermeiden. Gleichzeitig ist der unbezahlte Langzeiturlaub auch für das Unternehmen im Hinblick auf den langfristigen Erhalt von Betriebserfahrung personalpolitisch von Nutzen. Vgl. Joachim Paege und Jürgen Grieger: Langzeiturlaub und Altersteilzeit als Ansätze zur Flexibilisierung der Arbeit. In: Joachim Gutmann (Hrsg.): Arbeitszeitmodelle. Die neue Zeit der Arbeit: Erfahrungen mit Konzepten der Flexibilisierung. Stuttgart 1999, S.144 f .

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Tabelle 1

Durchschnittlicher Urlaubsanspruch nach Beschäftigungsformen (1)

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                           Durchschnittlicher        Anteil
                           Anspruch auf Urlaub    Beschäftigter
                              in Werktagen        ohne Urlaubs-
                                pro Jahr          anspruch in %

Voll erwerbstätig                 29,4                 1,1
Teilzeitbeschäftigt               26,4                 7,6
Geringfügig beschäftigt           10,6                37,9

Insgesamt                         28,1                 4,3

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(1) Angaben abhängig Beschäftigter für das Jahr 1999.

Quellen: SOEP 2000; Berechnungen des DIW Berlin.

DIW Berlin 2004

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Tabelle 2

Tatsächlich genommene Urlaubstage und Urlaubsanspruch im Jahre 1999 (1)

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                  Urlaubstage  Kein Urlaub  Urlaubsanspruch   Nicht ausge-
                      (2)        in % (3)       in Tagen     nutzter Urlaub
                                                              in Tagen (4)

Selbständige         14,2         28,2

Abhängig
Beschäftigte (5)     26,0          4,2            28,1            2,2
  Beamte             29,6          2,9            31,7            2,0
  Arbeiter           25,4          5,6            27,3            2,0
  Meister            25,8          4,1            28,8            3,0
  Angestellte        26,3          3,2            28,4            2,3
  Auszubildende      23,8          4,8            25,9            2,4

Insgesamt            25,0          6,8            28,1            2,2

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(1) Angaben der Erwerbstätigen für das Jahr 1999.
(2) Tatsächliche Anzahl der Urlaubstage im gewichteten Mittel.
(3) Prozentualer Anteil der Befragten, die angaben, keinen Urlaub genommen
zu haben.
(4) Differenz aus Urlaubsanspruch und tatsächlich genommenen Urlaubstagen.
(5) Ohne Lehrer.

Quellen: SOEP 2000; Berechnungen des DIW Berlin.

DIW Berlin 2004

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Tabelle 3

Strukturen der Unterausschöpfung von Urlaub (1)
Ergebnisse einer binären logistischen Regression

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Unabhängige Variablen (3)    Veränderung der Wahrschein-   Signifikanz
                               lichkeit gegenüber den
                               Referenzkategorien (2)

Alterskategorien

15 bis 24 Jahre                       1,415                   0,034
25 bis 34 Jahre                       1,286                   0,049
35 bis 44 Jahre                       1,279                   0,041
45 bis 54 Jahre                       1,215                   0,124
Referenz: 55 Jahre und älter

Wochenstundenkategorien

46 bis 60 Stunden                     1,900                   0,000
61 Stunden und mehr                   2,282                   0,000
Referenz: bis 45 Stunden

Branchen

Baugewerbe                            1,490                   0,002
Datenverarbeitung                     1,492                   0,168
Erziehung und Unterricht              0,659                   0,023
Kohlebergbau                          0,099                   0,025
Gesundheits-/Veterinärwesen           0,662                   0,000
Handel                                0,951                   0,620
Verarbeitendes Gewerbe                0,849                   0,050
Referenz: Sonstige

Betriebsgröße (Beschäftigte)

unter 5                               1,788                   0,000
  5 bis unter 20                      1,752                   0,000
 20 bis unter 100                     1,588                   0,000
100 bis unter 200                     1,214                   0,081
Referenz: 200 und mehr

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Abhängige Variable: Positive Differenz aus Urlaubsanspruch und
tatsächlichem Urlaub in Werktagen (ja = 1, nein = 0).
Cox & Snell R-Quadrat: 0,059.

(1) Angaben der abhängig Beschäftigten für das Jahr 1999.
(2) Odds-Ratio.
(3) Weitere Variablen, die nicht in der Tabelle dargestellt sind: Konstante,
Verdienstkategorie und Familienstand.

Quellen: SOEP 2000; Berechnungen des DIW Berlin.

DIW Berlin 2004

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Tabelle 4

Nicht ausgenutzter Urlaub (1)

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                            Nicht ausgenutzter  Weniger Urlaub  Mehr Urlaub
                             Urlaub in Tagen     als Anspruch   als Anspruch
                                                     in %           in %

Berufliche Stellung

Volontäre, Praktikanten            3,91               35              0
Gewerblich-technische
Auszubildende                      1,40               20              2
Kaufmännische Auszubildende        2,25               20              3
Sonstige Auszubildende             2,83               34              3

Ungelernte Arbeiter                1,83               23              4
Angelernte Arbeiter                1,84               24              2
Gelernte und Facharbeiter          2,01               26              1
Vorarbeiter, Kolonnenführer        2,32               29              6
Meister, Polier                    3,02               34              4

Angestellte mit einfacher
Tätigkeit ohne Ausbildungs-
abschluss                          2,70               29              5
Angestellte mit einfacher
Tätigkeit mit Ausbildungs-
abschluss                          1,57               22              2
Angestellte mit
qualifizierten Tätigkeiten         1,86               26              3
Angestellte mit
hoch qualifizierten
Tätigkeiten, Leitung               2,65               33              2
Industrie- und Werkmeister         2,93               37              0
Angestellte mit
umfassenden Führungsaufgaben       7,19               59              1

Beamte im einfachen Dienst         4,47               34              0
Beamte im mittleren Dienst         2,38               27              3
Beamte im gehobenen Dienst         1,52               18              4
Beamte im höheren Dienst           1,85               22              4

Geschlecht

Männlich                           2,32               30              2
Weiblich                           1,99               26              3

Gelegentlicher Nebenerwerb

Trifft zu                          4,34               45              5
Trifft nicht zu                    2,12               27              3

Überstunden leisten

Trifft zu                          2,37               30              3
Trifft nicht zu                    1,59               20              2

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(1) Angaben abhängig Beschäftigter für das Jahr 1999.

Quellen: SOEP 2000; Berechnungen des DIW Berlin.

DIW Berlin 2004

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Tabelle 5

Einfluss der Unterausschöpfung von Jahresurlaub und anderer Merkmale
auf die Lebens- und Arbeitszufriedenheit (1)
Ergebnisse von OLS-Regressionen

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                            Lebenszufriedenheit       Arbeitszufriedenheit

Unabhängige Variablen     Koeffizient  Signifikanz  Koeffizient  Signifikanz

Urlaub nicht ausgenutzt      -0,187       0,000       -0,321        0,000

Geschlecht

Männlich                      0,139       0,005       -0,007        0,937

Alterskategorien

15 bis 24 Jahre               0,724       0,000        0,518        0,013
25 bis 34 Jahre               0,465       0,000        0,466        0,003
35 bis 44 Jahre               0,132       0,096        0,169        0,246
45 bis 54 Jahre               0,076       0,356        0,096        0,526
Referenz: 55 Jahre
und älter

Wochenstundenkategorien

46 bis 60 Stunden            -0,116       0,060        0,129        0,259
61 Stunden und mehr          -0,559       0,001       -0,677        0,037
Referenz: bis 45 Stunden

Verdienstkategorien

Mehr als 12 00 Euro           0,876       0,000        0,876        0,000
Referenz: 0 bis 12 000 Euro

Branchen

Baugewerbe                   -0,019       0,872       -0,766        0,000
Datenverarbeitung             0,229       0,279        0,190        0,626
Erziehung und Unterricht     -0,116       0,177       -0,188        0,235
Kohlebergbau                  0,031       0,918       -0,188        0,739
Referenz: Sonstige

Betriebsgröße
(Beschäftigte)

Unter 5                      -0,235       0,012       -0,191        0,267
  5 bis unter 20             -0,033       0,611       -0,083        0,483
 20 bis unter 100            -0,052       0,374       -0,175        0,102
100 bis unter 200            -0,104       0,172       -0,148        0,290
Referenz: 200 und mehr

Familienstand

Verheiratet,
aber getrennt lebend         -0,709       0,000        0,550        0,093
Ledig                        -0,217       0,001       -0,178        0,127
Verwitwet                    -0,328       0,078       -0,098        0,775
Referenz:
Verheiratet zusammenlebend

Berufliche Stellung


Meister                       0,068       0,644        0,320        0,234
Angestellte                   0,217       0,000        0,175        0,058
Beamte                        0,436       0,000        0,100        0,594
Referenz:
Auszubildende, Arbeiter

Konstante                     7,010       0,000        5,706        0,000
Korrigiertes R²               0,033                    0,008

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Abhängige Variablen: gegenwärtige Lebenszufriedenheit sowie
Arbeitszufriedenheit nach Angaben der Befragten.

(1) Angaben abhängig Beschäftigter für das Jahr 1999.

Quellen: SOEP 2000; Berechnungen des DIW Berlin.

DIW Berlin 2004

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