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Grundlinien der Wirtschaftsentwicklung
Bundesrepublik Deutschland: Warten auf die Inlandsnachfrage


Bearbeiter/innen

Arbeitskreis Konjunktur



Das gesamtwirtschaftliche Wachstum in Deutschland hat sich im Laufe des Jahres 1997 nur leicht beschleunigt (Abbildung 9). Motor des Aufschwungs war, wie schon 1996, der Export, waehrend die Binnennachfrage weiterhin nur verhalten zunahm. Die Ursache fuer den Ausfuhrboom ist in erster Linie in der realen Abwertung [1] der D-Mark zu sehen, die seit Mitte 1995 in fast unvermindertem Tempo anhaelt und seit Anfang 1997 sogar wieder zu einer Unterbewertung der D-Mark gefuehrt hat, wie sie zuletzt 1992 vorlag. In Verbindung mit der weiter aufwaerts gerichteten Konjunktur in Europa und der nochmaligen Wachstumsbeschleunigung in Nordamerika fuehrte dies zu zweistelligen Zuwachsraten beim realen Export; im Verlauf des Sommerhalbjahres 1997 waren es 13 vH.

Die Konsumnachfrage stellte hingegen eine starke Bremse im bisherigen Aufschwung dar. Der private Verbrauch, dessen Anteil am Bruttoinlandsprodukt 1996 bei 57 vH lag, nahm 1997 - trotz nochmals gesunkener Sparquote - real um weniger als ein halbes Prozent zu. Sogar weiter deutlich abgenommen haben die Bauinvestitionen, in Ostdeutschland noch staerker als in Westdeutschland, im Wirtschaftsbau staerker als im Wohnungs- und im oeffentlichen Bau. Die Ausruestungsinvestitionen sind zuletzt zwar gestiegen, aber bei weitem nicht so kraeftig wie in frueheren Aufschwungphasen. Unter diesen Umstaenden gelang es nicht, die Verschlechterung der Situation auf dem Arbeitsmarkt auch nur zu stoppen. Ende 1997 waren in saisonbereinigter Rechnung rund 4,5 Mill. Menschen arbeitslos, davon knapp 1,5 Mill. in Ostdeutschland.

Aufschwung ohne Konsumbelebung?

Wie ist die gespaltene Entwicklung der Konjunktur, also das Auseinanderlaufen von in- und auslaendischer Nachfrage zu erklaeren? "Anders als nach frueheren Rezessionen wird die vom guenstigen weltwirtschaftlichen Umfeld angestossene Aufwaertsentwicklung auch im vierten Jahr nach dem letzten Tiefpunkt noch nicht von binnenwirtschaftlichen Auftriebskraeften getragen", konstatiert auch der Sachverstaendigenrat [2]. Er stellt darueber hinaus fest, dass die "sonst fuer eine Konjunkturerholung typische Belebung der unternehmerischen Investitionen ... bislang schwach bleibt." Warum aber springen die Investitionen trotz des Schubes beim Export nicht an? Naheliegend ist es, auf die Konsumschwaeche zu verweisen. Das aber laesst der Sachverstaendigenrat nicht gelten, denn: "Bei typischem Verlauf wird die Binnennachfrage zunaechst durch die Investitionen gestaerkt, dann mit Besserung der Beschaeftigungslage auch durch erhoehten privaten Konsum."

Dieser Ablauf der Ereignisse laesst sich allerdings so nicht beobachten. Die westdeutsche Entwicklung zeigt zwar eindeutig, dass die Investitionstaetigkeit einer Beschaeftigungssteigerung vorausgeht (Abbildung 10); der Vorlauf der Ausruestungsinvestitionen [3] betrug nach den drei grossen Rezessionen in der Bundesrepublik Deutschland zwischen zwei und vier Quartalen [4]. Die Vorstellung aber, dass die Investitionstaetigkeit der Belebung des privaten Verbrauchs vorausgehe, weil dieser seinerseits erst durch die zunehmende Beschaeftigung Impulse erhalte, entspricht nicht dem empirischen Befund. Vielmehr zeigt sich ein enger Zusammenhang der unteren Wendepunkte von Konsum- und Investitionsnachfrage, so 1967, 1974/75 und 1983. Damit ist ueber einen kausalen Zusammenhang beider Aggregate freilich noch nichts gesagt. Es faellt jedoch auf, dass sich der private Verbrauch nach den Rezessionen in der zweiten Haelfte der sechziger und in der ersten Haelfte der siebziger Jahre jedes Mal rasch und kraeftig erholte. Nicht so im Anschluss an die zweite Oelpreiskrise Anfang der achtziger Jahre, in deren Verlauf es - erstmalig in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland - zu einer realen Abnahme des privaten Verbrauchs durch den oelpreisbedingten Realeinkommensentzug kam. Schon damals verhinderte die Schwaeche der Konsumnachfrage mehrere Jahre lang einen kraeftigeren Konjunkturaufschwung und damit eine deutliche Erholung auf dem Arbeitsmarkt. In der Rezession im Jahr 1993 nahm die private Konsumnachfrage zwar nicht absolut ab, aber sie blieb aeusserst schwach und hat sich seitherni cht erholt. Seit mehr als vier Jahren liegen die Zuwachsraten dieses Aggregats in einer Groessenordnung, wie sie in den sechziger und siebziger Jahren fuer eine Rezession typisch waren.

Wenn aber Verbrauch und Investitionen eng nebeneinander liegende Wendepunkte haben, laesst sich die Aussage in der Analyse des Sachverstaendigenrates, dass sich der private Verbrauch typischerweise erst mit Besserung der Beschaeftigungslage erhoehe, empirisch nicht halten. Die Konsumnachfrage stieg in frueheren Aufschwungphasen lange vor der Beschaeftigung. Mit anderen Worten: Der private Verbrauch erhaelt seinen Anstoss nicht zuerst aus der zunehmenden Zahl der Arbeitseinkommensbezieher - schliesslich konsumieren auch nicht erwerbstaetige Personen, also z.B. Arbeitslose und Personen in der stillen Reserve, wenn auch aus in der Regel geringeren verfuegbaren Einkommen. Die Dynamik stammt vielmehr aus der Einkommensentwicklung pro Kopf, wie der bemerkenswert parallele Verlauf von privatem Verbrauch und realem Brutto-Arbeitseinkommen pro Beschaeftigten belegt (Abbildung 11). Dieser Zusammenhang erstaunt nicht, da die Schwankungen im realen verfuegbaren Einkommen aller privaten Haushalte in hohem Masse von der Reallohnentwicklung bestimmt werden [5]. Zwar sorgen Aenderungen der Sparquote, der Zahl der Beschaeftigten und der Abgabenlast dafuer, dass der Verbrauch nicht so schwankt wie die Loehne, dennoch ist der enge Zusammenhang gerade an unteren konjunkturellen Wendepunkten nicht zu uebersehen [6]. (BOX I: Kaufkrafttheorie des Lohnes so fragwuerdig wie Gewinntheorie des Lohnes)

Allerdings relativiert der Sachverstaendigenrat selbst an anderer Stelle sein Konzept, wenn er feststellt:

"Auch in der Vergangenheit haben moderate Lohnsteigerungen sich erst mit einer zeitlichen Verzoegerung auf dem Arbeitsmarkt niedergeschlagen. Die Laenge der Verzoegerung haengt wesentlich davon ab, wie verlaesslich fuer die Unternehmen - bei verbesserter Absatzlage - die Erwartung einer kuenftig moderaten Lohnpolitik ist. In den letzten beiden Jahren waren diese Erwartungen nicht zuletzt aufgrund ueberholter Rituale im Vorfeld der Verhandlungen durchaus getruebt." [7]

Der Sachverstaendigenrat versucht, die schwache Stelle seiner Argumentation - moderate Lohnsteigerungen fuehrten via Investitionen zu mehr Beschaeftigung - wegzudefinieren, indem er die Gueltigkeit seiner These mit der Klausel "bei verbesserter Absatzlage" absichert. Wenn sich aber die Absatzlage verbessert, mag in der Tat trotz einer dauerhaft moderaten Lohnpolitik - und hier meint der Sachverstaendigenrat offenbar eine unter der Produktivitaetssteigerung liegende, sonst bezoege er sich nicht auf die Abschluesse der letzten zwei Jahre - eine positive Investitions- und Beschaeftigungsentwicklung zu erwarten sein. Nur, wodurch die Verbesserung der Absatzlage ausgeloest wird - durch das Ausland, durch eine sinkende Sparquote der Haushalte, durch eine expansive Fiskalpolitik -, darauf geht der Sachverstaendigenrat nicht ein. Fuer jeden potentiellen Investor sind aber die Signale, die er von seinem Absatzmarkt erhaelt, von zentraler Bedeutung fuer die Entscheidung, zusaetzliche Kapazitaeten bereitzustellen oder nicht. Sein Absatzmarkt und die Absatzmaerkte aller uebrigen Unternehmen in der Volkswirtschaft zusammen koennen sich nicht unabhaengig von der inlaendischen Gesamtnachfrage entwickeln. Anders ist es nur, wenn er hauptsaechlich fuer den Export produziert und im Ausland auf eine boomende Nachfrage trifft und/oder durch Preisunterbietung Marktanteile im Ausland gewinnen kann [8].

Kommt es zu lohninduzierter Nachfrageschwaeche und nicht gleichzeitig zu der unterstellten lohninduzierten Beschaeftigungssteigerung, erhaelt der Investor, der bei Vereinbarung der Lohnzurueckhaltung steigende Gewinnerwartungen gehegt haben mag, negative Signale von der Absatzseite und investiert daraufhin tendenziell weniger. Diese "Verzoegerung" zwischen Lohn- und Beschaeftigungsentwicklung in der Gesamtwirtschaft ist aber kaum vermeidbar, weil in der Ausgangslage die Sachkapazitaeten und die Beschaeftigten im Durchschnitt unterausgelastet sind.

Genau diese Konstellation liegt derzeit in Deutschland vor: Nominallohnsteigerungen, die hinter der Produktivitaets- und der von der Notenbank tolerierten Preissteigerungsrate zurueckbleiben, und steigende Beschaeftigungsrisiken sind die Vorzeichen, unter denen die privaten Haushalte ihre Konsumentscheidungen zu treffen haben. Gleichzeitig ist aber durch diese Lohnpolitik eine Unterbietung der auslaendischen Konkurrenz an den Weltmaerkten gelungen, wodurch Marktanteilsgewinne moeglich wurden. Die Spaltung der Konjunktur in binnenwirtschaftliche Schwaeche und aussenwirtschaftlichen Boom ist die Folge dieser lohnpolitischen Strategie. Eine Fortsetzung dieser Strategie wird die binnen- und aussenwirtschaftliche Auseinanderentwicklung daher auch nicht ueberwinden, sondern verschaerfen und letztlich, wie das Beispiel Japans zeigt, an aussenwirtschaftlichen Restriktionen scheitern.

Dass die Ausruestungsinvestitionen trotz der Konsumschwaeche ueberhaupt wieder gestiegen sind, ist das eigentlich Erstaunliche an der gegenwaertigen Konjunkturlage. Einen Aufschwung mit steigenden Ausruestungsinvestitionen bei kaum expandierender Konsumnachfrage hat es vor 1993 nicht gegeben. Damals wurde der Gleichlauf beider Nachfragebereiche im Konjunkturaufschwung abgeloest durch eine nahezu synchrone Entwicklung von Ausruestungsinvestitionen und Exporten (Abbildung 11), die davor in dieser Dauer nicht zu beobachten war.

Ende der Durststrecke fuer die Bauwirtschaft noch nicht erreicht

Im Jahr 1997 haben die Bauinvestitionen in Deutschland in gleichem Umfang abgenommen wie 1996 (-3 vH). In Ostdeutschland hat sich die Lage noch staerker verschlechtert als in Westdeutschland. Insbesondere im Wohnungsbau laeuft die Konjunktur in den alten und neuen Bundeslaendern auseinander. Waehrend Auftragseingaenge und Baugenehmigungen im Westen auf ein Ende der Talfahrt und sogar eine Trendwende hoffen lassen, sind die Aktivitaeten in Ostdeutschland weiterhin stark ruecklaeufig (Abbildungen 12 und 13). Ausbau- und Modernisierungsarbeiten koennen immer weniger den Produktionsausfall im Bauhauptgewerbe wettmachen. Fuer 1998 ist beim Wohnungsbau mit einer Abnahme um 5 vH zu rechnen (Tabelle 5).

Die fuer den Wirtschaftsbau verfuegbaren Indikatoren zeigen keine Trendumkehr an, allenfalls ein Erreichen der Talsohle. Damit haelt die Abkoppelung von den Ausruestungsinvestitionen weiter an. Auf die Industrie entfallen rund ein Drittel der Ausruestungsinvestitionen, ihr Anteil am Wirtschaftsbau macht weniger als ein Sechstel aus. Insofern macht sich der Exportboom in der Industrie bei den gewerblichen Bauten wesentlich weniger bemerkbar. Hingegen erstellt der Bereich Handel und Verkehr, der unter der schwachen Binnenachfrage besonders leidet, knapp ein Viertel der Wirtschaftsbauinvestitionen. Von diesem Sektor ist auch 1998 keine Ausweitung zu erwarten. Etwas weniger als die Haelfte der gewerblichen Bauten stammten aus dem statistisch schlecht belegten Bereich der Dienstleistungsunternehmen, zu denen auch Leasingfirmen zaehlen. Angesichts der Leerstaende in Buerogebaeuden duerfte sich auch dieser Sektor mit Bauinvestitionen eher zurueckhalten.

Der Sparzwang bei den oeffentlichen Haushalten hatte 1997 erneut die Bauinvestitionen beeintraechtigt. Dieser Trend wird sich 1998 in abgeschwaechter Form fortsetzen, wobei wegen der hohen Verschuldung der ostdeutschen Kommunen der Rueckgang in den neuen Bundeslaendern wiederum etwas staerker ausfallen duerfte als in Westdeutschland.

Angesichts der fortgesetzten Baurezession werden die Baupreise weiterhin stagnieren; damit geht von dieser Seite - anders als in frueheren Phasen der Aufwaertsentwicklung - kein Druck auf das gesamtwirtschaftliche Preisniveau aus.

Gesamtwirtschaftliche Entwicklung 1998 ohne Schwung

Solange die lohnpolitische Strategie, Abschluesse unterhalb der Produktivitaetsentwicklung und der Zielinflationsrate zu vereinbaren, beibehalten wird - und dafuer sprechen alle Anzeichen wie die bereits festgelegten Tarifvereinbarungen oder auch die Oeffnungsklauseln -, wird die binnenwirtschaftliche Konsumnachfrage nur verhalten zunehmen. Die Entlastung der Einkommen durch den Abbau des Solidaritaetszuschlags zur Einkommensteuer um zwei Prozentpunkte wird dem privaten Verbrauch nicht in vollem Umfang zugute kommen, da sie wegen des progressiven Einkommensteuertarifs staerker in den oberen Einkommensklassen, in denen die Konsumneigung traditionell geringer ist, als in den unteren Einkommensklassen zu Buche schlaegt. Dieser Entlastung wirkt die fuer den 1. April geplante Mehrwertsteuer erhoehung um einen Prozentpunkt entgegen (Tabelle 6). Aller Erfahrung nach wird es deshalb zu vorgezogenen Kaeufen kommen, die zu einer kraeftigen Zunahme des privaten Verbrauchs in den ersten Monaten des Jahres fuehren werden. Eine entsprechende Gegenreaktion wird sich im zweiten Quartal einstellen. Auch wenn die Spielraeume des Handels, die Steuererhoehung in den Preisen weiterzugeben, derzeit nicht gross sein duerften und insofern nur mit geringen Auswirkungen auf die Steigerungsrate des Preisindex fuer die Lebenshaltung zu rechnen ist, wird der private Verbrauch insgesamt durch die steuerpolitischen Aenderungen im Jahr 1998 eher beeintraechtigt als gefoerdert. Er wird vermutlich um weniger als 1 vH im Jahresdurchschnitt zunehmen. Der Staatsverbrauch duerfte 1998 ebenfalls kaum zum Wachstum der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage beitragen.

Die Dynamik der Exportkonjunktur wird die der inlaendischen Nachfrage erneut deutlich uebertreffen, wenn auch nicht mehr ganz so kraeftig wie 1997. (Abbildungen 12 und 13) Positiv wirkt die anhaltende Aufwaertsentwicklung der europaeischen Konjunktur. Allerdings werden sich die bislang zu beobachtenden Impulse durch die D-Mark-Abwertung gegenueber den europaeischen Handelspartnern abschwaechen.; die reale Abwertung der D- Mark setzt sich zwar fort, aber in verlangsamtem Tempo. Die etwas nachlassende Wachstumsdynamik in den USA duerfte durch den weiterhin starken US-Dollar abgefedert werden.

Fuer Deutschland wird die Waehrungskrise in Suedostasien nur geringe Auswirkungen haben. Die Exporte in die suedostasiatischen Schwellenlaender hatten zwar 1997 um reichlich 10 vH (1996: 5,8 vH) zugenommen, so dass der Ueberschuss im Handel bei deutlich langsamerer Importentwicklung nochmals um 2 Mrd. DM hoeher war als im Vorjahr (Abbildung 14). Der hohe Ueberschuss im Handel mit diesen Laendern wird 1998 durch die Aufwertung der D-Mark aber merklich vermindert. Bliebe es bei dem Ausmass der Aufwertung der D- Mark gegenueber diesen Laendern, wie es zur Jahreswende erreicht worden ist, koennten die Auswirkungen allerdings erheblich an Gewicht gewinnen. Das ist aus heutiger Sicht angesichts der Abwertung, die weit ueber die von den fundamentalen Daten her gerechtfertigten Abschlaege hinausgeht, nicht wahrscheinlich, ausgeschlossen ist aber sogar eine weitere Verschaerfung der Krise in Asien nicht.

Auch im Handel mit den osteuropaeischen Reformlaendern verzeichnet Deutschland kraeftig steigende Ueberschuesse (Abbildung 14). Die deutschen Exporte stiegen im vergangenen Jahr um sage und schreibe 25 vH, waehrend die Importe "nur" um knapp 20 vH zulegten. Auch 1998 wird sich diese Tendenz fortsetzen, falls es nicht auch hier zu Gegenreaktionen an den Devisenmaerkten kommt.

Die gute und weiter steigende Auslastung der Kapazitaeten im Exportsektor wird die inlaendischen Ausruestungsinvestitionen auch 1998 weiter mitziehen - aber eben nicht in dem Masse, wie das bei einem staerkeren privaten Verbrauch der Fall waere. Die Verlaufsraten werden wie beim Export leicht zurueckgehen, im Jahresdurchschnitt ergibt sich aufgrund des statistischen Ueberhangs aus dem Jahr 1997 eine Zunahme von reichlich 6 vH (1997: 4 vH).

Das sektoral unausgewogene Wachstum fuehrt zu einer Vertiefung der Spaltung zwischen dem ost- und dem westdeutschen Arbeitsmarkt. Da die Exportbasis der ostdeutschen Industrie - und deren Wertschoepfung - immer noch vergleichsweise klein ist, kann die Wirtschaft in den neuen Bundeslaendern vom Exportboom nicht in gleicher Weise profitieren wie die in den alten Bundeslaendern. In Verbindung mit dem fortgesetzten Rueckgang der Bauinvestitionen wird daher in Ostdeutschland die Zahl der Beschaeftigten zunaechst noch weiter abgebaut, und die Arbeitslosigkeit wird nochmals steigen, waehrend sich die Arbeitsmarktperspektiven in Westdeutschland langsam verbessern.

Alles in allem kommt es 1998 zu keiner Beschleunigung des gesamtwirtschaftlichen Wachstums. Wegen des Ueberhangs Ende 1997 ergibt sich im Jahresdurchschnitt mit 2,5 vH eine etwas hoehere Rate als im Vorjahr (Tabelle 7). Dabei wird das Bruttoinlandsprodukt in Ostdeutschland mit 1,7 vH abermals schwaecher zunehmen als in Westdeutschland (2,6 vH).

BOX I
Kaufkrafttheorie des Lohnes so fragwuerdig wie Gewinntheorie des Lohnes

In der Diskussion um eine geeignete Wirtschaftspolitik zur Ueberwindung der Massenarbeitslosigkeit durch eine Belebung der Investitionstaetigkeit werden hinsichtlich der Rolle der Lohnpolitik weit auseinanderliegende Positionen vertreten. Im Kern geht es dabei um die Frage, ob Lohnabschluesse unterhalb oder oberhalb der Linie, die vom mittelfristigen Produktivitaetstrend zuzueglich der von der Notenbank tolerierten Inflationsrate gezogen wird, fuer die Anregung der Konjunktur besser geeignet sind. Diese Frage soll hier allein unter binnenwirtschaftlichen Gesichtspunkten, also fuer eine geschlossene Volkswirtschaft betrachtet werden; aussenwirtschaftliche Aspekte werden im Abschnitt "Lohnpolitik, Wettbewerbsfaehigkeit und Beschaeftigung" behandelt.

Zur Kaufkrafttheorie

Nach der sog. Kaufkrafttheorie des Lohnes kann ein Aufschwung durch Nominallohnzuwaechse initiiert werden, die oberhalb der Produktivitaetsentwicklung zuzueglich der Zielinflationsrate liegen. Eine solche Lohnentwicklung steigere - bei inflexiblen Preisen - die Kaufkraft der Arbeitnehmerhaushalte, folglich steige die reale Nachfrage. Das fuehre zu mehr Produktion und mehr Investitionen, setze so den Aufschwung in Gang und bewirke damit letztlich auch mehr Beschaeftigung.

Bei inflexiblen Preisen koennen in der Tat die realen Arbeitseinkommen und die Kaufkraft der Beschaeftigten durch die Vereinbarung hoeherer nominaler Lohnzuwaechse gesteigert werden. Wie sich die Beschaeftigung entwickelt, haengt aber von einem sehr komplexen Ablaufmuster ab. Im ersten Schritt ist nicht auszuschliessen, dass die gesamtwirtschaftliche Nachfrage (bei konstanter Beschaeftigung) unveraendert bleibt. Weil dann die Gewinneinkommen aufgrund der uebermaessigen Lohnsteigerung weit weniger, als es dem Zuwachs der Produktivitaet entspraeche, steigen oder sogar sinken, waere das ein negatives Signal fuer die Unternehmer, die darauf mit Entlassungen und geringeren Investitionen reagieren koennten. Folglich naehme im zweiten Schritt dieses Szenarios die Gesamtnachfrage sogar ab, und die Beschaeftigung ginge zurueck.

Soll eine solche Entwicklung ausgeschlossen werden, muss man unterstellen, dass die Nachfrage steigt. Dies ist auf zweierlei Weise zu begruenden. Eine Argumentationslinie baut auf die geringere Sparquote der Haushalte von Lohneinkommensbeziehern im Vergleich zu der der Haushalte von Unternehmern. Bei einer Umverteilung zugunsten der Loehne kommt es zu mehr Konsumnachfrage, weil von jeder Mark Einkommen nun mehr auf dem Guetermarkt als Nachfrage ankommt. Allerdings sinkt - bei unterschiedlichen Sparquoten - durch die Umverteilung zugunsten der Lohneinkommen die Ersparnis der privaten Haushalte insgesamt und damit das Angebot auf dem Kapitalmarkt. Folglich steigen, falls sonst nichts geschieht, die Zinsen. Wenn dieser Effekt die Nachfrage nach Investitionsguetern so stark senkt, wie die Sparquotendifferenz die Nachfrage nach Konsumguetern erhoeht, bleibt die Gesamtnachfrage konstant. Welches Ergebnis realistisch ist, kann nur empirisch entschieden werden. Auf theoretischer Ebene ist der Gesamteffekt unbestimmt.

Der zweite Argumentationsstrang baut auf einer unmittelbaren Verbesserung der Absatzsituation der Unternehmen auf. Wenn die Konsumgueternachfrage sofort steigt und die Unternehmer dies trotz der Kostenerhoehung richtig antizipieren, werden sie ihre urspruenglichen Investitionsplaene nicht nach unten revidieren. Dann koennen die Gewinne konstant bleiben, Einkommen und die Beschaeftigung nehmen zu. Dieser Fall ist aber hoechst unwahrscheinlich. Da die Gewinne keine kontraktbestimmten Fixeinkommen, sondern erfolgsabhaengige Residualeinkommen sind, werden die Unternehmer die uebermaessige Lohnsteigerung zunaechst nur als sichere Kostensteigerung wahrnehmen und nicht auf die lediglich moegliche kaufkraftbedingte Absatzsteigerung setzen. Versuchen sie sogar von vornherein, die Kostensteigerung durch Entlassungen auszugleichen, kommt die Zunahme der Kaufkraft gar nicht zustande. Gerade in einer rezessiven Situation, die hier unterstellt ist, ist ein solches Verhalten zu erwarten, denn bei schwacher Nachfrage duerften die beschaeftigten Arbeitskraefte - aehnlich wie das Kapital - ohnehin nicht voll ausgelastet sein.

Ein weiterer Aspekt ist von grosser Bedeutung: Selbst wenn die Unternehmen auf die Kaufkraftsteigerung der Arbeitnehmerhaushalte setzten und nicht mit Entlassungen reagierten, wird die uebermaessige Lohnsteigerung keinen langanhaltenden Aufschwung zur Folge haben, der zu einem hohen Beschaeftigungsstand fuehrt. Im Aufschwung werden bei knapper werdendem Arbeitskraefteangebot, mit Sicherheit hoehere Lohnsteigerungen durchgesetzt als in der rezessiven Ausgangslage. Das aber muss zu einer Inflationsrate jenseits des von der Notenbank tolerierten Verfalls des Geldwertes fuehren. Folglich wird die Notenbank dieser Gefahr fruehzeitig durch Zinssteigerungen zu begegnen versuchen. Eine solche Konfrontation von Lohn und Geldpolitik fuehrt weit frueher zu einem Ende des Aufschwungs, als es fuer das Erreichen eines hohen Beschaeftigungsstandes notwendig ist. Ein Lohnabschluss jenseits des Produktivitaetswachstums zuzueglich der von der Notenbank tolerierten Inflationsrate kann also in der Regel keine konjunkturelle Wende herbeifuehren.

Zur Gewinntheorie

Auf der anderen Seite des theoretischen Spektrums wird eine Theorie vertreten, die man Gewinntheorie des Lohnes nennen koennte. Diese geht von der Vorstellung aus, mit Lohnzuwaechsen, die hinter dem Produktivitaetszuwachs und der tolerierten Inflationsrate zurueckbleiben, koennten die Realloehne gesenkt, die Gewinne gesteigert und ueber die Staerkung der Investitionsbereitschaft der Unternehmen Arbeitsplaetze geschaffen werden. Diese Ueberlegung fusst auf ebenso unsicheren Annahmen wie die Kaufkrafttheorie.

Mit dem Rueckgang (geringeren Anstieg) der Nominalloehne sinkt - bei inflexiblen Preisen - die Kaufkraft der Beschaeftigten (steigt weniger). Die Gewinneinkommen koennen aber nur dann zunehmen und die ihnen zugedachte positive Signalwirkung entfalten, wenn die Gesamtnachfrage trotz des Kaufkraftverlusts der Arbeitnehmerhaushalte mindestens konstant bleibt.

Auch hier sind zwei Argumentationsstraenge zu beachten. Gegen eine gleichbleibende Gesamtnachfrage spricht zunaechst die hoehere Sparquote der Unternehmerhaushalte. Bereits bei konstantem Gesamteinkommen fuehrt eine Umverteilung zugunsten der Gewinneinkommen zu einem Rueckgang der Nachfrage am Guetermarkt. Doch auch hier ist die Wirkung am Kapitalmarkt gegenzurechnen. Da die gesamtwirtschaftliche Sparquote steigt, nimmt das Kapitalangebot zu, die Zinsen sinken, und die Nachfrage nach Investitionsguetern koennte steigen. Der Gesamteffekt auf die Nachfrage ist in einer theoretischen Betrachtung - wie bei der Kaufkrafttheorie - unbestimmt, kann also nicht Grundlage einer theoriegeleiteten Kritik an der Gewinntheorie des Lohnes sein.

Der zweite Argumentationsstrang baut auch hier auf einer unmittelbaren Verbesserung der Gewinnsituation auf. Wie aber koennen die Gewinneinkommen im Gefolge der Umverteilung steigen? Der Lohnabschluss wird von den Unternehmern - ganz analog zu der Argumentation gegen die Kaufkrafttheorie - unmittelbar als Kostenentlastung interpretiert. Dies fuer sich genommen beeinflusst die Gewinnerwartungen und damit die Investitionsbereitschaft zweifellos positiv. Wenn diesem Effekt aber eine Verschlechterung auf der Nachfrageseite gegenuebersteht, kann per saldo wiederum nicht mit Sicherheit auf eine Belebung der Investitionen und hoehere Beschaeftigung geschlossen werden.

Wenn die kontraktbestimmten Einkommen der Arbeitnehmer real sogar sinken, sinkt auch die Nachfrage am Guetermarkt, wenn die Unternehmen nicht unmittelbar soviele Arbeitsplaetze schaffen, dass dieser Ausfall ausgeglichen wird. Das aber unterstellt auch diese Theorie nicht, da sie ansonsten nicht auf der Annahme hoeherer Gewinne und steigender Investitionen fussen koennte. Um einen Rueckgang der Gesamtnachfrage zu verhindern, muesste die Konsumnachfrage der Unternehmerhaushalte in entsprechender Groessenordnung zunehmen und den Nachfrageausfall von Seiten der Arbeitnehmerhaushalte ausgleichen. Dagegen spricht schon die Tatsache, dass die Unternehmerhaushalte einen sehr geringen Anteil am Konsum der privaten Haushalten insgesamt haben. Die Unternehmerhaushalte muessten noch vor Ablauf der Produktionsperiode auf eine hohe Gewinnsteigerung setzen und sich dadurch zu einem entsprechend steigenden Konsum anregen lassen. Viel wahrscheinlicher ist deshalb, dass die Unternehmer wegen des residualen Charakters ihrer Einkommen zwar die Kostenentlastung positiv zur Kenntnis nehmen, den zu erwartenden Rueckgang der Nachfrage von Seiten der Arbeitnehmerhaushalte aber gegenrechnen oder zumindest abwarten, wie sich die Nachfragesituation entwickelt. Ob sich daraus eine Anregung fuer die Investitionstaetigkeit ergibt, ist wiederum eine theoretisch nicht zu entscheidende Frage. Dass die Unternehmen trotz der geringeren Lohnsumme einen Ertragsrueckgang nicht unterstellen, hat die gleiche Wahrscheinlichkeit wie im Falle der Kaufkrafttheorie die Annahme, die Unternehmer glaubten an eine kaufkraftbedingte Absatzsteigerung.

Zu beruecksichtigen ist, dass diese Strategie bei ausbleibenden Erfolgen am Arbeitsmarkt von Seiten der Arbeitnehmer nicht ueber mehrere Jahre hinweg toleriert werden duerfte. Um so gravierender sind die Folgen, wenn in einer anhaltenden Phase der Unterauslastung Forderungen durchgesetzt werden, die die Umverteilung zugunsten der Gewinneinkommen rueckgaengig machen, und ein Konflikt mit der Geldpolitik entsteht, weil eine fruehzeitige Inflationsbeschleunigung nicht auszuschliessen ist.

Gegen die Gewinntheorie des Lohnes spricht aber vor allem die Annahme inflexibler Gueterpreise. Die Unternehmen werden gerade in einer Phase der Unterauslastung die Kostenentlastung nutzen wollen, um ihre Gewinnsituation durch eine Steigerung ihrer Marktanteile zu verbessern. Marktanteilsgewinne koennen sie aus einzelwirtschaftlicher Sicht durch Preissenkungen erzielen. Der Unternehmenssektor insgesamt kann jedoch keine MArktanteile gewinnen und somit auf diesem Wege auch keine hoeheren Gewinne erzielen. Verfolgen alle Unternehmen eine Preissenkungsstrategie, sinkt lediglich das gesamtwirtschaftliche Preisniveau. Eine Investitions- und Beschaeftigungsbelebung wird so nicht initiiert. Die Realloehne bleiben unveraendert oder sinken weniger stark als erwartet.

Gegen die Gewinntheorie des Lohnes spricht auch die Gefahr einer auf Dauer geldpolitisch unhaltbaren Entwicklung. Bei einer im Ausgangszustand ohnehin schon niedrigen Inflationsrate droht diese Lohnstrategie zu einer Deflation zu fuehren, die fuer die Investitionsbereitschaft der Unternehmen spaetestens dann fatale Konsequenzen hat, wenn die kurzfristigen Zinsen nahe Null sind. Denn dann steigt der Realzins, ohne dass die Geldpolitik dem noch entgegentreten koennte.

[1] Der reale Aussenwert einer Waehrung ist der nominale Aussenwert dividiert durch das Preis- oder Lohnstueckkostengefaelle "Ausland gegenueber Inland". Dabei versteht man unter dem nominalen Aussenwert die Summe der mit Handelsanteilen gewichteten Wechselkurse der Waehrung gegenueber den Waehrungen der Handelspartnerlaender, wobei der Wechselkurs definiert ist als Zahl der auslaendischen Waehrungseinheiten pro inlaendischer Waehrungseinheit. Zu einer Veraenderung des realen Aussenwertes kommt es, wenn sich der nominale Aussenwert nicht in gleichem Ausmass aendert wie das Preis- bzw. Lohnstueckkosten gefaelle.

[2] Sachverstaendigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Jahresgutachten 1997/98, November 1997, Ziffer 268.

[3] Die Baukonjunktur war immer besonderen institutionellen Veraenderungen unterworfen, weshalb der Verlauf der Bauinvestitionen in diese Betrachtung nicht sinnvoll miteinbezogen werden kann. Dennoch spielt die Bauwirtschaft keine zu vernachlaessigende Rolle fuer die konjunkturelle Entwicklung.

[4] Die Entwicklung der Ausruestungsinvestitionen in den Jahren 1983 bis 1985 war allerdings durch Foerderprogramme verzerrt. So sprangen die Investitionen zunaechst mit vierteljaehrlichen Wachstumsraten von 5 vH an, 1984 verlangsamte sich das Wachstumstempo wieder deutlich.

[5] Dazu traegt auch die Koppelung der Renten an die nominale Entwicklung der (frueher Brutto-, heute Netto-) Arbeitseinkommen bei.

[6] Eine Ausnahme im parallelen Verlauf von Reallohn und Verbrauch stellt die Phase 1974/75 dar, in der der private Verbrauch wesentlich frueher einbrach als die Bruttoarbeitseinkommen. Dies stand in Zusammenhang mit einer Steuerreform und Aenderungen beim Kindergeld.

[7] Sachverstaendigenrat, a.a.O., Ziffer 20.

[8] Von allen Unternehmen gleichzeitig versuchte Preisunterbietung auf den inlaendischen Maerkten kann im Hinblick auf Marktanteilsgewinne logischerweise nicht erfolgreich sein.

 
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Tabelle 5                                                                       
                    Reale Bauinvestitionen (1) in Deutschland                   
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                            1996     1997     1998      1996     1997     1998  
                                    Mrd.DM                Veraenderung in vH    
                                                        gegenueber dem Vorjahr  
Wohnungsbau                219,2    216,2    214,5       0,1     -1,4     -0,8  
  Westdeutschland          167,5    164,9    165,7      -1,8     -1,5      0,5  
  Ostdeutschland            51,7     51,3     48,7       6,5     -0,8     -5,0  
                                                                                
Wirtschaftsbau             123,3    117,1    115,1      -6,7     -5,0     -1,7  
  Westdeutschland           82,4     79,3     78,8      -5,2     -3,7     -0,6  
  Ostdeutschland            40,9     37,7     36,2      -9,7     -7,6     -4,0  
                                                                                
Oeffentlicher Bau           58,9     56,2     54,8      -6,8     -4,6     -2,4  
  Westdeutschland           38,5     36,8     36,0      -8,2     -4,3     -2,1  
  Ostdeutschland            20,4     19,4     18,8      -3,9     -5,0     -2,9  
Bauinvestitionen insgesamt 401,3    389,4    384,3      -3,1     -3,0     -1,3  
  Westdeutschland          288,4    281,1    280,6      -3,7     -2,5     -0,2  
  Ostdeutschland           112,9    108,4    103,8      -1,8     -4,0     -4,3  
                                                                                
------------------------------------------------------------------------------- 
1) In Preisen von 1991                                                          
Quellen: 1996 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ( vgl.Fachserie 18:    
Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen).1997 und 1998 Schaetzungen bzw.          
Prognose des DIW.                                                               
=============================================================================== 
 
------------------------------------------------------------------------------- 
Tabelle 6                                                                       
          Be- und Entlastung durch Senkung des Solidaritaetszuschlags           
                        und Anhebung der Mehrwertsteuer                         
------------------------------------------------------------------------------- 
                                                                                
Arbeitnehmer mit Steuerklasse III/1                                             
                                                                                
 Einkommen                        40 000      60 000      80 000      130 000   
 Einkommensteuer 97 (1)           -1 172       4 127      10 932       28 158   
 Einkommensteuer 98 (1)           -1 314       3 891      10 595       27 622   
 Entlastung durch Soli-Zuschlag      142         236         337          536   
 Umsatzsteuer-Mehrbelastung          137         184         228          370   
 Entlastung insgesamt                  5          52         109          166   
                                                                                
Arbeitnehmer mit Steuerklassse I (Ledig)                                        
                                                                                
 Einkommen                        40 000      60 000      80 000      130 000   
 Einkommensteuer 97                6 552      13 324      21 056       46 091   
 Einkommensteuer 98                6 367      13 062      20 659       45 225   
 Entlastung durch Soli-Zuschlag      185         262         397          866   
 Umsatzsteuer-Mehrbelastung          105         145         184          291   
 Entlastung insgesamt                 80         117         213          575   
                                                                                
Transfereinkommensbezieher                                                      
                                                                                
 Einkommen                        12 000 (Student)        30 000 (Rentner)      
 Umsatzsteuer-Mehrbelastung           43                     119                
                                                                                
                                                                                
------------------------------------------------------------------------------- 
(1) Abzueglich Kindergeld bzw. einschliesslich steuerlicher Kinderfreibetrag.   
Quelle: Berechnungen des DIW.                                                   
=============================================================================== 
 
------------------------------------------------------------------------------- 
Tabelle 7                                                                       
           Eckdaten der Prognose fuer die Bundesrepublik Deutschland            
------------------------------------------------------------------------------- 
                                                                                
                                 Bundesrepublik Deutschland   Westdeutschland   
                                   1996     1997     1998     1996     1997     
Bruttoinlandsprodukt (1)                                                        
  (Veraenderung in vH                                                           
  gegenueber dem Vorjahr)           1,4      2,2      2,5      1,3      2,3     
                                                                                
Erwerbstaetige (2)                                                              
  (1000 Personen)                 34460    33985    33880    28166    27870     
                                                                                
Arbeitslose                                                                     
  (1000 Personen)                  3965     4385     4510     2796     3030     
                                                                                
Arbeitslosenquote (3)                                                           
  (in vH)                          10,3     11,4     11,8      9,0      9,8     
                                                                                
Verbraucherpreise (4)                                                           
  (Veraenderung in vH                                                           
  gegenueber dem Vorjahr)           1,5      1,8      2,1      1,4      1,7     
                                                                                
Lohnstueckkosten (5)                                                            
  (Veraenderung in vH                                                           
  gegenueber dem Vorjahr)          -0,4     -1,7     -1,0     -0,3     -1,7     
                                                                                
Finanzierungssaldo                                                              
des Staates (6) (Mrd.DM)         -124,3   -121,4   -101,8        -        -     
nachr.:                                                                         
  Defizitquote des Staates (7)                                                  
  (in vH)                          -3,5     -3,3     -2,7        -        -     
                                                                                
Leistungsbilanzsaldo (8)                                                        
  (Mrd.DM)                        -19,7     -4,0     35,0        -        -     
                                                                                
------------------------------------------------------------------------------- 
                                                                                
                                                                                
------------------------------------------------------------------------------- 
                                                                                
                                    West-        Ostdeutschland                 
                                   deutschl.                                    
                                    1998     1996     1997     1998             
Bruttoinlandsprodukt (1)                                                        
  (Veraenderung in vH                                                           
  gegenueber dem Vorjahr)            2,6      2,0      1,6      1,7             
                                                                                
Erwerbstaetige (2)                                                              
  (1000 Personen)                  27840     6294     6115     6040             
                                                                                
Arbeitslose                                                                     
  (1000 Personen)                   3010     1169     1355     1500             
                                                                                
Arbeitslosenquote (3)                                                           
  (in vH)                            9,8     15,7     18,1     19,9             
                                                                                
Verbraucherpreise (4)                                                           
  (Veraenderung in vH                                                           
  gegenueber dem Vorjahr)            2,0      2,2      2,1      2,3             
                                                                                
Lohnstueckkosten (5)                                                            
  (Veraenderung in vH                                                           
  gegenueber dem Vorjahr)           -0,9     -0,7     -1,8     -1,1             
                                                                                
Finanzierungssaldo                                                              
des Staates (6) (Mrd.DM)               -        -        -        -             
nachr.:                                                                         
  Defizitquote des Staates (7)                                                  
  (in vH)                              -        -        -        -             
                                                                                
Leistungsbilanzsaldo (8)                                                        
  (Mrd.DM)                             -        -        -        -             
                                                                                
------------------------------------------------------------------------------- 
(1) In Preisen von 1991.                                                        
(2) Im Inland.                                                                  
(3) Arbeitslose in vH der inlaendischen Erwerbspersonen (Wohnortkonzept);       
West-und Ostdeutschland: Arbeitslose in vH der Erwerbspersonen im Inland        
(Beschaeftigungsortkonzept).                                                    
(4) Preisindex fuer die Lebenshaltung aller privaten Haushalte.                 
(5) Im Inland entstandene Bruttoeinkommen aus unselbstaendiger Arbeit bezogen   
auf das Bruttoinlandsprodukt in Preisen von 1991.                               
(6) In der Abgrenzung der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung.                 
(7) Finanzierungssaldo des Staates in vH des nominalen Bruttoinlandsproduktes.  
(8)In der Abgrenzung der Zahlungsbilanzstatistik.                               
Quellen: Statistisches Bundesamt;Deutsche Bundesbank;Bundesanstalt fuer         
Arbeit;Berechnungen des DIW;1997 und 1998 Schaetzungen bzw. Prognose des DIW.   
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Wochenbericht 1-2/98