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Nukleare Umweltgefaehrdung in Russland


Bearbeiter

Ulrich Weissenburger



Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor 10 Jahren hat die Risiken verdeutlicht, die mit dem Betrieb der Nuklearanlagen in den Nachfolgestaaten der UdSSR verbunden sein koennen. Insbesondere in Russland ist das Gefahrenpotential ausserordentlich gross, da hier die groesste Zahl an militaerischen und zivilen Nuklearanlagen konzentriert ist. Insgesamt mehr als 13 000 Betriebe gehen mit radioaktivem Material um. In vielen Anlagen bestehen grosse Sicherheitsdefizite, die sich in den letzten Jahren wegen der Finanzprobleme der Nuklearbetriebe, ihrer unzureichenden Belieferung mit kerntechnischer Ausruestung und Ersatzteilen sowie des zunehmenden Mangels an qualifiziertem Personal sogar noch verschaerft haben. Erhebliche Konstruktionsmaengel weisen die Kernkraftwerke der Typen WWER-440 und des Tschernobyl-Typs RBMK-1000 auf. Eine mindestens ebenso grosse Gefahrenquelle sind die Anlagen zur Plutoniumerzeugung und zur Wiederaufbereitung von Kernbrennstoffen. Grosse Risiken sind auch mit der Deponierung radioaktiver Abfaelle und abgebrannter Kernbrennstoffe verbunden. Ihre gesamte Strahlenaktivitaet betraegt etwa 7 Mrd. Curie. Der Atommuell ist ueberwiegend in Zwischenlagern deponiert, die vielfach den geltenden Sicherheitsbestimmungen nicht entsprechen. Noch nicht geklaert ist die nukleare Entsorgung der Reaktoren, die sich auf den ausser Dienst gestellten AtomU-Booten befinden. Wegen der Umweltrisiken, die durch die nuklearen Abfaelle verursacht werden, hat die russische Regierung im Oktober 1995 ein Aktionsprogramm beschlossen, dessen Schwerpunkt in der Errichtung neuer Deponiekapazitaeten liegt. Das Ende November 1995 in Kraft getretene Gesetz ueber die Nutzung der Atomenergie soll dazu beitragen, die staatliche Atomaufsicht zu verbessern.


Das Gefaehrdungspotential durch Nuklearanlagen insgesamt

Die wichtigsten Bereiche des nuklearen Komplexes in der Russischen Foederation sind die Kernkraftwerke, die Unternehmen des Brennstoffzyklus, der Uranbergbau und die Unternehmen der Hydrometallurgie, die Armee und die Ruestungsindustrie, wissenschaftliche Forschungsinstitute und verschiedene Betriebe in anderen volkswirtschaftlichen Sektoren. Die Gesamtzahl der Betriebe und Einrichtungen, die mit radioaktivem Material umgehen und von denen eine potentielle Gefahr fuer die nukleare Sicherheit ausgeht, betraegt ueber 13 000. Die Einhaltung der geltenden Sicherheitsvorschriften ist in einem grossen Teil dieser Unternehmen offensichtlich nicht gewaehrleistet, so dass der Betrieb der Nuklearanlagen mit erheblichen Umweltrisiken verbunden ist. So gelten die Sicherheitsstandards nahezu aller Forschungsreaktoren als unzureichend. Allein im Jahr 1993 stellte die staatliche Atomkontrollbehoerde rund 20 000 Verstoesse gegen Sicherheitsbestimmungen fest. Wegen der Finanzprobleme der Unternehmen der Atomwirtschaft, ihrer unzureichenden Belieferung mit Ausruestung und Ersatzteilen und des zunehmenden Mangels an qualifiziertem Personal haben sich die Sicherheitsdefizite in den letzten Jahren sogar noch verschaerft [1].

Die radioaktiven Belastungen der Umwelt durch die Nuklearanlagen sind auch im Normalbetrieb betraechtlich. Die dem Ministerium fuer Atomenergie unterstellten Unternehmen leiteten 1993 nach Angaben des russischen Umweltministeriums 6,5 Mill. m3 belastete Abwaesser in die Gewaesser ein, wobei Radionuklide mit einer Strahlenaktivitaet von 31 000 Curie freigesetzt wurden. Die radioaktiven Emissionen der Unternehmen der Atomwirtschaft wurden fuer 1993 mit 437 000 Curie angegeben (414 000 Curie inerte radioaktive Gase, 12 500 Curie Radon-222 und 10 500 Curie Tritium) [2]. Im Jahr 1994 stieg die Einleitung belasteter Abwaesser durch die Atomwirtschaft auf 6,9 Mill. m3, die Emissionen inerter radioaktiver Gase sanken um 30 vH, von Radon-222 um 36 vH und von Tritium um 34 vH. Die Emissionen langlebiger Radionuklide erhoehten sich demgegenueber um 41 vH [3]. Unter den Kernkraftwerken haben die Kraftwerke mit den Reaktoren vom Tschernobyl-Typ RBMK-1000 (Kursk, Smolensk und Sosnowi Bor) die mit Abstand hoechsten radioaktiven Emissionen. Bei inerten radioaktiven Gasen lag ihr Anteil 1994 bei 91 vH, bei langlebigen Radionukliden betrug er 95 vH und bei Jod-131 waren es 94 vH (vgl. Tabelle 1).

Sicherheitsdefizite in den Kernkraftwerken

In Russland gibt es derzeit 9 Kernkraftwerke mit 29 Reaktorbloecken und einer Bruttoleistung von 21 242 MW, deren Anteil an der Stromproduktion 1995 bei 11,5 vH lag. Standorte von Kernkraftwerken sind:
- Balakowo mit 4 Reaktorbloecken vom Typ WWER-1000;
- Belojarsk mit einem Reaktorblock vom Typ BN-600 (Schneller Brueter);
- Bilibino mit 4 Reaktorbloecken vom Typ GLWR;
- Kalinin mit 2 Reaktorbloecken vom Typ WWER-1000;
- Kola mit 4 Reaktorbloecken vom Typ WWER-440;
- Kursk mit 4 Reaktorbloecken vom Tschernobyl-Typ RBMK-1000;
- Nowoworonesh mit 2 Reaktorbloecken vom Typ WWER-440 und 1 Reaktorblock vom Typ WWER-1000;
- Smolensk mit 3 Reaktorbloecken vom Typ RBMK-1000;
- Sosnowi Bor (Leningrader Gebiet) mit 4 Reaktorbloecken vom Typ RBMK-1000.

Im Bau befinden sich drei Reaktorbloecke vom Typ WWER-1000 (Balakowo-5, Kalinin-3 und Rostow-1), ein Reaktorblock vom Typ RBMK-1000 (Kursk-5), zwei Brutreaktorbloecke vom Typ BN-800 (Belojarsk-4 und Ural 1) und ein Kernheizwerk (Woronesch-1) [4].

Die Kernkraftwerke Russlands informieren die Internationale Atomenergie- Organisation (IAEO) in Wien jaehrlich ueber ihre Betriebsergebnisse. Die veroeffentlichten Daten beziehen sich allerdings nur auf Vorkommnisse, die Einfluss auf die betriebliche Anlagenverfuegbarkeit haben. Aus diesen Angaben ergibt sich, dass in russischen Kernkraftwerken etwa zwei- bis dreimal so viele Betriebsstoerungen auftreten wie in deutschen Kernkraftwerken. Dies ist vor allem auf mangelnde Qualitaetssicherung und eine veraltete Leittechnik zurueckzufuehren [5].

Eine im Auftrag der Bundesregierung durchgefuehrte Sicherheitsanalyse der Gesellschaft fuer Anlagen- und Reaktorsicherheit fuer die Reaktortypen WWER- 440 und WWER-1000 kommt zu dem Ergebnis, dass die aelteren Kernkraftwerke vom Typ WWER-440 praktisch nicht nachruestbar sind. Diese Reaktoren haben kein Containment. Die Notkuehleinrichtungen sind zu schwach ausgelegt und nicht in ausreichender Anzahl vorhanden. Brand- und Ueberflutungsschutz sind unterentwickelt. Da die Druckwasserreaktoren oft platzsparend nebeneinander installiert wurden, ist eine gegenseitige sicherheitsgefaehrdende Beeinflussung in einem Notfall wahrscheinlich. Die neueren Kernkraftwerke vom Typ WWER-440 sowie die Kraftwerke vom Typ WWER-1000 koennen zwar durch Nachruestmassnahmen prinzipiell auf einen den internationalen Sicherheitsanforderungen entsprechenden Stand gebracht werden, doch bleiben in bestimmten Teilbereichen jedoch Defizite. Bei den Reaktoren vom Typ RBMK- 1000 vertreten westliche Experten ebenso wie bei den aelteren WWER-440 Reaktoren die Auffassung, dass sie nicht den international ueblichen Mindestanforderungen an die kerntechnische Sicherheit genuegen. Dieser Reaktortyp ist primaer wegen seiner militaerischen Nutzbarkeit gebaut worden. Er bietet die Moeglichkeit, mit relativ geringem technischem und zeitlichem Bauaufwand bei unterbrechungsfreiem Betrieb und hoher Verfuegbarkeit Plutonium fuer die Waffenproduktion abzuzweigen. Die Sicherheitsnachteile wie das Fehlen eines Containments, einer Leckageueberwachung und eines ausreichenden Brandschutzes wurden dafuer in Kauf genommen [6].

1994 kam es in den russischen Kernkraftwerken zu 127 Stoerfaellen (1993: 159 Stoerfaelle). So musste im Februar 1994 der erste Block des Kraftwerks Sosnowi Bor wegen einer undichten Schweissnaht im Kuehlsystem stillgelegt werden. Im Maerz 1994 kam es wegen eines Lecks im Kuehlsystem zur Abschaltung des dritten Reaktorblocks des Kernkraftwerks auf der Halbinsel Kola. Bei einer Generalueberholung brach im Mai 1994 im dritten Reaktorblock des Kernkraftwerks Belojarsk ein Feuer aus. Radioaktivitaet gelangte nach offiziellen Angaben nur im letzten Fall in die Umwelt. In den Jahren 1991 bis 1993 wurden 12 groessere Stoerfaelle verzeichnet, bei denen das Kraftwerksgelaende radioaktiv belastet wurde oder sogar Radioaktivitaet in die Umwelt freigesetzt wurde [7].

Umweltgefaehrdung durch die Nuklearanlagen zur Plutoniumerzeugung und zur Wiederaufbereitung von Kernbrennstoffen

Eine mindestens ebenso grosse Gefahrenquelle fuer die Umwelt wie die Kernkraftwerke sind die zum "militaerischindustriellen Komplex" gehoerenden Anlagen des "Brennstoffzyklus", d.h. zur Plutoniumerzeugung und zur Wiederaufbereitung von Kernbrennstoffen. Drei Unternehmen, in denen sich bereits mehrfach groessere Stoerfaelle ereignet haben, sind innerhalb des "Brennstoffzyklus" von besonderer Bedeutung:

- Die Produktionsvereinigung "Majak", deren Anlagen sich in Ozersk (frueherer Name: Tscheljabinsk-65) befinden.

- Das Sibirische Chemiekombinat (SChK) mit dem Standort Seversk (frueherer Name: Tomsk-7).

- Das Krasnojarsker Bergbau- und Chemiekombinat (GChK) mit seinen Nuklearanlagen in Zheleznogorsk (frueherer Name: Krasnojarsk-26).

Die Produktionsvereinigung "Majak" nahm 1948 ihren Betrieb auf. Sie war das erste Unternehmen in der ehemaligen Sowjetunion fuer die Erzeugung von Waffenplutonium. Hierfuer wurden fuenf Uran-Graphit-Reaktoren errichtet, die mittlerweile alle stillgelegt wurden (vgl. Tabelle 2). Plutonium wird derzeit noch in einem Leichtwasserreaktor und in einem Schwerwasserreaktor erzeugt. Seit 1977 werden hier abgebrannte Kernelemente der Reaktoren vom Typ WWER-440 und vom Typ Schneller Brueter sowie die Kernbrennstoffe aus der Kriegsmarine wiederaufgearbeitet. In den Nuklearanlagen der Produktionsvereinigung "Majak" wurden seit der Inbetriebnahme des Komplexes zahlreiche schwere Stoerfaelle verzeichnet. Waehrend seiner bisherigen Taetigkeit emittierte dieses Unternehmen radioaktive Stoffe mit einer summarischen Strahlenaktivitaet von 150 Mill. Curie in die Umwelt, dreimal so viel wie bei dem Reaktorunfall von Tschernobyl freigesetzt wurden. Bis zum Jahr 1956 wurden in den Fluss Tetscha 76 Mill. m3 fluessige Nuklearabfaelle und radioaktive Abwaesser eingeleitet. Die natuerliche Belastung des Wassers mit Strontium-90 wird stellenweise um das 1000-fache ueberschritten. Trotz der Stillegung der fuenf Uran-GraphitReaktoren geht von den Nuklearanlagen, die sich noch in Betrieb befinden, eine betraechtliche Gefahr fuer die Umwelt aus. So ergaben 1992 durchgefuehrte Messungen, dass seit der Inbetriebnahme der Wiederaufbereitungsanlage die Belastung der Umwelt mit Plutonium stark gestiegen ist. An der Grenze der Sanitaerschutzzone des Betriebsgelaendes erreicht die Plutoniumkonzentration im Boden 28 000 Bq/m2 und im Umkreis von 40 km bis zu 6 000 Bq/m2 (Grenzwert: 3 700 Bq) [8]. Zudem gab es auch in den letzten Jahren wiederholt kleinere Stoerfaelle. Allein fuer die Jahre 1993 und 1994 verzeichnen die Berichte des Umweltministeriums vier Zwischenfaelle, bei denen Radioaktivitaet in die Umwelt gelangte [9].

Der Nuklearkomplex des Sibirischen Chemiekombinats in Seversk (Tomsk-7), der 1953 in Betrieb genommen wurde, ist gegenwaertig in Russland die groesste Produktionsstaette von Waffenplutonium und angereichertem Uran. Von den hier errichteten fuenf Uran-Graphit-Reaktoren sind noch zwei in Betrieb, in denen weiterhin Waffenplutonium erzeugt wird und die ausserdem die Stadt Tomsk mit Fernwaerme und Strom versorgen. Die radioaktive Belastung der Umwelt durch die Anlagen von Tomsk-7 ist deutlich geringer als diejenige in der Umgebung von Tscheljabinsk-65, jedoch gibt es auch hier Flaechen mit einer betraechtlichen Konzentration von Plutonium. Im Flussbett des Tom wurden ausserdem starke Belastungen mit Kobalt-58, Chrom-51 und Zink-65 nachgewiesen. Am 6. April 1993 kam es in diesem Nuklearkomplex zu dem bislang schwersten Stoerfall seit der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Waehrend eines Prozesses, bei dem aus den abgebrannten Brennelementen von Kernkraftwerken Plutonium und Uran von radioaktiven Abfallstoffen getrennt werden, kam es in einem mit knapp 9 000 kg Uran und 310 g Plutonium gefuellten Tank nach einem Versagen der Sicherheitssysteme wegen Ueberdrucks und ueberhoehter Temperatur zu einer Explosion. Bei dem Unglueck wurden verschiedene kurzlebige Radionuklide (primaer Ruthenium-106, Niobium-95 und Zirkonium-95) mit einer Strahlungsaktivitaet von 40 bis 50 Curie in die Umwelt freigesetzt. Eine Flaeche von 100 km2 wurde verstrahlt [10].

Auf dem Gelaende des Krasnojarsker Bergbau- und Chemiekombinats bei Zheleznogorsk (Krasnojarsk-26) produziert derzeit noch einer von insgesamt drei Uran-Graphit-Reaktoren Waffenplutonium. Geplant ist hier der Bau einer Wiederaufbereitungsanlage fuer die abgebrannten Kernbrennstoffe aus den WWER-1000 Reaktoren und eine Produktionsanlage fuer MOXBrennstoffe. Durch die Einleitung der Abwaesser dieses Kombinates ist der Jenissej mit zahlreichen radioaktiven Stoffen kontaminiert, darunter Chrom-51 und Caesium-137. An den Uferstreifen des Jenissej wurde 1993 eine Caesium-137- Belastung des Bodens bis zu 1,4 Curie/km2 gemessen. An einzelnen Stellen sind das Flusswasser und das Ufer mit Plutonium-238 und -239 belastet. Ausserdem wurden in der Umgebung des Unternehmens auch Bodenbelastungen mit Kobalt-60, Europium-152 und Zink-65 nachgewiesen [11].

Trotz des grossen Gefahrenpotentials sind die Sicherheitsvorkehrungen in den Unternehmen des "Brennstoffzyklus" durchweg unzureichend. Die vorhandenen Kontrollgeraete zur Ueberwachung der technischen Prozesse sind veraltet und unzuverlaessig. Automatische Systeme zur Kontrolle der radioaktiven Belastung im Umkreis der Anlagen fehlen [12].

Umweltgefaehrdung durch radioaktive Abfaelle

Ein erhebliches Risikopotential ist mit der Deponierung von radioaktiven Abfaellen verbunden. Die hieraus resultierenden Gefahren bestehen sowohl in der Moeglichkeit schwerer Stoerfaelle (z.B. durch Explosionen) als auch in der langfristigen Freisetzung von Radioaktivitaet. Die summarische Strahlenaktivitaet der deponierten Nuklearabfaelle und abgebrannten Brennelemente betraegt etwa 7 Mrd. Curie (Nuklearabfaelle: 2,3 Mrd. Ci; abgebrannte Brennelemente: 4,65 Mrd. Ci; vgl. Tabellen 3 und 4). Sie erreicht damit etwa das 100fache der Radioaktivitaet, die bei der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl freigesetzt wurde.

Die groesste Atommuelldeponie befindet sich auf dem Gebiet der Produktionsvereinigung "Majak" im Gebiet von Tscheljabinsk. Die hier gelagerten Nuklearabfaelle haben nach Angaben des russischen Umweltministeriums eine Strahlenaktivitaet von 1,5 Mrd. Curie. Ein grosser Teil dieser Abfaelle besteht aus hochaktiven Schlaemmen und Loesungen, die in Spezialbehaeltern gelagert werden. Mittelaktive fluessige Nuklearabfaelle mit einer Strahlenaktivitaet von 120 Mill. Curie sind im Karatschai-See deponiert worden [13].

Auf dem Gelaende des sibirischen Chemiekombinats in Seversk (Tomsk-7) befinden sich in einer unterirdischen Deponie ungefaehr 40 Mill. m3 radioaktive Schlaemme, deren Gesamtaktivitaet auf bis zu 1 Mrd. Curie beziffert wird. Teilweise handelt es sich hier um hochaktive plutoniumhaltige Abfaelle. Nach Schaetzungen duerften diese Schlaemme mehrere Dutzend Kilogramm Plutonium enthalten. Ausserdem werden auf dem Gelaende dieses Kombinats an etwa 50 Stellen radioaktive Schlaemme und feste Nuklearabfaelle mit einer Strahlenaktivitaet von 125 Mill. Curie gelagert, ein Teil davon in offenen Deponien [14].

Die dritte grosse Atommuelldeponie befindet sich auf dem Gelaende des Bergbau- und Chemiekombinats von Krasnojarsk bei Zheleznogorsk (Krasnojarsk- 26). Nach offiziellen Angaben werden hier 1 000 t abgebrannte Brennelemente der Kernkraftwerke vom Typ WWER-1000 mit einer Strahlenaktivitaet von 500 Mill. Curie gelagert, die Atomueberwachungsbehoerde bezifferte 1993 die Menge der auf dem Gelaende von Krasnojarsk26 deponierten Nuklearabfaelle auf 4 Mill. m3 mit einer Strahlenaktivitaet von 700 Mill. Curie [15].

Die Sicherheitsstandards der von den Unternehmen des "Brennstoffzyklus" betriebenen Deponien fuer Nuklearabfaelle sind auch nach Aussagen russischer Experten nicht ausreichend, um die Gefahr schwerer radioaktiver Stoerfaelle auszuschliessen. Der groesste Teil der radioaktiven Abfaelle befindet sich in Zwischenlagern auf dem Unternehmensgelaende. Viele Deponien sind in den fuenfziger und sechziger Jahren angelegt worden, die in der Regel den heute geltenden Sicherheitsanforderungen nicht entsprechen. Umweltvertraeglichkeitspruefungen wurden bei der Anlage dieser Deponien nicht durchgefuehrt. Die Inbetriebnahme und der Betrieb der Deponien erfolgte oft ohne technisch fundierte Sicherheitsvorkehrungen, ohne ausgearbeitete Bauplaene und ohne Genehmigung der Ueberwachungsbehoerden. In einigen Unternehmen werden radioaktiv belastete Abfaelle unter freiem Himmel gelagert, so dass es zu radioaktiven Emissionen in die Umwelt kommt. Nuklearabfaelle mit einer Aktivitaet von 700 Mill. Curie sind in offenen Spezialbecken oder in Gewaessern deponiert worden, bei denen die Freisetzung radioaktiver Teile in die Umwelt nicht auszuschliessen ist [16].

In den Zwischenlagern der Kernkraftwerke befinden sich 6 100 t abgebrannte Brennstoffe der RBMK-Reaktoren mit einer Strahlenaktivitaet von 3 Mrd. Curie und 1 100 t der WWERReaktoren mit einer Strahlenaktivitaet von 900 Mill. Curie. Die Endlagerung dieser Brennelemente ist nicht gesichert, ein Entsorgungskonzept fehlt. Ausserdem lagern in den Deponien der Kernkraftwerke 286 000 m3 fluessige und feste radioaktive Abfaelle mit einer Aktivitaet von 44 000 Curie, bei denen es sich ueberwiegend um Abfaelle mit schwacher und mittlerer Aktivitaet handelt. Die Menge der hochaktiven Nuklearabfaelle betraegt weniger als 1 vH. In den naechsten 15 Jahren wird mit einem Aufkommen von 700 000 m3 fluessiger und 500 000 m3 fester Nuklearabfaelle in den Kernkraftwerken gerechnet, deren Deponierung und Verarbeitung derzeit noch nicht gesichert sind. Bereits jetzt haben einige Zwischenlager in den Atomkraftwerken ihre Kapazitaetsgrenze nahezu erreicht (vgl. Tabelle 5), so dass bei Stoerfaellen keine hinreichenden Moeglichkeiten zur Deponierung kontaminierter Stoffe bestehen. Die vorhandenen Kapazitaeten der Zwischenlager fuer feste Nuklearabfaelle koennen zudem nicht vollstaendig ausgenutzt werden, da eine Sortierung der Abfaelle nach Art und Stoffen in der Regel nicht stattfindet [17].

Insbesondere beim Umgang mit radioaktiven Schlaemmen in den Kernkraftwerken werden die Sicherheitsvorschriften und die bestehenden Richtlinien des Gesundheitsschutzes oft nicht beachtet, wodurch es oefter zu einer erhoehten radioaktiven Belastung in den Gebaeuden und auf dem Gelaende der Kraftwerke und zum Freiwerden von Radioaktivitaet in die Umwelt kommt. Die unzureichenden Sicherheitsstandards und die mangelhafte Einhaltung von Sicherheitsrichtlinien wurden auch bei einer Reihe von Stoerfaellen im Zusammenhang mit der Lagerung radioaktiver Abfaelle in den russischen Kernkraftwerken deutlich.

So gelangte auf der Deponie fuer radioaktive Schlaemme des Kernkraftwerks von Nowoworonesh 1985 radioaktiv belastetes Wasser dauerhaft in das Grundwasser. 1991 kam es durch radioaktive Abfaelle auf dem Gelaende dieses Atomkraftwerks zu einer Belastung der Umwelt mit Strontium-90 und Caesium- 137. Wegen einer undichten Stelle in einer Deponie fuer nukleare Schlammrueckstaende des Atomkraftwerks Kola wurde 1989 das Grundwasser mit Kobalt-60 kontaminiert. Im September 1992 wurde das Gelaende des Kernkraftwerks Kola durch radioaktives Wasser kontaminiert, das aus einem defekten Tank austrat. Der Defekt wurde durch die unzureichende Qualitaet der Verschweissung und durch Materialermuedung verursacht, was zur Deformierung des Tanks, zu Rissen an den Schweissnaehten und an den Metallplatten der Tankwaende fuehrte. Im Juli 1992 wurde bei Bodenaushebungen auf dem Gelaende des Kernkraftwerks Kalinin eine radioaktiv belastete Flaeche festgestellt. Im Dezember 1992 wurde beim Umpumpen radioaktiver Schlaemme im Kernkraftwerk Belojarsk auf Grund von Fahrlaessigkeit des Bedienungspersonals ein Gebaeude mit radioaktivem Wasser ueberschwemmt. Das Wasser gelangte wegen des undichten Sicherheitsfundaments in den Boden unterhalb der Deponie [18].

Grosse Mengen radioaktiv belasteter Produktionsrueckstaende entstehen bei der Foerderung und der Aufbereitung von Uran- und Thoriumerzen. Das Stoerfallrisiko bei der Deponierung dieser Abfaelle ist gering, jedoch sind durch unzureichend gesicherte Deponien negative Auswirkungen auf das Grundwasser und auf die Gesundheit der Bevoelkerung nicht auszuschliessen. Die von den Produktionsrueckstaenden des Abbaus vom Uran- und Thoriumerzen in Anspruch genommene Deponieflaeche wird mit insgesamt 60 000 Hektar angegeben. Hier werden 100 Mill. m3 Abfaelle mit einer Strahlenaktivitaet von 180 000 Curie gelagert. Das derzeit einzige Unternehmen fuer die nassmetallurgische Verarbeitung von Uranerzen befindet sich in Priargunsk (Oblast' Tschita). Die Menge der hier deponierten Abfaelle betraegt 43 Mill. m3, die Deponiekapazitaeten sind zu ueber 60 vH ausgelastet [19].

Ueber Umfang und Verbleib der in den Forschungsinstituten und anderen Einrichtungen anfallenden radioaktiven Abfaelle liegen keine vollstaendigen Daten vor. Bis in die sechziger Jahre wurden zum Beispiel in Moskau Nuklearabfaelle mitunter auf staedtische Hausmuelldeponien verbracht, so dass hier nach wie vor radioaktive Belastungen im Boden festgestellt werden [20]. Da derartige Praktiken vermutlich nicht auf Moskauer Einrichtungen beschraenkt waren, kann von einer erheblichen Dunkelziffer ueber den Umfang des in der Vergangenheit deponierten Nuklearmuells ausgegangen werden.

Das Kurtschakow-Institut fuer Atomenergie im Moskau existiert seit Mitte der vierziger Jahre. Nuklearabfaelle mit einer Strahlenaktivitaet von 65 000 Curie wurden auf dem Institutsgelaende deponiert. Diese Deponie entspricht nicht modernen Sicherheitsanforderungen. Seit 1973 werden die im Kurtschakow-Institut neu anfallenden radioaktiven Abfaelle (100 bis 150 t/Jahr) auf eine Spezialdeponie der wissenschaftlichen Produktionsvereinigung "Radon" in Moskau verbracht. Die Nuklearabfaelle des physikalisch-energetischen Instituts in Obninsk (Oblast Kaluga) mit einer mittleren und hohen Strahlenaktivitaet sind auf dem Institutsgelaende deponiert worden. Die schwach radioaktiven fluessigen Abfaelle wurden bislang in den Fluss Protwa (ein Nebenfluss der Oka) eingeleitet. Eine betraechtliche Menge Atommuell mit einer Strahlenaktivitaet von 1 Mill. Curie befindet sich auf dem Gelaende des wissenschaftlichen Forschungsinstituts fuer Atomreaktoren in Dimitrowgrad (Oblast' Uljanowsk).

Mit der Verschlechterung der Finanzlage dieser Forschungsinstitute verschaerfen sich die Sicherheitsprobleme bei der Deponierung der Nuklearabfaelle, da Investitionsvorhaben zur Verbesserung der Sicherheitsstandards und zur Errichtung neuer Deponiekapazitaeten meist zurueckgestellt werden. Ein zentrales Problem liegt darin, dass das Ministerium fuer Atomenergie noch keine Entscheidungen ueber die Weiterverarbeitung und Nutzung der bei den Instituten deponierten abgebrannten Kernbrennstoffe getroffen hat. Die Deponien fuer abgebrannte Kernbrennstoffe in den drei oben erwaehnten Instituten werden zu 80 bis 90 vH durch die Lagerung von Brennelementen in Anspruch genommen, fuer deren weitere Nutzung zur Zeit noch keine Technologien existieren [21].

Die radioaktiven Abfaelle der uebrigen Bereiche der Volkswirtschaft werden ueberwiegend auf die Deponien von 16 regionalen Entsorgungskombinaten verbracht. Die Menge der hier deponierten Nuklearabfaelle wird mit 200 000 m3 angegeben, ihre summarische Strahlenaktivitaet mit 2 Mill. Curie. Die Entsorgungskombinate sind fuer das Sammeln, den Transport und die Deponierung der radioaktiven Abfaelle ihrer Kunden verantwortlich. Sie muessen die Strahlensicherheit auf allen Entsorgungsetappen gewaehrleisten. Das groesste dieser Entsorgungskombinate ist die Moskauer wissenschaftliche Produktionsvereinigung "Radon". Waehrend die Sicherheitsstandards der Moskauer Deponie als befriedigend eingestuft werden, entsprechen die anderen Deponien nach Einschaetzung des russischen Umweltministeriums nicht den geltenden Anforderungen. Zum Teil sind die Deponiekapazitaeten erschoepft, oder es sind nur noch geringe Kapazitaeten vorhanden, so dass die Bereitstellung neuer Deponieflaechen erforderlich ist [22].

Radioaktive Abfaelle und nukleare Altlasten in der Kriegsmarine und der Hochseeflotte

Erhebliche Umweltgefahren gehen von den Nuklearanlagen der Kriegsmarine und anderen Schiffen aus. Mitte 1994 gab es 235 russische Schiffe und U-Boote mit 407 Atomreaktoren. Beim Betrieb dieser Nuklearanlagen fallen jaehrlich etwa 20 000 m3 fluessige und 6 000 m3 feste radioaktive Abfaelle an. Nuklearmuell mit einer Strahlenaktivitaet von 21 000 Curie wird in Deponien gelagert, die groesstenteils in den sechziger Jahren errichtet wurden und deren technischer Zustand unzureichend ist. Mindestens 6 500 Container, 17 Schiffe und U-Boote sowie 155 andere Grossraumbehaelter mit festen Nuklearabfaellen (Strahlenaktivitaet: 15 500 Curie) sowie radioaktive Schlaemme und Loesungen mit einer Strahlenaktivitaet von 25 000 Curie sind in den noerdlichen Meeren (Karasee, Barentssee) versenkt worden, vor allem in Kuestennaehe der Insel Nowaja Semlja. Eine besondere Gefahr stellen die in den Kuestengewaessern vor Nowaja Semlja in einer Tiefe von 20 bis 300 m liegenden sechs von Atom-U-Booten stammenden Reaktoren sowie ein Reaktor des Eisbrechers "Lenin" dar, in denen noch Kernbrennstoffe enthalten sind (Strahlenaktivitaet zum Zeitpunkt der Versenkung: 2,3 Mill. Curie). Auch in die fernoestlichen Meere wurden fluessige und feste Nuklearabfaelle verbracht, wobei die Strahlenaktivitaet der fluessigen Abfaelle mit ueber 12 000 Curie angegeben wird (vgl. Tabelle 6) [23].

In den Jahren 1993 und 1994 wurden 121 Atom-U-Boote ausser Dienst gestellt (Eismeerflotte: 70; Pazifikflotte: 51). Lediglich 42 dieser Atom-U-Boote wurden nuklear entsorgt (Eismeerflotte: 18; Pazifikflotte: 24). In den uebrigen 79 UBooten befinden sich weiterhin Reaktoren mit Kernbrennstoffen. Allein 9 dieser U-Boote befinden sich im Gebiet von Sewerodwinsk (Oblast' Archangelsk). Die normale Betriebsdauer der Reaktoren und ihrer aktiven Zonen ist ueberschritten, eine Ueberwachung mit Messgeraeten findet nicht statt, eine regelmaessige nuklearchemische Analyse der Brennelemente ist nicht vorgesehen. Der Zustand einzelner Reaktoren, insbesondere ihrer aktiven Zonen, wurde bereits zum Zeitpunkt der Ausserdienststellung der U- Boote als unzulaessig bezeichnet. Wegen der fehlenden Ueberwachung und Wartung sowie durch Korrosion duerfte sich im Verlauf der Zeit der Zustand dieser Reaktoren weiter verschlechtert haben. Bei 40 vH der ausser Dienst gestellten U-Boote sind seit 10 Jahren keine Reparaturen vorgenommen worden, 4 U-Boote weisen starke Schaeden auf [24].

Die Entsorgungsprobleme der russischen Marine beschraenken sich nicht auf die nuklearen Einrichtungen der stillgelegten Atom-U-Boote. Insgesamt gibt es bei der Flotte einen Bedarf fuer die Entsorgung von abgebrannten Kernbrennstaeben mit einer Strahlenaktivitaet von 32 Mill. Curie. Freie Deponiekapazitaeten gibt es nicht mehr. Der technische Zustand der vorhandenen Deponien entspricht nicht den gesetzlichen Anforderungen und den festgelegten internationalen Standards. Vielfach werden die Container mit festen Nuklearabfaellen unter freiem Himmel deponiert. Ein grosser Teil der Brennstaebe wird auf Schiffen gelagert, deren Lagerraeume teilweise beschaedigt sind. Unter diesen Abfaellen befanden sich auch langlebige und toxische Transuranelemente. Fuer die sichere Entsorgung dieser Abfaelle fehlen bislang ausreichende Kapazitaeten. Der Abtransport dieser Nuklearabfaelle waere zudem mit betraechtlichen Risiken verbunden, da angesichts der haeufigen Unfaelle im Eisenbahnverkehr und der veralteten Container die Gefahr einer groesseren Havarie mit der Freisetzung von Radioaktivitaet ausserordentlich gross ist [25].

Staatliche Atompolitik

Um die von den nuklearen Abfaellen und abgebrannten Kernbrennstaeben ausgehenden Umweltrisiken zu vermindern, hat die russische Regierung im Oktober 1995 ein Langzeitprogramm fuer die Jahre 1996 bis 2005 beschlossen. Das Finanzierungsvolumen des Programms belaeuft sich insgesamt auf 8,7 Bill. Rubel (in Preisen von 1996), von denen allerdings fuer das Jahr 1996 lediglich Aufwendungen in Hoehe von 162 Mrd. Rubel vorgesehen sind. Zu den vorgesehenen Massnahmen gehoeren

- die Ausarbeitung neuer Sicherheitsrichtlinien fuer den Umgang mit radioaktiven Abfaellen und abgebrannten Kernbrennstoffen sowie die Einrichtung entsprechender Kontrollsysteme,

- die Schaffung von Kapazitaeten fuer die Verwertung der Nuklearabfaelle im Uranbergbau und der Uranaufbereitung,

- die Erhoehung der Sicherheitsstandards der bestehenden und die Errichtung neuer Zwischenlager fuer Nuklearabfaelle und abgebrannte Brennelemente,

- die Entwicklung von Technologien fuer die Entsorgung der radioaktiven Abfaelle stillgelegter Reaktoren der Kernkraftwerke, der Plutoniumerzeugung, der Forschungsinstitute und der Flotte,

- die Schliessung und Konservierung unsicherer und um- weltgefaehrdender Deponien,
- die Sanierung stark radioaktiv belasteter Flaechen und
- die Errichtung von verschiedenen Endlagern fuer radioaktive Abfaelle, darunter auf Nowaja Semlja sowie auf dem Gelaende der Nuklearkomplexe bei Tscheljabinsk und Krasnojarsk [26].

Ein neues Gesetz ueber die Nutzung der Atomenergie ist Ende November 1995 in Kraft getreten. Das Gesetz betrifft alle mit der zivilen und militaerischen Nutzung der Kernenergie verbundenen Aktivitaeten (einschliesslich der Deponierung von Nuklearabfaellen und abgebrannten Kernbrennstoffen). Die Entwicklung und die Produktion von Kernwaffen gehoeren allerdings nicht zum Geltungsbereich des Gesetzes.

Laut Gesetz sind alle militaerisch genutzten Atomanlagen sowie saemtliche Kernmaterialien und radioaktiven Abfaelle foederales Eigentum. An Atomanlagen fuer zivile Zwecke besteht grundsaetzlich ebenfalls foederales Eigentum, jedoch sind Ausnahmen zulaessig. Den lokalen Gebietskoerperschaften wird ein Mitspracherecht bei der Errichtung von Nuklearanlagen auf ihrem Territorium gewaehrt. Die Buerger in den betroffenen Regionen haben ein Recht auf Information ueber die Sicherheit der Atomanlagen und ueber die radioaktive Belastung einer Region. Die Betreiber der Nuklearanlagen haften fuer Schaeden, die durch radioaktive Strahlen entstehen. Fuer die Errichtung von atomaren Anlagen sind Sicherheitsanalysen und Umweltvertraeglichkeitspruefungen vorgeschrieben. Alle nuklearen Anlagen unterliegen der staatlichen Atomaufsicht. Bei Verstoessen gegen das Atomgesetz koennen die Verantwortlichen auf disziplinarrechtlichem, verwaltungsrechtlichem oder strafrechtlichem Weg zur Verantwortung gezogen werden [27].

Fazit

Die russischen Nuklearanlagen stellen eine erhebliche Gefahr fuer die Umwelt und die Gesundheit der Bevoelkerung dar. Stoerfaelle mit einer Dimension der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl sind angesichts der nach wie vor unzureichenden Sicherheitsstandards nicht auszuschliessen. Besonders hoch sind die Sicherheitsdefizite in den Kernkraftwerken der Typen WWER440 und RBMK, in den Anlagen des Brennstoffzyklus und in Forschungsinstituten mit veralteten Anlagen. Zudem werden die Nuklearabfaelle zu einem grossen Teil auf unsicheren Deponien gelagert. Grosse Mengen nuklearer Abfaelle sind in umweltgefaehrdender Weise in Gewaessern versenkt worden.

Eine Verbesserung der Sicherheitslage im Nuklearbereich ist kurzfristig nicht zu erwarten. Die aelteren Atomkraftwerke koennen nicht nachgeruestet werden. Ihre Stillegung ist im Grunde unumgaenglich,was aber auf erhebliche Widerstaende stoesst. Der Bau neuer Atomkraftwerke mit befriedigendem Sicherheitsstandard ist nur langfristig moeglich und mit einem hohen Kapitalaufwand verbunden. Auch die Umweltrisiken, die durch den Betrieb der im Brennstoffzyklus vorhandenen Anlagen zur Plutoniumproduktion und zur Wiederaufbereitung von Kernbrennstoffen verursacht werden, lassen sich durch einfache Nachruestungsmassnahmen kaum vermindern. Die Endlagerung der Nuklearabfaelle ist nicht gesichert, die Schaffung hinreichender Deponiekapazitaeten fuer eine sichere Zwischenlagerung erfordert angesichts der grossen Menge des in Russland vorhandenen Atommuells gleichfalls hohe Investitionen. Organisatorische Massnahmen wie eine verbesserte Atomaufsicht koennen zwar einen gewissen Beitrag zur Gefahrenabwehr leisten, sie aendern aber nichts an dem durch die technischen Defizite verursachten grossen Risikopotential.

[1] Vgl. CIS Environmental Watch, No. 7. Monterey 1995, S. 18 ff. Zelenyj mir, Nr. 28/1995, S. 11. Sueddeutsche Zeitung vom 17. Februar 1994.

[2] Vgl. Gosudarstvennyj doklad o sostojanii okru aju ej prirodnoj sredy Rossijskoj Federacii v 1993 godu. Moskau 1994, S. 112.

[3] Vgl. Gosudarstvennyj doklad o sostojanii okru aju ej prirodnoj sredy Rossijskoj Federacii v 1994 godu. Moskau 1995, S. 187.

[4] Vgl. atw, Internationale Zeitschrift fuer Kernenergie, Heft 3/1996, S. 209 ff.

[5] Vgl. Atomwirtschaft, Nr. 10/1994, S. 708 f.

[6] Vgl. Atomwirtschaft, Nr. 10/1994, S. 709. Jan Kiver: Knowhow-Transfer und Sicherheitspartnerschaften. In: Atomwirtschaft, Nr. 12/1994, S. 829 f.

[7] Vgl. Atomwirtschaft, Nr.4/1995, S. 273. Ekologi eskaja bezopasnost' Rossii. Vypusk 1. Moskau 1994, S. 63. Izvestija vom 24. Februar, 11. Maerz und 7. Mai 1994. Gosudarstvennyj doklad..., a.a.O. Moskau 1994, S. 65.

[8] Vgl. Jablokov, A.V. (Red.): Plutonij v Rossii. Ekologija, ekonomika, politika. Moskau 1994, S. 102 ff. Penjagin, A.N. (Red.): Rezonans. Ju no- uralskaja atomnaja: byt' ili ne byt'. Tscheljabinsk 1991, S. 22 ff. Gosudarstvennyj doklad..., a.a.O. Moskau 1995, S. 88.

[9] Vgl. Gosudarstvennyj doklad .., a.a.O. Moskau 1994, S. 139 und Moskau 1995, S. 87.

[10] Vgl. Gosudarstvennyj doklad ..., a.a.O. Moskau 1994, S. 66; A.V. Jablokov (Red.): Plutonij..., a.a.O., S. 111 ff.; E. Kayukov, W. Wallace: Tomsk-7: Anatomy of an Accident. In: CIS Environmental Watch, Number 4, Summer 1993, S. 57 ff. Zelenyj mir, Nr. 28/1995, S. 9.

[11] Vgl. Gosudarstvennyj doklad ..., a.a.O. Moskau 1994, S. 66 f.; A.V. Jablokov (Red.): Plutonij..., a.a.O., S. 114 f.; A. Bolsunovsky: Broken Swords: Military Pollution in Krasnoyarsk. In: CIS Environmental Watch Number 4, Summer 1993, S. 4 f.; Izvestija vom 25. Januar 1994. Zelenyj mir, Nr. 28/1995, S. 9; Zelenyj mir, Nr. 30/1995, S. 4.

[12] Vgl. Zelenyj mir, Nr. 28/1995, S. 11.

[13] Vgl. Gosudarstvennyj doklad..., a.a.O. Moskau 1995, S. 89 ff.

[14] Vgl. A.V. Jablokov (Red.): Plutonij ..., a.a.O., S. 86 und 113.

[15] Vgl. A.V. Jablokov (Red.): Plutonij..., a.a.O., S. 86 und 115 f.; Gosudarstvennyj doklad ..., a.a.O. Moskau 1994, S. 68 f.

[16] Vgl. Ekologi eskaja bezopasnost'...; a.a.O.; S. 58 ff. Zelenyj mir Nr. 28/1995, S. 11.

[17] Vgl. Ekologi eskaja bezopasnost'..., a.a.O., S. 62 ff. Gosudarstvennyj doklad..., a.a.O. Moskau 1994, S. 68 f. und 90. Gosudarstvennyj doklad..., a.a.O. Moskau 1995, S. 91 ff. Sobranie zakonodatel'stva Rossijskoj Federacii, Nr. 44/1995, S. 7812 ff.

[18] Vgl. Ekologi eskaja bezopasnost'..., a.a.O., S. 64.

[19] Vgl. Ekologi eskaja bezopasnost'..., a.a.O., S. 61 f. Gosudarstvennyj doklad..., a.a.O. Moskau 1994, S. 68 f. Gosudarstvennyj doklad..., a.a.O. Moskau 1995, S. 89.

[20] Vgl. Sostojanie okru aju ej sredy i prirodoochrannaja dejatel'nost' na territorii byv ego SSSR - ot Stokgol'ma k Rio - Spravo noe posobie. Tom I. Moskau 1994, S. 104.

[21] Vgl. Ekologi eskaja bezopasnost'..., a.a.O., S. 68 f.

[22] Vgl. Gosudarstvennyj doklad..., a.a.O. Moskau 1995, S. 90 ff.

[23] Vgl. V.V. Dovgu a, M.N. Tichonov: Radioaktivnye otchody v morjach i okeanach. In: Energija: Ekonomika, technika, ekologija, Nr. 8/1994, S. 27 ff.; Ekologi eskaja..., a.a.O., S. 65 ff.; Zelenyj mir, Nr. 13/1993, S. 5 ff., Nr. 15/1993, S. 5 ff., Nr. 16/1993, S. 5 ff.

[24] Ekologi eskaja bezopasnost'..., a.a.O., S. 65. Gosudarstvennyj doklad..., a.a.O. Moskau 1994, S. 70; Gosudarstvennyj doklad..., a.a.O. Moskau 1995, S. 93.

[25] Vgl. Ekologi eskaja bezopasnost'..., a.a.O., S. 65 ff. Zelenyj mir, Nr. 15/1993, S. 8; Sobranie zakonodatel'stva Rossijskoj Federacii, Nr. 44/1995, S. 7817 f.

[26] Vgl. Sobranie zakonodatel'stvo Rossijskoj Federacii, Nr. 44/1995, S. 7819 ff.

[27] Vgl. Sobranie zakonodatel'stvo Rossijskoj Federacii, Nr. 48/1995, S. 8485 ff.

 
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Tabelle 1                                                                       
         Radioaktive Emissionen russischer Kernkraftwerke 1993 und 1994         
------------------------------------------------------------------------------- 
                                                                                
Kernkraftwerk        Inerte radioaktive  Langlebige Radio-     Jod-131          
                         Gase (Ci/Tag)   nuklide (mCi/Tag)    (mCi/Tag)         
                          1993     1994   1993     1994     1993    1994        
Balakowo                  4,45      1,2    0,3     0,018    0,11    0,009       
Belojarsk                 0,6       1,0     -       -        -       -          
Bilibino                 24,1      31,0     -       -        -       -          
Kalinin                   2,36      2,0    0,01    0,01     0,03    0,04        
Kola                     13,20      6,1    0,24    0,22     0,41    0,23        
Kursk                   465,26    223,0    0,67    0,63     0,54    0,27        
Sosnowi Bor                                                                     
(Leningrader Gebiet)    102,80    136,3    6,00    4,87     6,57    3,87        
Nowoworonesh              2,83      1,8    0,08    0,05     0,009   0,02        
Smolensk                167,0      83,0    0,64    0,2      1,20    0,9         
------------------------------------------------------------------------------- 
Quellen: Ministerstvo ochrany okruzajuscej sredy i prirodnych resursov          
Rossijskoj Federacii: Gosudarstvennyj doklad o sostojanii okruzajuscej          
prirodnoj sredy Rossijskoj Federacii v 1993 godu. Moskau 1994, S. 69.           
Gosudarstvennyj doklad o sostojanii okruzajuscej prirodnoj sredy Rossijskoj     
Federacii v 1994 godu. Moskau 1995, S. 91.                                      
=============================================================================== 
 
------------------------------------------------------------------------------- 
Tabelle 2                                                                       
                         Plutoniumproduktion in Russland                        
------------------------------------------------------------------------------- 
                                                                                
  Stadt           Reaktor    Letztes Betriebsjahr    Plutoniumproduktion        
                                                                                
                        Graphitreaktoren                                        
                                                                                
Ozersk               A            1987               Gesamte Plutonium-         
(Tscheljabinsk-65)                                   produktion bis 1990:       
                                                             58,3 t             
                     IR           1987                                          
                     AV 1         1989                                          
                     AV 2         1990                                          
                     AV 3         1990                                          
                                                                                
                             Andere Reaktortypen                                
                                                                                
                Leichtwasser-   Noch in Betrieb      Gesamte Plutonium-         
                reaktor                              produktion bis Ende 1992:  
                Schwerwasser-   Noch in Betrieb               14,7t             
                reaktor                                                         
                                                                                
                             Graphitreaktoren                                   
Zheleznogorsk                                                                   
(Krasnojarsk-26)     AD           1992               Gesamte Plutonium-         
                     ADE-1        1992               produktion bis 1990:       
                     ADE-2      Noch in Betrieb               44,7 t            
                                                                                
                             Graphitreaktoren                                   
                                                                                
Seversk              I 1          1990               Gesamte Plutonium-         
(Tomsk-7)            I 2          1990               produktion bis 1990:       
                     ADE-3        1992                        73,7 t            
                     ADE-4      Noch in Betrieb                                 
                     ADE-5      Noch in Betrieb                                 
------------------------------------------------------------------------------- 
Quelle: A.V. Jablokov (Red.): Plutonij v Rossii. Ekologija, ekonomika,          
politika. Moskau 1994, S. 50.                                                   
=============================================================================== 
 
------------------------------------------------------------------------------- 
Tabelle 3                                                                       
        Nukleare Abfaelle (ohne abgebrannte Kernbrennstoffe) in Russland        
------------------------------------------------------------------------------- 
                                                                                
Quelle der radio-  Art der radio-    Menge       Aktivitaet  Ort und Art        
aktiven Abfaelle   aktiven Abfaelle              in Curie    der Deponierung    
                                                                                
                                                                                
Erzfoerderung und  Schlaemme und   100 Mill. m3   180 000  Verschiedene         
Erzaufbereitung.   Abraum.Schwach                          Deponieflaechen      
                   aktive Abfaelle.                                             
                                                                                
Urananreicherung   Fluessige und   1,6 Mill. m3     4 000  Unternehmens-        
und Herstellung    feste Nuklear-                          deponien             
von Brennelementen abfaelle.                                                    
                   Schwach aktive                                               
                   Abfaelle.                                                    
                                                                                
Atomkraftwerke     Schwach- und    286 000 m3      44 000  Zwischenlager der    
                   mittelaktive                            Kernkraftwerke       
                   fluessige und                                                
                   feste Nuklear-                                               
                   abfaelle.                                                    
                                                                                
Nuklearchemischer  Fluessige hoch-  25 000 m3    570 Mill. Stahlbehaelter.      
Komplex (Wieder-   aktive Abfaelle                         Deponie der Pro-     
aufbereitung abge-                                         duktionsverei-       
brannter Brennele-                                         nigung "Majak"       
mente,Herstellung                                          in Ozersk (Tschel-   
von Waffenplutonium)                                        jabinsk 65)         
                   Fluessige radio- 46 Mill. m3  800 Mill. Unterirdische Depo   
                   aktive Abfaelle                         nien des Bergbau-    
                                                           und Chemiekombinats  
                                                           in Zheleznogorsk     
                                                           (Krasnojarsk-26)     
                                                           und des Sibirischen  
                                                           Chemiekombinats      
                                                           in Seversk           
                                                           (Tomsk-7)            
                   Mit Glas um-       9 500 m3   200 Mill. Deponie der Produk-  
                   schlossene hoch-                        tionsvereinigung     
                   aktive Abfaelle                         "Majak"              
                   Fluessige       400 Mill. m3  700 Mill. Spezialbehaelter,    
                   schwach-und                             Spezialbecken,       
                   mittelaktive                            Gewaesser            
                   Abfaelle                                                     
                   Feste schwach-  100 Mill. m3   12 Mill. Einbetonierte Depo-  
                   und mittelaktive                        nien bei den         
                   Abfaelle                                Unternehmen          
                                                                                
Kriegsmarine       Fluessige schwach- 14 000 m3    180     Schiffe und          
                   aktive Abfaelle                         Marinebasen          
                   Feste schwach-     13 000 m3    800     Einbetonierte        
                   aktive Abfaelle                         Deponien             
                                                                                
Schiffsbau-        Fluessige schwach-  2 500 m3    500     Schiffe und          
industrie          aktive Abfaelle                         Marinebasen          
                   Feste schwach-      1 500 m3    100     Unternehmens-        
                   aktive Abfaelle                         deponien             
                                                                                
Zivile Hochsee-    Fluessige und       1 790 m3    211     Kuesten-             
flotte             feste schwach-                          deponien             
                   aktive Abfaelle                                              
                   Feste hochaktive      100 m3  20 000    Kuesten-             
                                                           deponien             
                                                                                
Sonstige radio-    Fluessige und     200 000 m3  2 Mill.   16 Deponien des      
aktive Abfaelle    feste Nuklear-                          Spezialkombinats     
                   abfaelle                                "Radon".             
                                                                                
Radioaktive Ab-              Ueber 600 Mill. m3  Etwa 2,3 Mrd.                  
faelle (ohne                                                                    
abgebrannte                                                                     
Kernbrennstoffe)                                                                
insgesamt                                                                       
------------------------------------------------------------------------------- 
Quellen:  Gosudarstvennyj doklad o sostojanii okruzajuscej prirodnoj sredy v    
1994 godu. Moskau 1995, S. 89 f. Sobranie zakonodatel'stva Rossijskoj           
Federacii Nr. 44/1995, S. 7812 ff.                                              
=============================================================================== 
 
------------------------------------------------------------------------------- 
Tabelle 4                                                                       
                    Deponierte abgebrannte Kernbrennstoffe in Russland          
------------------------------------------------------------------------------- 
                                                                                
Betreiber der      Herkunft der ab-     Menge     Aktivitaet  Ort und Art       
Nuklearanlagen gebrannten Brennelemente            in Curie   der Deponierung   
                                                                                
                                 Abgebrannte Brennelemente                      
                                                                                
Minatom Rossii  Brennelemente der       6 100 t    3,1 Mrd.  Zwischenlager der  
                Reaktoren vom Typ                            Atomkraftwerke     
                RBMK-1000                                    Sosnowyj Bor,      
                                                            Kursk und Smolensk  
                Zwischengelagerte       1 100 t  900 Mill.  Zwischenlager ver-  
                Brennelemente der                            schiedener Atom-   
                Kernkraftwerke vom                           kraftwerke         
                Typ WWERSosnowyj-440                                            
                und WWER -1000                                                  
                                                                                
                darunter:                                                       
                                                                                
                Brennelemente der         486 t  380 Mill.   Zwischenlager der  
                Reaktoren vom Typ                            Atomkraftwerke     
                WWER-1000                                    Kalinin und        
                                                             Balakowo           
                Endgelagerte             1000 t  500 Mill.   Deponie des Berg-  
                Brennelemente der                            bau  und Chemie-   
                Reaktoren vom Typ                            kombinats Zhelez-  
                WWER-1000                                    nogorsk            
                                                             (Krasnojarsk-26)   
                Endgelagerte              212 t   67 Mill.   Deponie der        
                Brennelemente der                            Produktionsver-    
                Reaktoren vom Typ                            einigung           
                WWER-440                                     "Majak"            
                Brennelemente              67 t   20 Mill.   desgleichen        
                der Reaktoren                                                   
                vom Typ BN 350/600                                              
                Brennelemente             116 t   10 Mill.   desgleichen        
                der Reaktoren                                                   
                vom Typ AMB                                                     
                Brennelemente            64,5 t    5 Mill.   desgleichen        
                der Reaktoren                                                   
                vom Typ KS- 150                                                 
                Brennelemente             5,5 t    3 Mill.   desgleichen        
                der Reaktoren                                                   
                vom Typ JaEU                                                    
                Brennelemente der             .    1 Mill.   Deponien der       
                Forschungsreaktoren                        Forschungsinstitute  
                                                             und Unternehmen    
                                                                                
Kriegsmarine    Brennelemente              30 t    15 Mill.  Marinebasen        
                der Reaktoren                                und Schiffe        
                vom Typ JaEU                                                    
                                                                                
Mintrans Rossii Brennelemente              10 t    17 Mill.  Kuestende-         
                der Reaktoren                                ponien und         
                vom Typ JaEU                                 Schiffe            
                                                                                
Brennelemente                      Etwa 8 000 t   4,65 Mrd.                     
insgesamt                                                                       
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Quellen:   Gosudarstvennyj doklad o sostojanii okruajuej prirodnoj sredy     
v 1994 godu. Moskau 1995, S. 89 f. Sobranie zakonodatel'stva Rossijskoj         
Federacii Nr. 44/1995, S. 7812 ff.                                              
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Tabelle 5                                                                       
          In russischen Kernkraftwerken deponierte radioaktive Abfaelle         
                            (ohne abgebrannte Kernbrennstoffe)                  
------------------------------------------------------------------------------- 
                                                                                
Kernkraftwerk  Art der radio-          Deponie-     Menge der      Kapazitaets  
               aktiven Abfaelle        kapazitaet   deponierten     auslastung  
                                       in m3        Abfaelle in m3    in vH     
                                                    am Jahresende               
                                    1993     1994    1993    1994   1993  1994  
                                                                                
Balakowo  Radioaktive Schlaemme    3 600    3 600   2 846   2 570   79    71,4  
          Feste Nuklearabfaelle   18 684   18 684   4 587   4 587   24,5  24,5  
Belojarsk Radioaktive Schlaemme    6 400    6 400   5 231   5 339   81,7  83,4  
          Feste Nuklearabfaelle   18 800   18 800  14 601  14 601   77,6  77,6  
Bilibino  Radioaktive Schlaemme    1 000    1 000     828    763,5  82,8  76,3  
          Feste Nuklearabfaelle    3 000    3 000   1 854   1 854   61,8  61,8  
Kalinin   Radioaktive Schlaemme    3 600    3 410   3 500   2 690   97,2  78,9  
          Feste Nuklearabfaelle    6 000    6 000   3 881   3 881   64,6  64,6  
Kola      Radioaktive Schlaemme    7 806    8 526   6 397   6 782   81,9  79,5  
          Feste Nuklearabfaelle   19 473   19 473   5 881   5 881   30,2  30,2  
Kursk     Radioaktive Schlaemme   63 000   63 000  29 500  30 395   46,8  48,2  
          Feste Nuklearabfaelle   27 800   27 800  27 570  27 570   99,1  99,1  
Sosnowi   Radioaktive Schlaemme   21 400   17 020  18 445  11 519   86,2  67,7  
Bor(Lenin-Feste Nuklearabfaelle   24 000   24 000  14 145  14 145   58,9  58,9  
grader                                                                          
Gebiet)                                                                         
Nowowo-   Radioaktive Schlaemme   18 591   17 331   6 548   5 813   35,2  33,5  
ronesh                                                                          
          Feste Nuklearabfaelle   39 783   39 783  27 619  27 619   69,4  69,4  
Smolensk  Radioaktive Schlaemme   19 500   19 400  12 100  11 110   62,0  57,3  
          Feste Nuklearabfaelle   14 800   14 800   9 500   9 500   64,1  64,1  
                                                                                
------------------------------------------------------------------------------- 
Quellen: Gosudarstvennyj doklad o sostojanii okruzajuscej prirodnoj sredy       
Rossijskoj Federacii v 1993 godu. Moskau 1994, S. 69. Gosudarstvennyj doklad    
o sostojanii okruzajuscej prirodnoj sredy Rossijskoj Federacii v 1994 godu.     
Moskau 1995, S. 92.                                                             
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Tabelle 6                                                                       
                  Daten ueber die nukleare Verschmutzung der Meere              
        durch die Sowjetunion bzw. Russland seit Anfang der sechziger Jahre     
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Meer und Region    Quelle der   Naehere Beschreibung,  Wasser-     Summarische  
                   radioaktiven Art und Menge          tiefe        Strahlen    
                   Belastung    der radioaktiven                    aktivitaet  
                                Verschmutzungsquelle                in Curie    
                                                                                
Noerdlicher Teil   Fluessige                                           25 000   
des Atlantischen   Nuklearabfaelle                                              
Ozeans                                                                          
                                                                                
davon:                                                                          
                                                                                
Barentssee                           190 000 m3          50 bis 300     12 150  
Karasee                                                                  8 500  
Uebrige Teile des                                                        3 100  
noerdlichen                                                                     
Eismeeres                                                                       
                                                                                
Karasee            Feste Nuklear-    Knapp 32 000 m3.    12 bis 380     15 500  
                   abfaelle und      6 508 Container                            
                   andere radio      mit radioaktiven                           
                   aktiv belastete   Abfaellen, 17 Schiffe,                     
                   Objekte           154 andere Objekte                         
                                                                                
Noerdliche         Reaktoren mit     5 versenkte Schiffs- 20 bis 300   maximal  
Eismeere           Kernbrennstoffen  objekte mit insgesamt           2,3 Mill.  
                                     7 Reaktoren, die                           
                                     Kernbrennstoffe                            
                                     enthalten                                  
                                                                                
Noerdliche         Reaktoren ohne    5 versenkte Schiffs- 20 bis 50     etwa    
Eismeere           Kernbrennstoffe   objekte mit insgesamt            100 000   
                                     10 Reaktoren ohne                          
                                     Kernbrennstoffe                            
                                                                                
Pazifischer        Fluessige         etwa 125 000 m3   1 400 bis 3 700  etwa    
Ozean und          Nuklearabfaelle                                     12 350   
Japanisches Meer                                                                
                                                                                
Pazifischer        Feste             knapp 22 000 m3.                           
Ozean und          Nuklearabfaelle   6 642 Container                            
Japanisches Meer                     mit radioaktiven                           
                                     Abfaellen, 38                              
                                     Schiffe, etwa 100                          
                                     andere Objekte                             
                                                                                
Atlantischer        Untergegangene                                    650 000   
und Pazifischer     Atom U-Boote                                                
Ozean                                                                           
                                                                                
Noerdliches         Eintrag radio-                                    Mehrere   
Eismeer             aktiver Abfaelle                                  1000      
                    ueber Ob und Jenissej                                       
                                                                                
------------------------------------------------------------------------------- 
Quelle: Zelenyj mir, Nr. 13/1993, Nr. 15/1993 und Nr. 16/1993.                  
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Wochenbericht 21/96