Website Archive
- may contain outdated content -

Wochenbericht des DIW Berlin 21/02

Die Kostenfaktoren der öffentlichen Theater in Deutschland - Eine Untersuchung mit dem Schwerpunkt Berlin

Bearbeiter Julio R. Robledo
Die Bundesrepublik Deutschland leistet sich eine der größten öffentlichen Theaterbranchen der Welt. Mehr als 150 öffentliche Theater (Opern- und Operettenhäuser, Schauspieltheater, Konzertsäle u. a.) buhlen um die Gunst des Publikums. Nach der Theaterstatistik des Deutschen Bühnenvereins für die Spielzeit 1999/2000 besuchten 20,2 Mill. Kulturinteressierte knapp 64 000 Theaterveranstaltungen. Die öffentlichen Theater werden hauptsächlich durch Subventionen aus dem Staatshaushalt finanziert. Von den Theatereinnahmen in Höhe von rund 4,7 Mrd. DM bzw. 2,40 Mrd. Euro stammten knapp 4 Mrd. DM bzw. 2,05 Mrd. Euro (83,6 %) von der öffentlichen Hand und nur 25 Mill. DM bzw. 12,78 Mill. Euro (0,5 %) von privaten Einrichtungen. Die restlichen knapp 700 Mill. DM (358 Mill. Euro) erwirtschafteten die Theater u. a. durch Einnahmen aus Kartenverkauf, Platzmieten, Programmverkauf. [1]

Gerade die Hauptstadt Berlin hat eine vielfältige Theaterlandschaft, deren Umfang angesichts angespannter öffentlicher Haushalte infrage gestellt wird. Die hier vorgelegte Untersuchung zeigt, dass die gewünschten Spareffekte in Berlin weniger durch die Schließung von Theatern als vielmehr durch Sparmaßnahmen bei vielen Theatern erreicht wurden. Doch über welches Rationalisierungspotential verfügen die öffentlichen Theater? Die Kosten hängen vor allem vom "Veranstaltungs-Output" und nicht von der rechtlichen Organisationsform oder Trägerschaft ab.

Der Frage nach der Notwendigkeit oder Zweckmäßigkeit öffentlicher Förderung von Theatern soll in dieser Untersuchung nicht nachgegangen werden. Es wird unterstellt, dass darüber ein gesellschaftlicher Konsens besteht. Politiker aller Parteien unterstreichen die wichtige Rolle der Kultur und der Kulturförderung. Angesichts knapper Kassen kommt jedoch die Politik um Einsparungen auch im Kulturetat nicht herum. Die Ausgaben für Kultur werden nicht nur gekürzt, sondern für einige Einrichtungen vollständig gestrichen. So sind in Berlin und in Brandenburg öffentliche Theater in den 90er Jahren geschlossen worden, in Frankfurt am Main drohen Schließungen. Im Rahmen der Koalitionsverhandlungen für die Bildung des neuen Berliner Senats nach der Wahl im Oktober 2001 wurde erneut darüber diskutiert, ob kulturelle Einrichtungen (Theater des Westens, Schaubühne) geschlossen werden sollen.

Bringt die Schließung eines Theaters die angestrebte Entlastung der öffentlichen Haushalte? Wird die Ersparnis durch Etaterhöhungen bei anderen Einrichtungen zunichte gemacht? Sollte statt über die Schließung eines oder mehrerer Theater nicht eher über Spar- oder Umstrukturierungsmaßnahmen für alle Einrichtungen nachgedacht werden?

Die Entwicklung der öffentlichen Zuschüsse an Berliner Theatern Wenn man die Konsequenzen der Schließung einer großen Theatereinrichtung untersuchen will, bietet sich eine Analyse der Berliner Situation an. Einerseits ist Berlin die wichtigste Kultur- und Theaterstadt Deutschlands, andererseits wurden hier in den 90er Jahren gleich zwei überregional bekannte Theater geschlossen: das Schiller Theater (3. Oktober 1993) und das Metropol-Theater (31. Juli 1997).

Aus Abbildung 1 wird die Entwicklung der Zuschüsse des Landes Berlin für die sechs größten Subventionsempfänger nach der Schließung des Schiller Theaters (senkrechte Linie) deutlich: die drei Opernhäuser (Deutsche Staatsoper Berlin, Deutsche Oper Berlin und Komische Oper), das Schiller Theater (dessen finanzielle Abwicklung drei Jahre gedauert hat), das Deutsche Theater (samt Kammerspielen) und die Volksbühne. [2] Das Schiller Theater erhielt damals nach den drei Opernhäusern die höchsten Subventionen aller Berliner Theater (etwa 47 Mill. DM bzw. 30,16 Mill. Euro pro Jahr). Durch die Abwicklung wurde aber kaum etwas eingespart, da zur gleichen Zeit die Mittel für die anderen großen Häuser aufgestockt wurden. Erst in der zweiten Hälfte der 90er Jahre wurden die Zuschüsse gekürzt, das Subventionsniveau war im Jahre 2001 preisbereinigt praktisch genauso hoch wie 1993.

Aus Abbildung 2 wird der Verlauf der Zuschüsse für die restlichen Berliner Theater deutlich: Für sie ergibt sich ein anderes Bild. Das Metropol-Theater erhielt aufgrund seiner finanziellen Schwierigkeiten - bis 1996 - zusätzliche Mittel und dies, obwohl das Theater in die private Kollo GmbH überführt worden war, die eine Saison später Insolvenz anmelden musste. Die finanzielle Abwicklung erstreckte sich bis zum Jahre 2001. Bei einigen Theatern (dem Maxim Gorki Theater, dem Carrousel-Theater und der Gruppe sonstiger Privattheater) nahmen die Subventionen zwischenzeitlich leicht zu. Beim Maxim Gorki Theater waren die Zuschüsse im Jahre 2001 sogar etwas höher als 1993. Allen anderen Theatern wurden im betrachteten Zeitraum mehr oder minder starke Subventionskürzungen auferlegt. Besonders hart traf es die in Berlin traditionsreiche und renommierte freie Theaterszene, deren Unterstützung um die Hälfte gekürzt wurde. Insgesamt sind die Subventionen für die Theater, die nicht zu den fünf Prestige-Objekten gehören, durch den Wegfall der Metropol-Theater-Zuschüsse und die sonstigen Kürzungen deutlich, um etwa ein Drittel, gesenkt worden.

Die Berliner Theaterpolitik war in den 90er Jahren von zwei Merkmalen geprägt: einer schubweisen Kürzung der insgesamt zur Verfügung stehenden Mittel und einer zunehmenden Konzentration dieser Mittel auf einige wenige Prestige-Objekte (die Opernhäuser, das Deutsche Theater und die Volksbühne); sie blieben von den Kürzungen weitgehend verschont. Abbildungen 3a und 3b zeigen die Verteilung des "Subventionskuchens" der Berliner Theater für die Jahre 1993 und 2001. Dabei ist zu berücksichtigen, dass das Zuschussvolumen 2001 preisbereinigt um etwa 25 % geringer war als 1993. Im Jahre 1993 entfiel gut die Hälfte der Zuschüsse auf die Prestige-Objekte der Hauptstadt, acht Jahre später lag deren Anteil bei zwei Dritteln.

Gesenkt wurden die Theatersubventionen vor allem in den Jahren 1997 und 1998. In diesem Zeitraum ist auch das Metropol-Theater abgewickelt worden. Demgegenüber fällt ins Auge, dass die Abwicklung des Schiller Theaters Anfang der 90er Jahre kaum zur Senkung der (gesamten) Theatersubventionen beigetragen hat. Bei sinkendem Subventionsvolumen stellt sich umso dringender die Frage, welche Maßnahmen getroffen werden können, um die Effizienz der Bühnenhäuser zu steigern.

Die Kosten der Theater und ihre Einflussfaktoren Im Folgenden sollen zunächst anhand der Theaterstatistik des Deutschen Bühnenvereins für die Spielzeit 1999/2000 die Kostenfaktoren der öffentlichen Theater in Deutschland analysiert werden. [3] Im Anschluss daran wird in einem Querschnittsvergleich versucht, die Kosten der Theater mit Hilfe statistischer Regressionsverfahren durch verschiedene Faktoren zu erklären und die Effekte zu quantifizieren.

Zum Deutschen Bühnenverein gehören fast alle öffentlichen Theater, viele Privattheater und Kulturorchester, aber auch die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten sowie die Intendanten als persönliche Mitglieder. Eine Theaterstatistik mit Daten über die Theaterhäuser, Veranstaltungen, Besucher, Personal, Einnahmen und Ausgaben, Theaterpreise u. a. erscheint jährlich. Leider liegen die ausführlichen Angaben nur für die öffentlichen Theater vor. Diese Untersuchung muss sich deshalb hierauf beschränken.

Die Daten der Theaterstatistik beziehen sich auf 155 Bühnen, davon 102 in West- und 53 in Ostdeutschland (Tabelle 1). Das Spektrum reicht von kleinen Bühnen mit 69 Zuschauerplätzen und Saisonausgaben in Höhe von 270 000 DM (13 805 Euro) bis zu großen Spielstätten mit über 6 000 Plätzen und einem Budget von über 150 Mill. DM (76,7 Mill. Euro). Fast die Hälfte der Theater wird als Regiebetrieb geführt - in der Rechtsform, bei der der Einfluss von Politik und Verwaltung tendenziell am größten ist. [4] In den 90er Jahren wurden einige Häuser vermehrt in GmbH oder Eigenbetriebe umgewandelt; diese bilden aber immer noch eine Minderheit. Andere Rechtsformen spielen nur eine untergeordnete Rolle. Die große Mehrheit der Theater steht unter kommunaler Trägerschaft. Dabei werden die zwölf öffentlichen Theater in den Stadtstaaten Berlin und Hamburg von der Statistik als Landestheater gezählt, das öffentliche Theater Bremens als Kommunaltheater.

Die Kosten der Theaterunternehmen setzen sich aus Personal- und Sachausgaben zusammen. Finanzierungsausgaben und Baumaßnahmen bleiben unberücksichtigt, da sie sich nicht eindeutig einer einzelnen Spielsaison zuordnen lassen. Zu den wichtigsten Kostenfaktoren eines Theaters zählen in Anlehnung an die Untersuchungen von H. Mühlenkamp [5]:

• Die Größe des Theaters: Sie kann durch das Platzangebot gemessen werden und dürfte kurz- bis mittelfristig festliegen.

• Die Anzahl der Inszenierungen pro Saison: Der Einfachheit halber wird unterstellt, dass Neu- und Altinszenierungen gleich viel kosten. Die Einmalausgaben für neue Requisiten u. a. fallen gegenüber den gleichbleibend hohen Kosten für verpflichtete Schauspieler, Proben, Programmdruck u. a. nicht stark ins Gewicht.

• Die Anzahl der verschiedenen Aufführungen pro Saison (Opern, Ballette, Musicals, Schauspiele u. a.).

Mit Hilfe einer Kleinst-Quadrate-Regression wurde in einem ersten Ansatz untersucht, welche dieser Faktoren die Kosten der Theaterhäuser signifikant erklären können (Tabelle 2, Regression 1). Die Größe des Theaters hat zwar einen erhöhenden Einfluss auf die Kosten (ein Theaterplatz würde nach der Schätzung etwa 2 000 DM (1 023 Euro) pro Saison kosten), aber dieser Effekt ist nicht signifikant. [6] Die Anzahl der Inszenierungen hat dagegen einen signifikanten Einfluss (etwa 160 000 DM bzw. 81 807 Euro Kosten pro Inszenierung). Ebenfalls signifikant für die Kosten ist die Anzahl der Opernaufführungen; der Regressionskoeffizient impliziert Kosten in Höhe von etwa 370 000 DM (189 178 Euro) pro Aufführung. Deutlich kleiner fällt dieser Effekt bei Musicals und Schauspielen aus.

In einer zweiten Regression werden weitere Einflussfaktoren berücksichtigt. Folgende Hypothesen werden dafür aufgestellt:

• Die Größe der Stadt (gemessen an der Einwohnerzahl) beeinflusst das allgemeine Preisniveau (Mieten, Löhne u. a.) und führt zu höheren Kosten der örtlichen Theater.

• Die Kosten eines Theaters stehen in einem positiven Zusammenhang mit dessen Qualität. Die Messung von Qualität ist aber grundsätzlich schwierig, außerdem ist Qualität schwer von anderen Faktoren, beispielsweise Popularität, zu unterscheiden. [7] Nimmt man den Anteil ausverkaufter Veranstaltungen an allen Veranstaltungen oder die Anzahl der Aufführungen einer Inszenierung als Kennzahl, so misst man unwillkürlich die Popularität mit. Hier wird die Qualität durch den Anteil der Neuinszenierungen an allen Inszenierungen gemessen, obwohl auch diese Variable ungenau ist: Tendenziell ist dieser Anteil bei "Repertoire"-Theatern, die verschiedene Stücke nebeneinander aufführen, niedriger als bei Theatern, die ein Stück bis zur nächsten Premiere spielen ("en-suite"-Theater).

• Die Existenz von Privattheatern führt zu höheren Kosten bei den öffentlichen Theatern. Die Konkurrenz um renommierte Künstler treibt deren Gagen hoch, und die Konkurrenz um die Zuschauer verlangt aufwendigere und normalerweise auch teurere Aufführungen.

• Mit einer Ja-Nein-Variablen (Dummy) für die Ost-West-Zugehörigkeit, jeweils multipliziert mit dem Platzangebot und der Anzahl der Veranstaltungen, soll die Existenz eines Ost-West-Kostengefälles untersucht werden.

• Auf analoge Art und Weise wird schließlich der Einfluss der Rechtsform und der Rechtsträgerschaft kontrolliert.

Die Ergebnisse dieser erweiterten Analyse sind in Tabelle 2, Regression 2 dargestellt. Die Grundaussage der ersten Regression wird bestätigt: Die Anzahl der Inszenierungen und die Zahl der Opernaufführungen sind die wichtigsten signifikanten Kostenfaktoren, allerdings ändert sich die Größe der Koeffizienten durch die Interaktion mit den neuen Variablen. Je größer die Stadt, umso höher liegen die Theaterkosten. Umgekehrt sind die Kosten umso niedriger, je höher der Anteil der Neuinszenierungen ist. Ein großer Anteil an Neuinszenierungen ist aber auch für den "en-suite"-Spielbetrieb charakteristisch. Vielleicht ist dieser Spielbetrieb kostengünstiger als das "Repertoire"-Theater. Außerdem überwiegt in Ostdeutschland der "en-suite"-Spielbetrieb. Ostdeutsche Veranstaltungen sind aber (fast signifikant) billiger als westdeutsche. Die Anzahl der Privattheater führt ebenfalls zu höheren Kosten des Betriebs öffentlicher Theater.

Die Rechtsform scheint keinen signifikanten Einfluss auszuüben. In Tabelle 2 ist der Effekt der Rechtsformen Eigenbetrieb, GmbH und sonstige Rechtsformen (wie Gesellschaft bürgerlichen Rechts, Zweckverband, öffentlich-rechtliche Anstalt und eingetragener Verein) im Vergleich zu der nicht aufgeführten Referenzgruppe der Regiebetriebe dargestellt. Nur die im Eigenbetrieb geführten Theater unterscheiden sich signifikant, und zwar liegen dort die Kosten höher als beim Regiebetrieb. Ein ähnlicher Effekt zeigt sich für die Rechtsträgerschaft (Land, Kreis, Mehrträgerschaft und Verein) im Vergleich zu den kommunalen Theatern. Hier gibt es nur bei Landestheatern signifikant höhere Kosten. Diese Ergebnisse entsprechen weitgehend den Resultaten der Untersuchungen von Mühlenkamp für vergangene Theatersaisons.

Dass die Theater unter alleiniger Trägerschaft der Länder höhere Kosten aufweisen, kann schwer erklärt werden. Zur Überprüfung dieses Ergebnisses wurden die Berliner und die Hamburger Theater als Kommunaltheater umklassifiziert (Tabelle 2, Regression 3). Die Koeffizienten der Schätzung stimmen sowohl in Stärke als auch in Signifikanz fast mit den Ergebnissen der Regression 2 überein, mit Ausnahme der Rechtsträgerschaft: Die Kosten der Landestheater sind nun nicht signifikant höher als die der Kommunaltheater. Offensichtlich sind es die höheren Kosten der Landestheater in den Kulturmetropolen Berlin und Hamburg, die dies verursachen. Wenn man diesen statistischen Effekt korrigiert, sind die Kostenunterschiede nicht mehr signifikant.

Fazit Die staatlichen Haushalte vergeben jährlich rund 4 Mrd. DM (2,05 Mrd. Euro) Zuschüsse an öffentliche Theater. Wie kann man diese Mittel effizienter einsetzen? Unsere Schätzungen belegen, dass es kein einfaches Rezept gibt, denn die Kosten der Theater hängen größtenteils von deren Output (Inszenierungen und Aufführungen) ab. Es lässt sich aus den hier vorgelegten Ergebnissen nicht ohne weiteres folgern, dass die formal autonomeren Bewirtschaftungsformen des Eigenbetriebs oder der GmbH kostengünstiger sind als ein Regiebetrieb. Man darf sich deshalb von entsprechenden Umwandlungen (in eine GmbH oder Überführung in den privaten Betrieb) keine großen Ersparnisse erhoffen. Vielmehr als auf die Rechtsform oder auf den Rechtsträger kommt es darauf an, ob das jeweilige Theater auch wirtschaftlich gut geführt wird.

In Zeiten knapper Kassen ist die Schließung eines Theaters nicht die einzige Möglichkeit, öffentliche Mittel zu sparen. Die Theater in Berlin, mit Ausnahme der großen fünf Häuser, haben gezeigt, dass eine schmerzhafte Senkung der Zuschüsse verkraftet werden kann, ohne den Spielbetrieb einzuschränken oder das Haus zu schließen. Der Beitrag der großen Bühnen der Stadt zur Haushaltssanierung steht jedoch noch aus. Eine Schließung sollte nur die Ultima Ratio sein. Sowohl in Großstädten als auch in ländlichen Gebieten sind dabei auch die damit verbundenen indirekten Effekte (schwindende kulturelle Ausstrahlung, Attraktivität der Stadt oder Region, Verlust der Arbeitsplätze u. a.) zu berücksichtigen.

[1] Vgl. Theaterstatistik des Deutschen Bühnenvereins für die Spielzeit 1999/2000.

[2] Die Daten über die Berliner Theaterzuschüsse stammen aus den Haushaltsplänen des Landes Berlin 1993 bis 2001. Alle Angaben sind in DM-Preisen von 2001 ausgewiesen.

[3] Nicht berücksichtigt werden in dieser Statistik die privat betriebenen Theater, von denen viele ebenfalls öffentlich unterstützt werden, sowie kommerzielle Theater wie die Musical-Theater in Hamburg, Bochum oder Stuttgart.

[4] Vgl. Holger Mühlenkamp: Der Einfluß der Rechtsform auf die Kosten und den Kostendeckungsgrad von öffentlichen Theatern in der Bundesrepublik Deutschland, Arbeitsbericht 192 am Fachbereich Wirtschafts- und Sozialwissenschaft der Universität Lüneburg.

[5] Vgl. Holger Mühlenkamp, a. a. O., sowie Holger Mühlenkamp: Rechtsform, Trägerschaft und Effizienz öffentlicher Unternehmen. In: Zeitschrift für öffentliche und gemeinwirtschaftliche Unternehmen, Jg. 24, Heft 2, 2001, S. 152-169.

[6] Der Erklärungsbeitrag einer Variablen ist signifikant, wenn man mit einer im Voraus festgelegten Fehlerwahrscheinlichkeit sagen kann, dass der Koeffizient von Null verschieden ist, d. h. dass die Variable tatsächlich einen Einfluss ausübt.

[7] Vgl. Susanne Krebs und Werner W. Pommerehne: Politico-Economic Interactions of German Public Performing Arts Institutions. In: Journal of Cultural Economics, Jg. 19, Heft 1, 1995, S. 17-32.

-------------------------------------------------------------------------------
Tabelle 1
Kennzahlen öffentlicher Theater in Deutschland
Spielzeit 1999/2000

-------------------------------------------------------------------------------
                  Minimum   Durchschnitt   Maximum   Gesamtsumme

Platzangebot          69        1 681        6 419       258 916

Besucher
am Standort        2 743      131 121      583 919    20 192 616

Veranstaltungen
am Standort           26          415        1 172        63 900

Inszenierungen         2           31           89         4 712

Neuinszenierungen      0           16           40         2 430

Kosten
(in 1 000 DM)        270       28 971      150 660     4 432 541


                   Gesamt        West          Ost

Anzahl               155          102           53


Rechtsform  Eigenbetrieb  Regiebetrieb   GmbH   Zweck-   e. V.   GbR   öffentl.
                                               verband                 -rechtl.
                                                                        Anstalt

Anzahl           19            71         40      10       8      5        2


Rechtsträger   Gemeinde   Kreis   Land   Mehrträgerschaft   e. V.

Anzahl            78        5      28           39            5

-------------------------------------------------------------------------------
Quellen: Theaterstatistik des Deutschen Bühnenvereins für die Spielzeit
 1999/2000; Berechnungen des DIW Berlin.

DIW Berlin 2002

===============================================================================
-------------------------------------------------------------------------------
Tabelle 2
Determinanten der Kosten von Theaterunternehmen
Kleinst-Quadrate-Schätzung

-------------------------------------------------------------------------------
                            Regression 1      Regression 2      Regression 3

Variable                   Koeffizient (1)   Koeffizient (1)   Koeffizient (1)
                          (korr. Standard-  (korr. Standard-  (korr. Standard-
                            fehler) (2)       fehler) (2)       fehler) (2)

Konstante                       -61,43         -2 861,72         -3 020,68
                             (2 668,10)        (2 483,49)        (2 422,88)
Platzangebot
 (Größe des Theaters)             2,01             -1,27              1,42
                                 (1,51)            (2,08)            (2,17)
Inszenierungen                  162,65**          383,88***         406,34***
                                (84,21)          (134,79)          (137,13)
Opernveranstaltungen            370,47***         288,82***         279,96***
                                (51,84)           (44,49)           (47,62)
Ballettveranstaltungen           81,82             19,72              6,31
                               (127,66)           (92,65)           (95,19)
Operettenveranstaltungen       -128,20            -17,11            -33,32
                                (93,33)           (84,48)           (81,50)
Musical-Veranstaltungen          70,93**           45,66**           28,39
                                (29,13)           (23,25)           (25,77)
Schauspiele                      35,71***          16,06             -0,30
                                (13,42)           (12,78)           (11,86)
Kinder- und
 Jugendveranstaltungen          -22,20            -12,67            -23,24
                                (18,29)           (13,64)           (14,47)
Konzertveranstaltungen          -73,23             45,46             32,34
                                (79,53)           (71,58)           (72,42)
Sonstige Veranstaltungen          3,35             -9,28            -20,85
                                 (9,44)           (14,29)           (14,36)
Gastspiele fremder Ensembles     -6,37              0,46             -9,65
                                (13,61)           (12,55)           (12,07)
Gastspiele in
 anderen Gemeinden                2,20             -1,32             -0,35
                                (10,12)           (11,65)           (12,09)
Einwohner                          -                4,18***           5,96***
                                   -               (1,36)            (1,66)
Anteil der Neuinszenierungen
an allen Inszenierungen            -             -426,32***        -429,94***
                                   -             (144,93)          (148,06)
Verhältnis Anzahl
 Privattheater -
 Anzahl öffentlicher
 Theater                           -            2 317,37***       2 359,51***
                                   -             (624,06)          (645,15)
Ostdeutschland × Platzangebot      -                3,51              2,87
                                   -               (2,79)            (2,82)
Ostdeutschland × Veranstaltungen   -              -15,52            -13,42
                                   -               (9,82)            (9,19)
Eigenbetrieb × Platzangebot        -               -0,98             -3,39
                                   -               (2,59)            (2,49)
Eigenbetrieb × Veranstaltungen     -               16,00*            25,85***
                                   -               (9,79)            (9,32)
GmbH × Platzangebot                -                2,03              1,06
                                   -               (2,98)            (3,62)
GmbH × Veranstaltungen             -               -3,52              0,86
                                   -              (11,65)           (13,32)
Sonstige Rechtsformen (3)
 × Platzangebot                    -                4,27              3,05
                                   -               (4,138)           (4,627)
Sonstige Rechtsformen (3)
 × Veranstaltungen                 -              -11,06             -7,94
                                   -              (17,22)           (18,47)
Rechtsträger Land × Platzangebot   -                5,63*             1,15
                                   -               (3,084)           (4,198)
Rechtsträger Land
 × Veranstaltungen                 -              -11,11              9,24
                                   -              (11,33)           (17,08)
Rechtsträger Kreis
 × Platzangebot                    -              -14,76            -19,14
                                   -              (13,93)           (13,86)
Rechtsträger Kreis
 × Veranstaltungen                 -               26,41             36,13
                                   -              (29,29)           (28,65)
Mehrträgerschaft × Platzangebot    -               -3,53             -5,06
                                   -               (3,98)            (4,163)
Mehrträgerschaft
 × Veranstaltungen                 -               11,05             17,40
                                   -              (15,92)           (16,12)
Rechtsträger e. V.
 × Platzangebot                    -               -3,43             -4,32
                                   -               (4,18)            (4,423)
Rechtsträger e. V.
 × Veranstaltungen                 -               15,29             19,54
                                   -              (19,77)           (20,01)


Gütemaß der Schätzung R2          0,79              0,90              0,90
Gütemaß der Schätzung
 (Adjusted R2)                    0,77              0,88              0,87
F-Statistik                      44,60             36,86             34,80
Wahrscheinlichkeit
 (F-Statistik)                    0,00              0,00              0,00

-------------------------------------------------------------------------------
(1) Signifikanzniveau: * < 10 %, ** < 5 %, *** < 1 %.
(2) Heteroskedastie-korrigierte Residuen nach White.
(3) Gesellschaft bürgerlichen Rechts, Zweckverband, öffentlich-rechtliche
 Anstalt, eingetragener Verein.

Quellen: Theaterstatistik des Deutschen Bühnenvereins für die Spielzeit
1999/2000; Berechnungen des DIW Berlin.

DIW Berlin 2002

===============================================================================
© 21/02